BGH · IVa ZR 136/82
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
a) Läßt das Oberlandesgericht die Revision zu, obwohl sie bereits kraft Gesetzes zulässig ist, dann geht die Zulassung ins Leere und ist ohne Wirkung (Anschluß an BGHZ 69, 93, 95 und BGH Urteil vom 30.11.1979 - I ZR 30/79 = LM ZPO § 546 Nr. 95). b) Bei der subjektiven Klagenhäufung ist die Beschwer aller Streitgenossen, soweit es sich nicht um wirtschaftlich identische Streitgegenstände handelt, zusammenzunehmen (Anschluß an BGH Urteil vom 28.10.1980 - VI ZR 303/79 = LM ZPO § 546 Nr. 101). Der IV a - Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsitzenden Richter Dr. Hoegen und die Richter Rottmüller, Dehner, Dr. Schmidt-Kessel und Rassow am 23. 1. Die Revision der Kläger gegen das Urteil des 1. stellungsanträge beider Kläger im wesentlichen als unbegründet und im übrigen als unzulässig angesehen; die Beschwer der Kläger hat es auf je 35.000,- DM festgesetzt, gleichwohl hat es "gemäß § 5^-6 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 ZPO" die Revision zugelassen. Die Revision ist kraft Gesetzes zulässig; der Senat nimmt sie aber nicht zur Entscheidung an, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und weil die Revision auch keine Aussicht auf Erfolg im Endergebnis verspricht. 1. In einem Rechtsstreit über vermögensrechtliche Ansprüche wie hier, bei dem der Wert der Beschwer 40.000,- DM übersteigt, kann die beschwerte Partei gegen das Berufungs-urteil des Oberlandesgerichts kraft Gesetzes (§§ 545, 546 Abs. 1 Satz 1 ZPO) Revision einlegen. Für eine Zulassung der Revision durch das Berufungsgericht gemäß § 546 Abs. 1 ZPO besteht in einem solchen Falle kein Raum. Hat die Rechtssache nach der Auffassung des Bundesgerichtshofes keine grundsätzliche Bedeutung und verspricht sie auch keinen Erfolg im Endergebnis, dann kann er die Annahme der Revision gemäß § 554 b ZPO in der Auslegung durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 54, 277) ablehnen. Übersteigt die Beschwer den Betrag von 40.000,- DM dagegen nicht, dann findet die Revision gemäß § 546 Abs. 1 Satz 1 ZPO nur statt, wenn das Oberlandesgericht sie in dem Urteil zugelassen hat. An diese Zulassung ist der Bundesgerichtshof gemäß § 546 Abs. 1 Satz 3 ZPO gebunden; die Annahme der Revision kann er dann nicht gemäß § 554 b ZPO ablehnen. Greift das Oberlandesgericht in den dem Bundesgerichtshöfe verbehal-tenen Bereich über und läßt es die Revision zu, obwohl diese bereits kraft Gesetzes zulässig ist, dann geht die Zulassung ins Leere; sie ist ohne Wirkung, daher unschädlich und für den Bundesgerichtshof unbeachtlich (vgl. Weder die wirkungslose Zulassung als solche noch die dafür gegebene Begründung können den Bundesgerichtshof daran hindern, die Frage nach der grundsätzlichen Bedeutung der Sache selbständig zu beurteilen und sie trotz § 546 Abs. 1 Satz 3 ZPO gegebenenfalls auch zu verneinen; auch in solchen Fällen kann der Bundesgerichtshof die Annahme der Revision aufgrund der Entlastungsvorschrift des § 554 b ZPO ablehnen. 2. Das Oberlandesgericht hat die Revision im vorliegenden Fall vermutlich deshalb gemäß § 546 Abs. 1 ZPO zugelassen, weil es davon ausging, ohne die Zulassung sei das angefochtene Urteil nicht revisibel. Vielmehr ist die Beschwer aller Streitgenossen, soweit es sich nicht um wirtschaftlich identische Streitgegenstände handelt, nach den auch insoweit maßgebenden Berechnungsvorschriften der §§ 2, 5 ZPO bei der subjektiven Klagenhäufung zusammenzurechnen. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat diesen Grundsatz aus Gründen der Waffengleichheit sogar auf einen Fall, in dem es um die Revision eines Beklagten ging, dessen Beschwer unter 40.000,- DM lag, ausgedehnt und zwar nur deshalb, weil ein Streitgenosse des Beklagten zur Zahlung von - anderen - 40.000,-IM verurteilt worden war (Urteil vom 28.10.1980 - VI ZR 303/79 - LM ZPO § 546 Nr. 101).