BGH · IV ZR 95/69
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dor IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 22 0 April 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr0 Kauß und der Bundesrichter Johannsen? Uhr die Landpolizei „ Als deren Ströife gegen 4 Uhr an der Unfallstelle erschien, traf sie dort niemanden mehr an* Der Kläger hatte sich nach Beratung mit seinen Helfern von ihnen nicht zurück zuni Unfallort oder in seine Wohnung, sondern zu seinem Arbeitgeber ßflH^in üf|B Der Kläger hat bestritten, gegen seine Obliegenheiten verstoßen zu haben, und die Feststellung begehrt, daß ihm die Beklagte wegen des am 26* Marz 1966 eingetretenen Schadens Versicherungssohutz gewähren müsse* Sie hat behauptet, der Kläger habe sich der Verkehrsunfallflucht schuldig gemacht und überdies durch einen Nachtrunk seine Aufklärungspflioht verletzt* Zudem habe er in der Schadensanzeige die Menge des genossenen Alkohols sowie die Tatsache verschväegen,daßes sich bei der Fahrt mit seinem Bekannten um eine gemeinsame Zechtour gehandelt habe * Das Berufungsgericht konnte hiernach ohne Verfahrensverstoß den Inhalt der Strafakten, insbesondere die Aussagen des Klägers, bei der Bildung seiner Überzeugung verwerten» Dem stand nicht entgegen, daß der Kläger wegen Verkehrsunfallflucht nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden ist» Aus der Schilderung seines Verhaltens, die der Kläger unter dem frischen Eindruck des Unfalls gegeben hat, konnten gleichwohl auch in dieser Richtung Schlüsse gezogen werdene 20 Für die Feststellung, daß sich der Kläger der Verkehrsunfallflucht schuldig gemacht hat, kam es nicht darauf an, ob er an der Fahrt zu dem Abschleppunternehmen teilgenommen hat oder nährend dieser Zeit an der Unfallstelle verblieben ist« Er hat sich vom Unfallort jedenfalls entfernt, ehe die Polizeibeamten zur Feststellung des Hergangs erschienen; diese haben dort unstreitig niemanden mehr angetroffen, sondern nur das verunglückte Fahrzeug des Klägers vorgefunden„ Nach der unangreifbaren, auf die eigenen Angaben des Klägers im Ermittlungsverfahren gestützten Überzeugung des Berufungsgerichts hat er die Unfallstelle verlassen, um als möglich befürchteten Fest -Stellungen der Polizei zu entgehen und sich vor dieser versteckt zu haltern Der Kläger hat sich denn auch unstreitig nicht nach Bause, sondern zu seinem Arbeitgeber bringen lassen, um der Entnahme einer Blutprobe zu entgehen«, Rechnete der Kläger aber damit, daß die Polizei zur Unfallaufnahme erscheinen würde, so hatte er sich entweder an der Unfallstolle zur Verfügung halten oder zu dieser zurückkehren müssen0 Die Wartezeit, die in Betracht gekommen wäre, war auch unter Berücksichtigung der Nachtzeit und der leichten Verletzung des Klägers nicht so lang, daß ihm ein weiteres Ausharren am Unfallort nicht zuzu demuten gewesen wäre<, Die Polizeibeamten sind noch vor dem AbSchleppfahrzeug an der Unfallstelle e ingetroffen „ Solange sich der verunglückte Wagen noch in seiner EndStellung befand und der Unfallhergang damit an Ort und Stelle rekonstruierbar war, hätte sich auch der Kläger jedenfalls dort zur Verfügung halten müssen0 Die Feststellung des Berufungsgerichts, daß der Kläger durch seine vorzeitige Entfernung Vorkehrsunfallflucht begangen hat, begegnet demnach keinen rechtlichen Bedenken„ 3» Die Revision macht derm auch hauptsächlich geltend, der unter dem Einfluß des genossenen Alkohols und eines gewissen Unfallschocks stehende Kläger habe nicht das Bewußtsein gehabt? durch das Verlassen der Unfallstelle gegen seine in § 7X2/2 AKB bestimmte Aufklärungspflicht zu verstoßen« Einer solchen speziellen Vorstellung bedurfte Cs indessen zur vorsätzlichen Verletzung der ObÜegehheit nichto Wie der erkennende Senat in seinem zur Veröffentlichung bestimmten Urteil vom 18, Februar 1970 -IV ZR 1005/68 - ausgeführt hat? Der Kläger hat sich von dem Vorwurf, dio Auf klärungspflicht in dem dargelegten Sinn vorsätzlich verletzt zu haben, nicht entlastet (§ 7 V AKB, § 6 A.bs0 3 VVG), Im Gegenteil spricht sein vom Berufungsgericht eingehend gewürdigtes Verhalten für ein planmäßiges Handeln und nicht für eine schockartige Schreckreaktion0 Die verfahrensrechtlichen Rügen der Revision gegen die Würdigung des Beweisergebnisses sind unbegründet 0 40 Die Beklagte ist auch berechtigt, ihre Leistung wegen der vorsätzlichen Öbliegenheitsvcrlotzung nach | 7 V AKB zu verweigernc Der vorgefallene Verstoß war weder ungeeignet, ihre Interessen in ernster YJeise zu gefährden, noch war die Schuld des Klägers gering (vglo Urteil des erkennenden Senats vom 16» Januar 1970 - XV ZR 645/68 ~ VersR 1970, 241)0 Die Beklagte hatte ein wesentliches und schutzwürdiges Interesse daran, daß der Grad der Trunkenheit des Klägers so bald und zuverlässig wie möglich festgestellt wurde; denn hiervon hing es ab, ob sie dem Verletzten mit Aussicht auf Erfolg ein mitwirkendes Verschulden entgegenhalten konnte „• Die Verkehrsunfallflucht des Klägers, der sich anschließend sogar versteckt gehalten hat, war geeignet, diese Feststellung zu verhindern oder zu demindest zu erschweren « Bei der Planmäßigkeit, mit welcher der Kläger hierbei - wenn auch vielleicht mmf schlechten Rat hin -vorgegangen ist, kann auch nicht von einem nur leichten Versagen in einer kritischen Lage gesprochen werden, das der Versicherer nach Treu und Glauben nicht mit dem gänzlichen Entzug des Versiehorungsschutzes beantworten dürfteo