BGH · IV ZR 92/69 vom 24.06.1970
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Der Rechtsstreit wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an den 3« Zivilsenat des Berufungsgerichts zurückverwiesen* Auf die von ihm eingelegte Berufung hat* das Oberlandesgericht das Urteil des Landgerichts geändert und die Ehe der Parteien ohne Schuldausspruch geschieden. In Zusammenhang mit dem auf § 48 EheG gestützten Scheidungsbegehren hat das Berufungsgericht nicht ausreichend geprüft, ob nicht der Kläger die Zerrüttung der Ehe überwiegend verschuldet hat. untersucht werden müssen, ob die von dem Kläger vorgebrachten Umstände seinen Entschluß, sich von der Beklagten abzuwenden und die häusliche Gemeinschaft aufzugeben, soweit rechtfertigen, daß ihm deswegen nicht die überwiegende Schuld an der später eingetretenen Zerrüttung der Ehe beigemessen werden kann» Hierbei können aber zugunsten des Klägers nur diejenigen Umstände berücksichtigt werden, die er im einzelnen substantiiert vorgetragen hat und für deren Vorliegen nach dem Ergebnis der Verhandlung und des daraus gewonnenen Bildes von der Ehe der Parteien eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht. Mit dem Gebot der Gerechtigkeit wäre es nicht zu vereinbaren, wenn ein Kläger den Widerspruch des beklagten Ehegatten gegen die Scheidung dadurch ausschalten könnte, daß er als Grund für seine Abwendung von der Ehe Tatsachen anführt, die Vielleicht gänzlich aus der Luft gegriffen sind: und von dem beklagten Ehegatten nicht widerlegt werden könneno Um das auszuschließen, kann das Gericht seiner Entscheidung nur diejenigen Behauptungen des Klägers zugrunde legen, hinsichtlich deren es aufgrund der Verhandlung mindestens die Auffassung erlangt hat, daß es so gewesen sein könne, wie es der Kläger vorträgt (vglo das zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehene Urteil vom 25« Februar 1970 - IV ZR 753/68) . In dieser Richtung hat das Berufungsgericht den Vortrag des Klägers nicht genügend gewürdigt« Es hat als einzige Belastung festgestellt, daß Schwierigkeiten beiin ehelichen Verkehr bestanden haben, die nicht völlig geringfügig gewesen seien. Es hätte darüber hinaus prüfen müssen, ob nach dem Eindruck, den es von der Ehe der Parteien gewonnen hat, auch die sonstigen Vorwürfe, die der Kläger gegen die Beklagte erhobt, begründet sein können» Sodann hätte' r’.as : Berufungsgericht entscheiden müssenv ob die vo:r dem Klager gegen die Beklagte erhobenen Vorwürfe:: insgesamt so gev/ichtig sind, daß sie seinen Entschluß, sich von der Beklagten abzuwenden, soweit entschuldigen können, daß ihm deswegen nicht die überwiegende Schuld an der Zerrüttung"der Ehe bei-gemessen werden kann» Dazu wäre es aber unerläßlich gewesen, näher zu ergründen, welcher Art die Schwierigkeiten, die die Parteien beim ehelichen Verkehr hatten, waren, v/ie weit sie die Ehe belastet haben und was der Kläger selbst unternommen hat; um sie zu beheben» Es ist zu beachten, daB die Eheleute grundsätzlich verpflichtet sind, an der von ihnen eingogangenen Verbindung auch dann festzuhalten, wenn es io Verlaufe der Ehe zu Enttäuschungen oder Schwierigkeiten beim ehelichen Zusammenleben kommt» Danach kann nicht beurteilt werden, ob die Ehe der Parteien solch schweren Belastungen ausgesetzt gewesen sein kann, daß das Verhalten des Klägers entschuldigt werden könnte»