BGH · IV ZR 83/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die münd-‘ liehe Verhandlung vom 14« Februar 1952 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br« Lersch, Raske, Johannsen, Dr« Kregel und Scheffler für Recht erkannt: Das Berufungsgericht hat die auf § 48 EheG gestützte Klage deswegen für unbegründet erachtet, weil das wohlverstandene Interesse der minderjährigen Kinder der' Par- > teien die Aufrechterhaltung der Ehe erfordere« Hierbei' ist es zutreffend davon ausgegangen, daß dieses Interesse von. In tatsächlicher Beziehung hat es hierzu festgestellt, daß einmal zu demindest der Sohn der Parteien eine Scheidung und eine.alsdann nachfolgende Legitimierung der unehelichen Kinder als seelische Belastung empfinden würde und daß sich zweitens hei einer neuen Ehe die vermögensrechtliche Leistungsfähigkeit des Klägers so erheblich verringern würde, daß die bisherige angemessene Versorgung der ehelichen Kinder gefährdet sei* Die Revision rügt, daß das Berufungsgericht die Feststellung, der Sohn der Parteien würde eine Scheidung und Legitimierung der unehelichen Kinder als seelische Belastung empfinden, getroffen habe, obwohl keine der Parteien eine dahingehende Behauptung aufgesteilt habe«• Dies trifft nicht zu; denn in den Ent sc heidungs gründen des Berufungsurteils ist ausdrücklich gesagt, daß den Angaben der Beklagten zu diesem Punkt zu folgen sei* Dies ist nicht der Fall« Es ist eine allgemeine Lebens-erfalirung, daß eheliche Kinder im reiferen Alter es in aller Regel als eine schwere seelische Belastung empfinden wenn die Ehe ihrer Eltern geschieden wird, ihr Vater dann mit einer Frau, mit der er uneheliche Kinder erzeugt hat, eine neue Ehe eingeht und hierdurch diese Kinder legitimiert werden* Beklagten und der unbestrittenen Tatsache, daß sich die • ehelichen Kinder dem Kläger gegenüber während der langjährigen Trennung ablehnend verhalten hätten, den Schluß gezogen hat, daß - in Übereinstimmung mit jener Erfahrungstatsache - auch der Sohn der Parteien durch die Scheidung und ihre Folgen schwerer seelischer Belastung ausgesetzt würde, so liegt hierin kein Verstoß gegen § 286 ZPO« Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe es unterlassen festzustellen, daß der Sohn bei dem derzeitigen Zustand feiner ähnlich schweren seelischen Belastung ausgesetzt wäre, wie im Palle der Scheidung und Wiederverheiratung, ist nicht begründet« Das Bern-* fungsgericht hat unterstellt, daß den ehelichen Kindern wegen des hartnäckigen Willens des Klägers, in keinem Palle zur Beklagten und zu den Kindern zurückzukehren, versagt bleiben werde, in einer geordneten Ehe unter Obhut und Sorge beider Elternteile geborgen aufzuwachsen 5 es hat weiter erwogen, daß im Palle einer Rückkehr des Klägers zu seiner Familie die Kinder dem möglichen unheilvollen Einfluß eines ehelichen Zwistes aüsgesetzt würden* Damit hat es die gegen eine Aufrechterhaltung der Ehe sprechenden Umstände berücksichtigt, und wenq&s gleichwohl zu der Feststellung gekommen ist, die seelische Belastung, der zu demindest der Sohn im Palle der Scheidung ausgesetzt sei, erfordere die Aufrechterhai- . Baß dieser letzteren Feststellung die tatsächliche Begründung fehle, wie die Bevision meint, trifft nicht zu$ sie ist vielmehr auf die allgemeine Erfahrungstatsache gestützt, daß in der Hegel die ehelichen Kinder dadurch benachteiligt v/erden, daß in der Person des neuen Ehegatten ein weiterer Unterhaltsberechtigter hinzutritt und die früher