BGH · IV ZR 5/72 vom 25.05.1973
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BGB §§ 1378, 1379, 141; EheG § 72 Der vor Erhebung der Scheidungsklage in einer die Scheidung erleichternden Vereinbarung ausgesprochene Verzicht auf Ausgleich des Zugewinns kann dadurch Geltung erlangen, daß die Ehegatten das Ehescheidungs verfahren auf der Grundlage der getroffenen Abreden durchfUhren (Ergänzung zu BGHZ 54, 58). Er beruft sich darauf, daß die Klägerin seinerzeit mit ihm zur Durchführung des Ehescheidungsverfahrens eine Vereinbarung getroffen habe, in der sie neben anderem auch auf den Ausgleich des Zugewinns verzichtet habe. im übrigen geltend, sie habe die Vereinbarung alsbald angefochten und der Beklagte habe sich auch nicht mehr daran gehalten. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Beklagten zurückgewiesen und die Revision zugelassen. In dem in BGHZ 5^> 38 veröffentlichten Urteil hat der erkennende Senat entschieden, daß die Parteien im Verlaufe eines anhängigen Ehescheidungsverfahrens zur Erleichterung der Scheidung formlos eine Vereinbarung treffen können, durch die der Ausgleich des Zugewinns für den Fall geregelt wird, daß die Ehe in diesem Verfahren entsprechend der getroffenen Vereinbarung geschieden wird. Nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen haben die Parteien in dem hier zu entscheidenden Fall die Vereinbarung getroffen, bevor die Ehescheidungsklage anhängig wurde. Das Berufungsgericht hat unter Bezugnahme auf das oben angeführte Urteil des erkennenden Senats zutreffend ausgesprochen, daß ein in einer die Scheidung erleichternden Vereinbarung enthaltener Verzicht auf Ausgleich des Zugewinns unwirksam ist, wenn die Vereinbarung geschlossen wird, bevor das Ehescheidungsverfahren, zu dessen Erleichterung sie dienen soll, anhängig wird. Es hat zutreffend ausgeführt, daß eine rechtlich unwirksame vorher getroffene Vereinbarung dadurch Geltung erlangen kann, daß das später anhängig werdende Ehescheidungsverfahren von den Eheleuten entsprechend dieser unwirksamen Vereinbarung durchgeführt wird. Darin liegt entweder eine Bestätigung der früheren unwirksamen Abrede, mindestens aber würde ein Ehegatte gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn er die Vereinbarung nicht mehr gelten läßt und seine Rechte ungeschmälert geltend macht, nachdem der andere Ehegatte sich an diese gehalten hat und die Ehe, so wie es erstrebt war, geschieden worden ist (vgl. Die Klägerin, die im Ehescheidungs-verfahren Beklagte war, hat vielmehr kurze Zeit, nachdem ihr die Klage zugestellt worden war, dem jetzigen Beklagten und damaligen Kläger erklärt, daß sie die vorher getroffene Vereinbarung nicht gelten lassen wolle. Darauf hat sich dieser nach den Feststellungen des Berufungsgerichts auch nicht mehr an die Absprachen gehalten. Unter diesen Umständen ist die vorher getroffene rechtlich unverbindliche Vereinbarung durch den Verlauf, den die Parteien dem Ehescheidungsverfahren gegeben haben, nicht bestätigt worden. Es kann auch keine Rede davon sein, daß die Klägerin gegen Treu und Glauben verstößt, wenn sie im Widerspruch zu den seinerzeitigen Abreden nunmehr den Ausgleich des Zugewinns verlangt und zur Durchsetzung dieses Anspruches von dem Beklagten Auskunft über den Bestand seines Endvermögens begehrt.