BGH · IVa ZR 286/86 vom 04.05.1988
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Da § 15 Abs.2c AFB und § 15 Abs.2e VHB 74 unwirksam sind, kann sich der Versicherer auf eine Vereinbarung über die Teilung der Kosten des Sachverständigenverfahrens nur dann berufen, wenn er vorher den Versicherungsnehmer über die Rechtslage aufgeklärt hat oder wenn der Versicherungsnehmer bei Abschluß der Vereinbarung erwiesenermaßen die Rechtslage kannte, die ohne die Vereinbarung bestünde (Ergänzung zu BGHZ 83, 169). Der IVa-ZivilSenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsitzenden Richter Dr. Hoegen und die Richter Rottmüller, Dehner, Dr. Ritter und Dr. v. Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 3. Den hierbei entstandenen Schaden an Gebäuden sowie an Inventar und Hausrat hat die Beklagte nach Ermittlung im sogenannten förmlichen Sachverständigenverfahren nach §S 15 AFB und VHB 74 mit knapp 1 Mio.DM Entschädigungsleistung reguliert. "Der Schaden wird im bedingungsgemäßen Sachverständigenverfahren festgestellt; die Kosten für die Sachverständigen zahlt jede Partei selbst." Der Kläger wurde dabei nicht darüber belehrt, daß die entsprechende Kostenregelung in S 15 Abs.2c AFB und S 15 Abs.2e VHB 74 unwirksam ist. März 1982 - BGHZ 83, 169 - ausgesprochen, daß die Regelung in S 15 Abs.2e VHB 66, wonach jede Partei die Kosten ihres Sachverständigen trägt, eine gegen die Gebote von Treu und Glauben verstoßende, unangemessene Benachteiligung des Versicherungsnehmers Dem Versicherer, bei dem die Kenntnis der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu seinen Versicherungsbedingungen vorausgesetzt werden muß, kann nicht verborgen geblieben sein, daß er nicht durch einseitiges Verlangen eines Sachverständigenverfahrens die Kostenteilung nach den genannten Versicherungsbedingungen herbeiführen kann. Er weiß ferner, daß der Versicherungsnehmer, bei dem nur die Kenntnis der einschlägigen Versicherungsbedingungen, nicht aber die der höchstrichterlichen Rechtsprechung vorausgesetzt werden kann, regelmäßig von der Gültigkeit der Versicherungsbedingungen ausgeht und daher der Meinung ist, der Versicherer könne ohnehin durch einseitiges Verlangen eines Sachverständigenverfahrens die Kostenteilung herbeiführen und er, der Versicherungsnehmer, könne sich daher nicht mit Aussicht auf Erfolg einem Verlangen des Versicherers auf Kostenteilung widersetzen. Angesichts dieser überlegenen Kenntnis des Versicherers von der wirklichen Rechtslage stellt es einen groben Verstoß gegen Treu und Glauben dar, wenn der Versicherer im Rahmen eines bestehenden, auf der Grundlage der AFB oder der VHB 74 abgeschlossenen Versicherungsverhältnisses eine Vereinbarung über ein Sachverständigenverfahren mit Kostenteilung herbeiführt, ohne den Versicherungsnehmer darüber zu belehren, daß dieser nicht verpflichtet ist, einem Sachverständigenverfahren mit Kostenteilung zuzustimmen. sich daher auf eine Vereinbarung über die Kostenteilung nur nach vorangegangener entsprechender Aufklärung des Versicherungsnehmers berufen (ebenso Martin in Prölss/Martin, WG 24. Da eine solche Belehrung hier unstreitig nicht erfolgt ist und eine entsprechende Kenntnis des Klägers nicht vorliegt, muß sich die Beklagte so behandeln lassen, als ob sie einseitig das Sachverständigenverfahren verlangt hätte, wobei sie die gesamten Kosten zu tragen hätte (Senat aaO).