BGH · IV ZR 96/53
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
.dass sie keinerlei Ansprüche gegeneinander mehr haben, die Eheleute RMA auch nicht aus dem Ehe-■ verhältfhis und zwar weder Unterhalts- noch Erbansprüche , einerlei wie das in dem Scheidungsrechtsj-streit ergehende Urteil die Schuldfrage, behandelt, HlMMP; den 19. Pie Klägerin hat behauptet, Heinz habe die ihr gehörigen Gegenstände zunächst selbst benutzt und dann auf seiner Farm aufbewahrt, Pie Pelzmäntel habe er Ahne jede Veranlassung weggegebeh» Alle anderen Gegenstände, habe er für sich behalten oder aber ihren Verlust nicht gehindert und der von ihr bevollmächtigten Freundin, einer Frau Ftffli, gegenüber die Herausgabe verweigert» Ihr sei durch dieses Verhalten des Heinz ein er- heblicher Schaden entstanden, von dem sie mit der Klage •einen [Teilbetrag von 6„100,— PM geltend macht» Sie hält den Beklagten für schadensersatzpflichtig, weil er - wie sie behauptet in dem Vertrag vom 19» Pezember 1940 die Verpflichtung übernommen habe, für das Verhalten ihres Ehemannes Heinz einzusteheni nur der Beklagte habe die Möglichkeit gehabt, auf seinen Bruder Heinz Einfluss auszuüben» Seinen Verpflichtungen aus dem Vertrag sei der Beklagte nicht nachgekommen* weder habe er dafür gesorgt, dass ihre Bachen sorgfältig aufbewahrt und nach Beutschland gesandt würden, noch habe er genügend in diesem Sinne auf seinen Bruder Heinz eingewirkt» / ; • Per Beklagte hat bestritten, in dem Vertrag vom 'Dezember 1940 Verpflichtungen des Inhalts übernommen zu haben, wie die Klägerin es behauptet» Soweit er einen Einfluss auf seinen Bruder Heinz habe ausüben können, habe er es getan, er habe ihm telefonisch und brieflich Mitteilung vom Vertragsinhalt gemacht« starb der frühere Ehemann der Klägerin, Heinz Ruhe« Unter Berufung hierauf beantragte die Klägerin in dem Verhandlungstermin vom 24o März 1953 Vertagung mit der Begründung, sie müsse nunmehr behaupten, dass der Beklagte Erbe, mindestens aber Miterbe seines Bruders geworden sei? sie beabsichtige, ihren Klage'an-spruch nunmehr auch auf Erbfolge zu stützen und bitte, diese beabsichtigte Klageänderung zuzulassen« Der Beklagte widersprach einer Vertagung mit der Erklärung, er wisse noch nicht, ob sein Bruder nicht ein Testament hinterlassen habe; jedenfalls sei ein solches noch nicht eröffnet«, Der von der Klägerin beabsichtigten Klageänderung widerspreche er; er halte diese auch nicht für sachdienlich« Auf eine Versagung des rechtlichen Gehörs läuft aber im Ergebnis die Zurückweisung des Vertagungsantrages hier hinaus, wie sich aus folgendem ergibt s Heinz war am 24e Februar 1953 gestorben« Auf diese neu eingetretene, von der .Klägerin sofort, nämlich in der Verhandlung vom • 24» März 1953 vorgebrachte und vom Beklagten auch nicht bestrittene Tatsache hatte die Klägerin - ebenfalls in der Verhandlung vom 24. Diesem Vorbringen ist der Beklagte nicht etwa mit der Behauptung entgegengetreten, es seien nähere Verwandte vorhanden, die ihn von der Erbfolge ausschlössen oder Heinz Rfefe habe ein ihn enterbendes Testament errichtet, sondern er hat nur eingewandt, er sei über die Erbfolge nicht unterrichtet und wisse auch nicht, ob ein Testament vorliege, Angesichts dieses Sachverhalts war es nicht unwahrscheinlich, dass der Beklagte Erbe oder doch wenigstens Miterbe des Heinz Rife war; auch wenn ein Testament von Heinz errichtet worden sein sollte, brauchte der Beklagte noch nicht vom Nachlass ausgeschlossen worden zu sein» Wenn aber der Beklagte mit gewisser Wahrscheinlichkeit Erbe oder Kiterbe war, so folgte daraus auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass er für die Verbindlichkeiten des Heinz Rfe* in irgend einer Form haftete« Ob dies der Fall war, konnte in dem Termin vom 24o März 1953 von der Klägerin und ihrem Prozess-* bevollmächtigten noch nicht übersehen werden,. Vertagungsantrag nicht stattgab„ Wie das Reichsgericht in RGZ 81, 521 mit Recht angenommen hat, ist das rechtliche Gehör dann versagt., wenn einem Beklagten durch Zurückweisung eines Vertagungsantrages die Möglichkeit genommen wird, sich auf ein neues Vorbringen des Klägers erschöpfend zu erklären« Dies ist aber auch dann anzunehmen, wenn durch den Eintritt einer neuen Tatsache der Klageanspruch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine neue Grundlage gestellt worden ist und der Kläger sich wegen der Kürze der seit dem Eintritt dieser neuen Tatsache verflossenen Zeit nicht genügend über die neue Sachund Rechtslage unterrichten kann« Unter diesen Umständen durfte das Oberlandesgericht den Vertagungsantrag auch nicht deswegen zurückweisen,. weil durch die beabsichtigte Klageänderung eine\zeitraubende Aufklärung nötig würde« Für diese Beurteilung fehlte.ihm noch jede Grundlage, da es nicht