unehelichen Kinder als durch die neue Ehe legitimierte gleichberechtigt neben die ehelichen Kinder treten« Biesen Erfahrungssatz hat das Berufungsgericht noch durch den Hinweis auf die Höhe des Gehalts des Klägers, sowie damit belegt, daß im Wirtschaftsleben ganz allgemein und in den gegenwärtigen, in jeder Hinsicht unsicheren Zeiten besonders-mit erheblichen Konjunktur- und Einkommens Schwankungen und darüber hinaus mit Berufsgefahren immer gerechnet werden müsse« Bie Feststellung ist somit in rechtlich bedenkenfreier Weise ' zustande gekommen« Baß das Berufungsgericht die Frage, ob durch die Eingehung der neuen Ehe die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Klägers beeinträchtigt würde, ausdrücklich habe dahingestellt sein lassen, trifft hiernach nicht zu« Bas Oberlandesgericht hat vielmehr nur die Hechtsfrage dahingestellt sein lassen, ob die Verminderung der Leistungsfähigkeit dann unbeachtlich sei,*wenn zwar hierdurch der Unterhalt der Kinder vermindert werde, Es ist.auch nicht, wie die Revision meint, zu beans tanderi, daß das Oberlandesgericht keine Feststellungen darüber getroffen hat, ob die Persönlichkeit des Klägers die Gewährt dafür biete, daß er immer in der Lage sein und auch den unerschütterlichen Willen haben werde, zu seinen Unterhaltspflichten zu stehen« Denn angesichts des allgemeinen Erfahrungssatzes, daß eheliche Binder in der Hegel durch das Hinzutreten weiterer völlig gleichberechtigter Unterhaltsberechtigter benachteiligt werden, wäre es Sache des Klägers gewesen, bestimmte Behauptungen aufzustellen, aus denen zu entnehmen gewesen wäre, daß trotz der vom Berufungsgericht dargelegten Umstände und entgegen der allgemeinen Erfahrung die Versorgung der Kinder der Parteien nicht gefährdet sei« Bor Kläger hat aber hierzu nur behauptet, er habe sich bereit erklärt, eine Unterhalts Zahlung von 450 DM monatlich durch eine-Gehaltsabtretung sicherzustellen« Unbegründet ist weiter die Büge des Klägers, das Berufungsgericht habe nicht berücksichtigt, daß er bei Versagung der Scheidung mit seiner Entlassung rechnen müsse« Es mag dahingestellt bleiben, ob dieses Vorbringen nicht schon deswegen unberücksichtigt bleiben mußte, weil der Schriftsatz vom 19 o Februar 1951, in dem es enthalten ist, erst nach Schluß der mündlichen Verhand- Ob die vom Berufungsgericht angesteilte Hilfser-wägung, im Falle einer neuen Ehe würde der Nachlaß des Klägers in eine größere Anzahl von Teilen zerfallen, zutreffend ist, und ob es nicht hierzu näherer tatsächlicher Feststellungen durch das Berufungsgericht, insbesondere dahin bedurft hätte, ob überhaupt mit einem Nachlaß zu rechnen sei, braucht nicht geprüft zu werden; denn die Feststellung, daß durch die Scheidung die Kinder mit nicht unerheblichen wirtschaftlichen Nachteilen zu rechnen hätten, ist hiervon unabhängig* Daß, wie die Revision meint, die Aufrechterhaltung des derzeitigen Zustandes es dem Sohne der Parteien wahrscheinlich unmöglich machen werde, sich den Plänen des Klägers, mit denen dieser seihe wirtschaftliche Existenz begründen wolle, zu fügen,* kann nicht anerkannt werden* bruar 1951 seiner Entscheidung zugrunde legen durfte, oder ob nicht der Umstand, daß diese Erklärung erst hach der letzten mündlichen Verhandlung auf die das Urteil erging, abgegeben worden ist, einer Berücksichtigung durch das Berufungsgericht entgegenstand, braucht nicht geprüft zu werden, denn es handelt sich insoweit nur um eine Hilfserwägung, deren Wegfall die Peststellung, daß.