BGH · IV ZR 8/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Proseßbevo11mäghtlgter: Rechtsanwalt Br. in hat der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 18» April 1958 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Baske* Johanns en* Br»v»Werner und Wüst enbercg für Recht erkannt? Bie außergerichtlichen Kosten der Berufung und der Revision hat die Klägerin zu tragen» Im übrigen sind die Verfahren gebühren- und auslagehfrei, Von Rechts wegen Die Klägerin wanderte darauf zusammen mit ihrem Ehemann nach der Tschechoslowakei aus. Sie verlangt eine dieser Minderung entsprechende Kapitalentschädigung und Rente, Während die Entschädigungsbehörde und das Landgericht ihr eine solche Entschädigung versagt haben, hat das Kamme rgericht das beklagte Land verurteilt, an die Klägerin aus Schaden an Körper und Gesundheit unter Zugrundelegung einerfverfolgungsbedingteh Minderung der Erwerbsfähigkeit von 40 $ ab 1. I* Las Kammergerieht hat als erwiesen angesehen, daß die Scheidung der Ehe der Klägerin in die Wege geleitet-worden sei, v/eil der Ehemann aus rassischen Gründen nach den Vereinigten Staaten auswandern wollte, während die Klägerin zunächst in Deutschland bleiben sollte, wobei die Absicht bestanden habe, später wieder zusammenzuleben, Lie Schei-dung der Ehe sei daher ebenso wie die Auswanderung des Ehemanns nach den Vereinigten Staaten und das Getrenntleben während der folgenden Jahre verfolgungsbedingt. da ein Entschädigungsanspruch wegen des GesundheitsSchadens nach den Vorschriften des Bundesentschädigungsgesetzes nicht zugebilligt werden kann. Wie dar erkennende Senat wiederholt ausgesprochen hat; gewährt das Bundesanischädigurgsgesetz - abgesehen von dem Fall des § 88 Nr« 5 - für sog, mittelbare Schäden keine Entschädigung (vgl, insbesondere die zur “Veröffentlichung bestimmte Entscheidung vom 18* Ivlärz 1958 - XV ZE 558/57 sowie die Entscheidung vom 22» Januar 1958 - IV ZE 314/57)- Nach den Feststellungen des Kammergeriehts beruhen aber die Gesundheitsschaden, die die Klägerin erlitten haben will, auf Maßnahmen, die unmittelbar außer gegen den Schwiegervater, höchstens gegen ihren Ehemann gerichtet waren« Die Vermutung, v;ie sie § 64 Abs» 2 BSG für Schäden im beruflichen Fortkommen aufstellt;, besteht für Gesundheitsschäden nicht» Vor allem aber ist die Klägerin selbst auch nicht unmittelbar verfolgt werden, denn gegen sie , selbst sind irgendwelche nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen nicht ergriffen worden. DVO hierzu geht fehl, da es sich in dem hier vorliegenden Fall nicht um Schäden handelt, die aus der Nichtbeschäftigung einer Hausangestellten herrühren können, ganz abgesehen davon, daß schon ab August 1958 derartige Schwierigkeiten für die Klägerin nicht mehr bestanden haben. Bas Landgericht hat somit zu Hecht den Entschädigungsanspruch der Klägerin wegen des Gesundheitsschädens abge- Infolgedessen ist unter Aufhebung des Berufungsur-teils die Berufung der Klägerin hinsichtlich des Gesund-heitsschadens zurückzuweisen, ohne daß es einer Entscheidung darüber bedurfte, ob die von der Revision gegen das Berufungsurteil erhobenen Angriffe deswegen begründet sind, v/eil das Bertifungsgericlit bei der Annahme eines Zwangs zur Scheidung der Ehe und verfolgungsbedingter Auswirkungen der Scheidung gegen die Vorschrift das § 286 ZPO verstoßen habe* die Scheidung und das Getrenntleben auch nicht der Verfolgung adäquat gewesen sei und das Berufxingsgericht die Vorschriften der §§ 529 und 411 ZPO verletzt habe.