wusste, was die Klägerin > im einzelnen zu dem neuen Klagegrund noch vortragen und wie sich der Beklagte zu dem neuen Vorbringen stellen, insbesondere ob er es bestreiten würde, - - - — - - - - rr‘ --- - ~ - j- - - v pass in der Verhandlung vom 24« März 1955 noch eine Unklarheit über die Erbfolge bestand, lag doch nur daran, dass seit dem Erbfall erst kurze Zeit verstrichen war, so dass beide Parteien noch keine Gewissheit darüber haben konnten, ob ein Testament vorlag und welchen Inhalt es hatte. Für die Annahme, dass es zwischen den Parteien zu einem Streit über ein etwa errichtetes Testament kommen würde, bestand kein Anlass, Es kommt hinzu, dass das Berufungsgericht den Begriff der Sachdienlichkeit verkennt, wenn es meint, eine zeitraubende und weitläufige Aufklärung lasse die Zulassung einer Klageänderung als nicht sachdienlich In der vom Oberlandesgericht angeführten Entscheidung des IIo Zivilsenats des Bundesgerichtshofs ist zutreffend ausgeführt, dass es für die Frage der Sach-dienlichkeit allein auf die objektive Beurteilung an-komme, ob und inwieweit nämlich die Zulassung der Klageänderung der Ausräumung des sachlichen Streitstoffes im Rahmen' des anhängigen Rechtsstreits diene und einem andernfalls zu gewärtigenden weiteren Rechtsstreit vorbeuge, ■ wo bei es ohne Belang sei,, ob die Zulassung der Klageänderung weitere Erklärungen der Parteien und neue Beweiserhebungen notwendig machen denn nicht die beschleunigte Erledigung des vorliegenden Prozesses, sondern die Erledigung der Streitpunkte zwischen den Parteien sei für die Frage der Sachdienlichkeit maßgeblich$ es könne vom Standpunkt der Prozesswirtschaftlichkeit nicht als sachdienlich angesehen werden, wenn durch die Zurückweisung .einer Klageänderung der Kläger geradezu zur Erhebung einer neuen Klage herausgefordert würde. dendie Klägerin auch schon vor diesem Vertrag gegen Heinz R#fc hatte und der allerdings hätte erörtert werden müssen« wenn der Beklagte als Erbe haftete, hat im wesentlichen denselben Gegenstand wie der vertragliche, Bass die Versagung der Vertagung im vorliegenden Fall eine Versagung des rechtlichen Gehörs bedeutet, ergibt sich im Zusammenhang mit dem'oben Aus ge führ ten auch noch, aus folgender Erwägung?. Wenn der Prozessbevollmächtigte der Klägerin in der Verhandlung vom 24* März 1953 sich darauf beschränkte, die-Tatsache des Erbfalls vorzutragen und die Behauptung der Erbeneigenschaft des Beklagten aufzustellen« ohne jedoch schon die Klage auf die Erbeneigenschaft des Beklagten zu stützen, handelte er vorsichtig und sach-gemäss^ denn da für die Erbfolge wahrscheinlich das Hecht des Staates New York in Betracht kam, konnte er ohne Nachprüfung des Sachverhalts und der Rechtslage nicht ohne weiteres übersehen, ob nicht die Geltendmachung eines .Anspruchs gegen einen Erbän von bestimmten Voraussetzungen, etwa der Wahrung bestimmter For-r men oder dgl. Bei einer vorzeitigen Geltendmachung des gegen Heinz RiiM gerich tet gewesenen Anspruchs durch Einführung in den Rechtsstreit gegen den Beklagten wäre er also unter Umständen Gefahr gelaufen, mit dem Anspruch nur deswegen abgewiesen zu werden, weil er das Vorliegen solcher Voraussetzungen nicht dargetan hätte. der Prozessbevollmächtigte unvorsichtig und unsachgemäss gehandelt, so stünde die Klägerin besser da, wenn man das vom Berufungsgericht eingeschlagene Verfahren billigte Penn wenn dann das Berufungsgericht die Klageänderung nicht zugelassen hätte, so hätte diese Entscheidung vom Eevisionsgericht dahin nachgeprüft werden können, ob der Patsachenrichter den Begriff der Sachdienlichkeit verkannt oder die Grenzen seines Ermessens bei der Verneinung der Sachdienlichkeit überschritten hatte, Biese Nachprüfung wäre der Klägerin abgeschnitten, wenn .man nicht annimmt, dass ihr das rechtliche Gehör versagt worden sei. Es kann aber nicht Hechtens sein, dass eine vorsichtig und sachgemäß handelnde Partei gerade wegen ihrer Vorsicht schlechter dastehen sollte, als eine voreilig und unsachgemäss -handelnde, Bass die Versagung des rechtlichen Gehörs einen Revisionsgrund darstellt, ist bereits vom Reichsgericht an-- genommen worden ( vgl RGZ 81, 321 /5247; 160, 157 /1627)5 nachdem jetzt der Anspruch auf rechtliches Gehör durch die Verfassung garantiert ist■.■(vgl. Einer Zurüekverweisung bedürfte es nur dann nicht, wenn auch ohne Eingehen auf den neu geltend gemachten Klagegrund der Klage stattgegeben werden könnte-Bies ist aber angesichts der vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen, dass der Beklagte sich nur verpflichtet habe, alles in seinen Kräften Mögliche zu tun, um der Klägerin zu einer Rückerlangung ihrer Sachen zu verhelfen, und dass nicht erwiesen sei, dass er seiner Verpflichtung nicht nachgekommen sei, nicht möglich, Auch