BGH · IV ZR 98/78 vom 14.03.1979
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Zulässigkeit einer Klage auf Gewährung eines Prozeßkostenvorschusses wird durch die Möglichkeit der Erwirkung einer entsprechenden einstweiligen Anordnung grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 14. Aus diesem Grunde hat sie ihn mit der vorliegenden Klage auf Zahlung eines Prozeßkostenvorschusses von 1.213>20 DM in Anspruch genommen. Das Familiengericht hat die Klage abgewiesen, weil die Klägerin zu eigener Erwerbstätigkeit verpflichtet sei und deshalb keinen Unterhalt sanspruch gegen den Beklagten habe. Das Berufungsgericht hat dieses Urteil abgeändert und nach dem Antrag der Klägerin erkannt. Sie ist im Gegensatz zu dem Berufungsgericht der Ansicht, daß der vorliegenden Klage das Rechtsschutzinteresse fehle, weil das Gesetz mit dem in § 127 a ZPO geregelten Verfahren auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung einen Weg zur Erlangung eines Prozeßkostenvorschusses biete, der nicht nur rascher und billiger, sondern, im Hinblick auf die Notwendigkeit bloßer Glaubhaftmachung, auch einfacher sei als ein ordentliches Verfahren. 1. Fraglich erscheint bereits die Annahme, daß der Klägerin als einfacherer, schnellerer und billigerer Weg zur Erlangung eines Prozeßkostenvorschusses das einstweilige Anordnungsverfahren nach § 127 a ZPO offenstände. Ein dieses Verfahren einleitender Antrag ist nach §§ 127 a Abs. 2 Satz 2, 620 a Abs. 2 ZPO erst zulässig, wenn die Unterhaltssache anhängig oder ein Gesuch um Bewilligung des Armenrechts eingereicht ist (vgl. Hier hat die Klägerin bislang nur die Klage auf Zahlung des Prozeßkostenvorschusses für das beabsichtigte Unterhaltsverfahren, nicht aber dieses selbst anhängig und keinen Armenrechtsantrag eingereicht. Letztlich kann die Berechtigung jener Annahme jedoch auf sich beruhen, da auch der weitere Vortrag der Revision, daß die einstweilige Anordnung in ihrem Bereich einer Rechtsverfolgung im Wege der ordentlichen Klage das Rechtsschut?bedürfnis nehme und diese Klage unzulässig mache, nicht zutrifft. 2. Wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, ist in Fällen, in denen das Gesetz für eine Rechtsverfolgung mehrere prozessuale Möglichkeiten bietet, grundsätzlich davon auszugehen, daß das Nebeneinander der Rechtsbehelfe gewollt ist und der Rechtssuchende die Wahl hat, welchen Rechtsschutz er in Anspruch nehmen will. Diese Voraussetzungen sind für die Durchsetzung eines Anspruchs auf Gewährung eines Prozeßkostenvorschusses im Verhältnis zwischen einstweiliger Anordnung und ordentlichem Verfahren nicht erfüllt. a) Die Frage, ob die Erhebung einer Klage trotz der Möglichkeit der Erwirkung einer entsprechenden einstweiligen Anordnung zulässig ist, war bereits vor dem Inkrafttreten des 1. Sie wurde dort insbesondere insoweit erörtert, als es um die Regelung des Unterhalts der Ehegatten ging. Ein Teil der Rechtsprechung und des Schrifttums verneinte im Hinblick auf die Möglichkeit der einstweiligen Anordnung für den Regelfall die Zulässigkeit einer Unter-haltsklage wegen fehlenden Rechtsschutzbedürfnisses (vgl. Nach anderer Ansicht blieb es den Parteien des Eheprozesses unbenommen, den Unterhaltsanspruch auf dem sichereren prozessualen Wege eines ordentlichen Erkenntnisverfahrens geltend zu machen und eine mit den Bestandsgarantien eines Endurteils ausgestattete Entscheidung zu erwirken (vgl. § 37 sowie - für die Fassung des § 627 ZPO vor der 1. EheRG ist die Möglichkeit, den Ehegattenunterhalt in Ehesachen durch einstweilige Anordnung zu regeln, in § 620 Abs. 1 Nr. 6 ZPO vorgesehen. Soweit nach dieser Neuregelung zur vorstehenden Frage der Zulässigkeit einer Unterhaltsklage Stellung genommen worden ist, wird grundsätzlich die letztgenannte Auffassung vertreten und damit die Zulässigkeit der Klage bejaht (vgl. Mit der Möglichkeit, nach Anhängigwerden der Ehesache oder Einreichung eines Armenrechtsgesuchs (§ 620 Abs. 2 Satz 1 ZPO) eine einstweilige Anordnung über den Unterhalt zu erwirken, gewährt das Gesetz hinsichtlich des im materiellen Recht begründeten Unterhaltsanspruchs (§ 1361 oder §§ 1360, 1360 a BGB) lediglich einen einstweiligen Rechtsschutz und verdrängt mit dieser Sonderregelung die Vorschriften über die einstweilige Verfügung (vgl. Schon aus diesem Grunde ist davon auszugehen, daß das Rechtsschutzbedürfnis für die ordentliche Klage durch die Möglichkeit der Erwirkung einer Unterhaltsanordnung nicht beeinträchtigt wird (vgl. Vielmehr liegt der Anordnung auch hier ein materiell-rechtlicher Anspruch (§§ 1360 a Abs.4, 1361 Abs.4 Satz 4 BGB) zugrunde, hinsichtlich dessen sie lediglich vorläufigen Rechtsschutz gewährt (vgl. Währung eines Prozeßkostenvorschusses grundsätzlich durch die Möglichkeit der Erwirkung einer entsprechenden einstweiligen Anordnung gleichfalls nicht in Frage gestellt (ebenso Stein/Jonas/Schlosser, aaO § 620 a Rdn. 14; Stein/Jonas/Leipold9 aaO § 114 Rdn. 18; Wieczorek» aaO 2.