BGH · IV ZR 83/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Klägerin« eine Jüdin, hat u0a0 Ansprüche auf Entschädigung für Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Portkommen geltend gemachte Das beklagte Land hat durch Teilbescheid vom 10-© Januar 1959 der Klägerin für die Zeit vom lo November 1953 bis 31o Dezember 1955 eine monatliche Rente von 270 DM Lind für die Zeit ab 1« Januar 1956 eine solche von monatlich 294 DM und eine Kapitalabfindung von 3©240 DM zugesprochen© Bei der Bemessung dieser Ansprüche ist das beklagte Land davon ausgegangen, daß die Klägerin in die vergleichbare Gruppe der' Beamten des mittleren Dien stes einzustufen sei. In dem vorliegenden Rechtsstreit handelt es sich nur noch um die Präge, ob die Entschädigungsansprüche der Klägerin auf Grund einer Einstufung in die vergleichbare Gruppe der Beamten des gehobenen Dienstes zu berechnen seio Die Klägerin hatte zunächst vorgetragen, sie habe vor ihrer Verfolgung monatlich etwa 400 RM verdiente Später hat sie behauptet., Das Berufungsgericht hat festgestellt, das Durchschnitts einkommen der Klägerin habe in den letzten drei Jahren vor ihrer Verfolgung monatlich 400 RM betragene Auf Grund dieses Einkommens sei die Klägerin mit Recht in die vergleichbare Gruppe der Beamten des mittleren Dienstes eingestuft worden. Es ist weder gerügt noch ergeben die Gründe des angefochtenen Urteils, daß das Berufungsgericht bei der von ihm getroffenen Feststellung gegen § 287 ZPO verstoßen hat» daß es die Klägerin nicht auf die gegen den Beweiswert der von ihr beigebrachten eidesstattlichen Versicherung bestehenden Bedenken hingewiesen hat, Kein Gericht ist verpflichtet oder auch nur in der Lage? sie könnten keine genauen Angaben über das Einkommen der Klägerin macheno Sie haben es nur auf 500 KM monatlich geschätzt und als einzigen Anhaltspunkt für diese Schätzung die Lebenshaltung der Klägerin angegeben» Zudem hat die Klägerin? daß die Klägerin Ermittlungen in Braunschweig über ihr früheres Einkommen anstellen solle, nehme der Vertreter nicht ernsto Es gäbe einen Verwandten, der'eine Zeitlang für das Geschäft gereist sei? Das Berufungsgericht war ferner nicht nach § 139 ZPO verpflichtet, weiter a\ifzuklären, in welchem Umfang die Klägerin ihre Waren durch einen Reisenden hat vertreiben lassen« Die Klägerin hat in ihrer eidesstattlichen Versicherung vom 22, Oktober 1956 angegeben, daß sie zeitweise einen Reisenden beschäftigt gehabt habe,. Dabei, ist, wie der folgende Satz dieser Vorschrift bestimmt, die wirtschaftliche Stellung nach dem Durchschnittseinkommen des Verfolgten in den letzten drei Jahren vor Beginn der Verfolgung zu beurteilen, Da die Klägerin keine Benifsausbildung genossen hat, die es rechtfertigen könnte, sie höher als in die vergleichbare Gruppe der Beamten des mittleren Dienstes einzureihen, ist für ihre Einstufung allein ihr vor dem Beginn der Verfolgung erzieltes Durchschnittseinkommen von monatlich 400 EM maßgebend0 Es ist zu prüfen, mit welchem Beamteneinkommen der verschiedenen häufbahngruppen dieses Einkommen der Klägerin verglichen werden kann» Da die Klägerin zu Beginn ihrer Verfolgung' 40 Jahre alt war, müssen ihre Einkünfte mit dem Einkommen eines ebenfalls 40 Jahre alten Beamten verglichen werden» Dieser Vergleich kann nicht auf Grund einer genauen Gleichsetzung vorgenommen werden» Denn einmal ergibt die--Reichsbesoldungsordnung, daß sich die Bezüge, die in den verschiedenen Laufbahnen erreicht werden können, in ihrer Höhe erheblich über-schneiden» Die erreichbaren Höchstbezüge einer Laufbahn sind stets wesentlich höher als die Anfangsbezüge der nächsthöheren Laufbahn» Schließlich ist zu beachten-, daß die Bezüge in den einzelnen Laufbahnen nicht nur beim Erreichen eines höheren Dienstalters steigen, sondern - daß innerhalb jeder Laufbahn mehrere Beförderungsstufen bestehen» Die wenigsten Beamten erreichen die höchste Stufe ihrer Laufbahn und viele werden überhaupt nicht befördert» Palls es den Gereichten überlassen wäre, nach ihrem Ermessen diese Umstände bei der Einstufung zu berücksichtigen, wären sie vor eine unlösbare Aufgabe gestellt und eine einheitliche Rechtsprechung wäre kaum zu erzieleno Es ist daher notwendig, das Durchschnittseinkommen des Verfolgten mit den durchschnittlich erreichbaren. Bezügen der im selben Lebensalter des Verfolgten stehenden Beamten der verschiedenen Laufbahnen zu vergleichen» Dieses Durchschnittseiiikommen ist, wie der Senat in seinem RzW 1958, 270 veröffentlichten Urteil ausgeführt hat, den Anlagen 2 und 3 der 3o DV-BBG zu entnehmen Hierbei ist zu berücksichtigen, daß der selbständig tätig gewesene Verfolgte anders als der Beamte genötigt war, für eine angemessene Alters- und Hinterbliebenenversorgung zu sorgen» 522) bestimmte vom lo Februar 1931 ab eine 6 $ige Kürzung, die 20 Gehalt skürzungs-VO vom 5o Juni 1931 (RGBl I, 537) bestimmte je nach der Höhe der Bezüge ab 10 Juli 1931 eine weitere Kürzung von 4 - 8 die 3o Gehaltskürzungs-VO vom 80 Dezember 1931 (RGBl I, 699, 738) bestimmte schließlich ab 1«Januar 1932 eine weitere Kürzung um 9 i°° Diese Kürzung ist bei dem vorzunehmenden Vergleich zu berücksichtigeno Bei Beachtung dieser beiden Gesichtspunkte hat die Klägerin mit durchschnittlich 4o800 RM jährlich etwas mehr als der Durchschnitt der im selben Lebensalter stehenden Beamten des mittleren Dienstes verdiente Ihre Einkünfte sind aber erheblich hinter dem Durchschnittseinkommen eines im selben Lebensalter stehenden Beamten des gehobenen Dienstes zurückgebliebene Unter diesen Umständen hat das Berufungsgericht die Klägerin mit Recht nur in die Gruppe der Beamten des mittleren Dienstes einge-stufto In eine jeweils höhere Gruppe kann ein Verfolgter auf Grund seiner wirtschaftlichen Lage allein nur eingestuft werden, wenn sein Durchschnittseinkommen das Durchschnittseinkommen eines im Lebensalter vergleichbaren Beamten der höheren Stufe erreicht» Ein anderer Vergleichsmaßstab würde d.er nach dem Durchschnittseinkommen der Beamten vorzunehmenden Einstufung nicht entsprechen und so zu keinem richtigen Ergebnis führen«, Soweit eine gegenteilige Ansicht aus dem RzW 1958, 270