BGH · IV ZR 83/54 vom 22.11.1954
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 15« November 1954 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Schmidt, der Bundesrichter Dr. Kregel, Dr. v.Werner, Scheffler und Wüstenberg für Recht erkannt: Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt/Main vom 23« März 1951 dem Beklagten auferlegt worden sind, hat diese Kosten ira Verfahren vor dem Landgericht der Kläger zu 3/4, der Beklagte zu 1/4- und im Berufungsund Revisionsrechtszuge der Kläger allein zu tragen. Nachdem ihm durch rechtskräftigen Beschluß des Landgerichts vom 15» Dezember 1950 für die von ihm gezahlte Reichsfluchtsteuer eine Entschädigung von 7.000,— DM zugesprochen ist, verlangt er jetzt noch wegen des ihm durch den Transfer entstandenen Verlusts eine Feststellung, daß der Beklagte verpflichtet ist, ihm einen Vermögensschaden von 20„847,76 DM zu ersetzen. Das Landgericht hat eine Entschädigungspflicht des Beklagten dem Grunde nach festgestellt. Auswanderung genötigt war und daher ein Verfolgter im Si des § 1 BEG sei, Hiergegen werden von der Revision Angri auch nicht erhobene. 2) Das Oberlandesgericht ist der Auffassung, daß § 7 Ab BEO,der Ansprüche nach dem BEG versage, soweit der Wieder machungsanspruch seiner Rechtsnatur nach unter besondere Wiedergutmachungsvorschriften, insbesondere ein Rückerstaf gesetz falle, dem vom Kläger geltend gemachten Anspruch nf entgegenstehe und daß daher eine Entschädigung gemäß § 23 Abs 2 BEO zu leisten sei« Das Oberlandesgericht begründet; dies damit, daß kein Pall einer Transferierung denkbar sei der nicht zugleich den Tatbestand der Entziehung feststellb Vermögenswerte im Sinne der Rückerstattungsgesetze erfülle Außerdem sei durch § 23 Abs 2 BEG ein vom § 7 BEG ausgeno besonderer und abschliessend behandelter Entschädigungstat stand geschaffen* 2i Entscheidung dieser Revisionsrüge bedarf es jedoch nicht; nach den vom Berufungsgericht getroffenen tatsächlichen Fes Stellungen liegen die Voraussetzungen für eine Anwendung db § 23 Abs 2 BEG nicht vor, weil die Auswanderung des Kläger nicht zu einem besonders schweren Transferverlust geführt h Eine ausdrückliche Bestimmung darüber, was als besonders schwerer Transferverlust anzusehen ist, enthält das BEG nichto Grundsätzlich wird davon auszugehen sein, daß es sich bei der Entschädigung von Verlusten, die durch die Transferierung von Reichsmark entstanden sind, um Geldansprüche handelte Solche Geldansprüche sind entsprechend dem § 6 BEG in Reichsmark zu berechnen und im Verhältnis von 10 : 2 in DM umzurechnen.. Aus dieser Regelung des Gesetzes lässt sich entnehmen, daß grundsätzlich als besonders schwerer Transferverlust nur ein solcher anzusehen ist, bei dem von dem transferierten und dadurch der Entwertung entzogenen Reichsmarkbetrag dem Geschädigten weniger als 20 cß> verblieben sind (vgl auch die Entscheidung des OLG Stuttgart in NJW RzW 1954, 29)« Die Erwägung des Berufungsgerichts, daß ohne den Zwang zur Auswanderung der Geschädigte sein Vermögen in Grundstückswerten oder Wertpapieren behalten hätte, die von einer Reichsmarkentwertung nicht betroffen worden wären, ist rechtsunerheblich. Es handelt sich in dem hier vorliegenden Pall nicht um die Transferierung dieser Werte, sondern nur um die von Reichsmark und sodann dürften in der Regel dem Verfolgten hinsichtlich seiner Grundstücke und möglicherweise auch seiner Wertpapiere als feststellbaren Vermögensgegenständen Rückerstattungsansprüche auf Grund des Rückerstattungsgesetzes zustehen, so daß der durch den Verkauf dieser Gegenstände entstandene Verlust im Wege des Rückerstattungsverfahren ersetzt werden würde. Verfügung,,: und es ist von ihm weder behauptet worden, noch sonst ersic lieh, daß er sich mit diesem Betrag auch als deutscher Arzt mit dem Zwang, die in England vorgeschriebenen Prüfungen doj abzulegen, eine neue Existenz nicht schaffen konnte»