BGH · IVb ZB 69/85 vom 22.01.1986
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Das Amtsgericht hat den Beklagten zur Zahlung einer Unterhaltsrente in unterschiedlicher Höhe, unter anderem nach Eintritt der Volljährigkeit des Klägers zu 81 DM monatlich, verur- In dem Gesuch wird ausgeführt, nach Bewilligung der Prozeßkostenhilfe werde beantragt, den Beklagten ab Volljährigkeit des Klägers in Abänderung des amtsgerichtlichen Urteils zur Zahlung einer monatlichen Unterhaltsrente von 412 DM zu verurteilen. April 1985 hat das Oberlandesgericht dem Kläger Prozeßkostenhilfe für den zweiten Rechtszug bewilligt, soweit er für die Zeit ab Volljährigkeit monatlich 350 DM begehre, und am Schluß der Begründung den Hinweis angefügt, daß nach Auffassung des Gerichts der Schriftsatz vom 19. April 1985, eingegangen am folgenden Tage, hat der Kläger Berufung eingelegt und Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Berufungsfrist beantragt. Mai 1985, daß trotz der Ankündigung in der Berufungsschrift kein weiterer Schriftsatz zu den Akten gelangt sei, hat die Prozeßbevollmächtigte des Klägers mit Schriftsatz vom 7. Juni 1985, mitgeteilt, da das Prozeßkostenhilfegesuch bereits den Voraussetzungen einer Berufungsbegründung entsprochen und alle notwendigen tatsächlichen und rechtlichen Ausführungen enthalten habe, sei sie der Meinung gewesen, daß dieses Prozeßkostenhilfegesuch als Berufungsbegründung aus-reiche, und habe bei der Einlegung der Berufung nicht nochmals eine Fotokopie des Gesuchs als Berufungsbegründung übersandt. Dieser Mitteilung der Berufungsanwältin des Klägers war eine von ihr Unterzeichnete Stellungnahme beigefügt, in der zur Begründung der Berufung auf das Prozeßkostenhilfegesuch Bezug genommen und ergänzend vorgetragen wird, daß der Kläger nach der Berufungseinlegung eine Lehrstelle gefunden habe. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers als unzulässig verworfen, weil sie nicht fristgerecht begründet Zutreffend ist das Oberlandesgericht davon ausgegangen, daß die Berufungsbegründung, die nach § 519 Abs. 2 Satz 1 ZPO entweder bereits in der Berufungsschrift selbst oder in einem weiteren Schriftsatz bei dem Berufungsgericht einzureichen ist, auch dadurch erfolgen kann, daß auf andere, bereits früher eingereichte Schriftsätze Bezug genommen wird, die von einem beim Berufungsgericht zugelassenen Rechtsanwalt unterzeichnet sind und inhaltlich den Anforderungen einer Berufungsbegründung gerecht werden, und daher auch die Bezugnahme auf ein bereits bei den Akten befindliches Prozeßkostenhilfegesuch ausreichen kann. Ebenso hat das Berufungsgericht berücksichtigt, daß eine solche Bezugnahme nicht notwendig ausdrücklich erfolgen muß, sondern sich auch aus den Begleitumständen und dem Zusammenhang ergeben kann. Daß das Prozeßkostenhilf egesuch des Klägers den Anforderungen entsprach, die an eine Berufungsbegründung zu stellen sind und, wie die Beschwerde hervorhebt, in einem weiteren Schriftsatz nicht mehr zur Begründung des Rechtsmittels hätte vorgetragen werden können, rechtfertigt es nicht, das Rechtsmittel im Hinblick auf jenes Prozeßkostenhilfegesuch des Klägers als rechtzeitig begründet anzusehen. Mai 1985 - IVb ZB 138, 139/84) gebilligte Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, daß es für die Annahme einer Berufungsbegründung ausreicht, wenn der Inhalt der Berufungsschrift bei Berücksichtigung der gesamten Lage des Rechtsstreits eine stillschweigende Bezugnahme auf das früher eingereichte Armenrechtsgesuch erkennen läßt, bedeutet nicht, daß ein vor Einlegung der Berufung angebrachtes Prozeßkostenhilfegesuch, das an sich als Berufungsbegründung verwendbar gewesen wäre, die spätere Rechtsmittelbegründung ersetzt oder unnötig macht (vgl. April 1985 im Rahmen des Wiedereinsetzungsgesuchs ausdrücklich auf den Prozeßkostenhilfeantrag verwiesen wird, um das frühere wirtschaftliche Unvermögen des Klägers und damit seine Schuldlosigkeit an der Fristversäumung darzutun, sogar den Schluß, daß die Berufungsanwältin bei der Abfassung des Schrift-tsatzes den Prozeßkostenhilfeantrag vor Augen gehabt, jedoch nur Veranlassung zu der dargelegten partiellen Bezugnahme im Rahmen des Wiedereinsetzungsgesuchs gesehen hat. Der Möglichkeit, in der Berufungsschrift auch eine weitergehende Bezugnahme auf den Prozeßkostenhilfeantrag zu erblicken, steht, wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, außerdem der im Anschluß an den Berufungsantrag enthaltene ausdrückliche Hinweis entgegen, daß "die Berufungsbegründung" folge.