BGH · IVb ZR 27/84 vom 05.06.1985
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Zahlung eines Prozeßkostenvorschusses kann nach der Beendigung des Prozesses jedenfalls dann nicht mehr verlangt werden, wenn der Anspruch gegenüber dem verpflichteten Ehegatten noch nicht geltend gemacht woLden war. Zugleich trat ihnen die Ehefrau ihren Anspruch auf Prozeßkostenvorschuß gegen den Beklagten nach § 1360a Abs.4 BGB ab. Da der Beklagte ihrer Zahlungsaufforderung nicht nachkam, machen die Kläger ihre Kosten für die Vertretung der Ehefrau in dem Scheidungsverfahren - gestützt auf die Abtretung des Anspruchs auf Prozeßkostenvorschuß - im vorliegenden Verfahren geltend. § 1360a Abs.4 BGB, auf den die Kläger ihr Begehren stützen, dient dem Zweck, dem unterhaltsberechtigten Ehegatten die Führung eines eine persönliche Angelegenheit betreffenden Rechtsstreits zu ermöglichen, wenn er nicht in der Lage ist, die für die Prozeßführung notwendigen Kosten alsbald auf andere Weise aufzubringen (vgl. Aus diesem Zweck des Anspruchs nach § 1360a Abs.4 BGB folgt, wie der Senat in Übereinstimmung mit der allgemein herrschenden Meinung durch Urteil vom 15. Mai 1985 (IVb ZR 33/84, zur Veröffentlichung bestimmt) ausgesprochen hat, nach der Natur der Sache, daß ein "Vorschuß" auf Prozeßkosten nicht mehr verlangt werden kann, wenn der Rechtsstreit (oder die Instanz), dessen Führung er ermöglichen soll, bereits abgeschlossen ist. 5 229, 234) - vor der Beendigung des Rechtsstreits oder der Instanz gerichtlich geltend gemacht (bejahend: BGB-RGRK/Wenz aaO Rdn. 35) oder wenn der Beklagte rechtzeitig in Verzug gesetzt worden wäre (OLG Düsseldorf FamRZ 1981, 295, 296), kann dahingestellt bleiben. Einen Antrag - etwa - auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung nach § 620 Satz 1 Nr. 9 ZPO haben die Kläger nicht gestellt. Juni 1982) den Beklagten vor der Rücknahme des Scheidungsantrags wegen der Leistung eines Prozeßkostenvorschusses in Verzug gesetzt, S 284 Abs. 1 BGB. Juli 1982 (die überdies nach dem zeitlichen Zusammenhang nicht auf Zahlung eines Vorschusses im Sinne von S 17 BRAGO, sondern auf eine endgültige Begleichung der Anwaltskosten gemäß § 16 BRAGO gerichtet gewesen sein dürfte) zur Zahlung aufgefordert und ersichtlich erst durch ihr Schreiben vom 11. a) Es wird zwar die Ansicht vertreten, daß der Prozeßkostenvorschuß zu dem unterhaltsrechtlichen Sonderbedarf des bedürftigen Ehegatten im Sinne von § 1613 Abs. 2 Satz 1 BGB ge- Da der Bedarf jedoch nach der ausdrücklichen Regelung des § 1360a Abs.4 BGB von dem unterhaltspflichtigen Ehegatten nur insoweit zu decken ist, als es sich um einen notwendigen Prozeß kosten Vorschuß handelt - nur insoweit hat der Bedürftige im Rahmen der Billigkeit einen Anspruch auf einen Beitrag zu seinem Unterhalt (BGHZ 56, 92, 95) - scheidet eine Erfüllung dieses "SonderbedarfsM für die Vergangenheit (§ 1613 Abs. 2 BGB) nach dem Wesen der Prozeßkostenvorschußpflicht jedenfalls aus (Göppinger/Häberle Unterhaltsrecht 4. b) Ein anderes Ergebnis kommt auch nicht deshalb in Betracht, weil die - mittellose - Ehefrau des Beklagten nach der Beendigung des Rechtsstreits weiterhin mit den Kosten für die Inanspruchnahme der Kläger belastet bleibt (§ 269 Abs.3 Satz 2 ZPO, § 16 BRAGO; ein Fall des § 364 Abs. 1 BGB liegt nicht vor, vgl. 4. Etwas anderes folgt entgegen der Auffassung der Revision hier auch nicht daraus, daß die Ehefrau des Beklagten den Anspruch auf den Prozeßkostenvorschuß bereits am 22. Daher hatte auch die nach § 398 BGB auf die Kläger übertragene Forderung nur den Anspruch auf einen Prozeßkosten Vorschuß zu dem Inhalt und nicht etwa einen weitergehenden Anspruch, aufgrund dessen der Beklagte verpflichtet gewesen wäre, seine Ehefrau von den Kosten des durch die Klagerücknahme beendeten Scheidungsprozesses freizustellen. sie - wenn überhaupt als Vorschußanspruch - erst geltend gemacht, nachdem der Rechtsstreit abgeschlossen und damit für die Leistung eines Kosten Vorschusses kein Raum mehr war (vgl. 5. Hieran kann unter den gegebenen Umständen schließlich auch die Tatsache nichts ändern, daß die Kläger möglicherweise im Vertrauen auf den Bestand der Prozeßkostenvorschußpflicht des Beklagten für seine Ehefrau tätig geworden sind, ohne wegen der Begleichung ihrer Kosten gesichert zu sein. Dabei erfaßt der Anspruch auf den Prozeßkostenvorschuß, soweit es sich bei dem zu führenden Rechtsstreit um einen Anwaltsprozeß handelt, auch die notwendigen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts. Ist das geschehen und etwa eine einstweilige Anordnung nach § 620 Satz 1 Nr. 9 ZPO erlassen worden, so kann, wie der Senat in dem bereits erwähnten Urteil vom 15. Juni 1982 erfolgten Abtretung des Anspruchs aus § 1360a Abs.4 BGB davon abgesehen, sogleich bei Einreichung des Scheidungsantrags den Erlaß einer einstweiligen Anordnung auf Leistung eines Prozeßkostenvorschusses gegen den Beklagten zu beantragen. Da der an sie abgetretene Anspruch nur auf die Zahlung eines Prozeßkosten Vorschusses und nicht auf endgültige Übernahme ihrer Kosten durch den Beklagten gerichtet war, konnten die Kläger auch nur in ihrem Vertrauen auf den Bestand eines Anspruchs auf einen Prozeßkostenvorschuß in dem sich aus § 1360a Abs.4 BGB ergebenden Umfang geschützt sein. Die Frage, ob ein an den Prozeßbevollmächtigten abgetretener Vorschußanspruch auch unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes nach Beendigung des Rechtsstreits weiterverfolgt werden könnte, wenn er rechtzeitig rechtshängig gemacht oder der Schuldner in Verzug gesetzt worden wäre, kann aus den oben unter 2.