BGH · IV ZR 82/65 vom 04.05.1966
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 29» April 1966 unter Mitwirkung dos Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Raslce, Wüstenberg, Dr. Graf und von der Mühlen für Recht erkannt: Bereits im Juli 1959 hatte er gegen den Beklagten vor dem Amtsgericht Füssen Klage auf Feststellung erhoben, daß dieser als sein Vater gelte und ihm Unterhalt zu zahlen habe. der Beklagte auf Grund dos Systems der Serum-Gruppe der Haptoglobine als Erzeuger des Klägers ausgeschlossen sei, und nachdem dieses Gutachten durch ein Obergutachten von Prof. Auf Grund dieser von ihm herangezogenen und gewürdigten Gutachten hat das Landgericht auch die vorliegende Peststellungsklage abgewiesen. Das Berufungsgericht ist auf Grund der in dem früheren Rechtsstreit erstatteten Blutgruppengutachten, deren Verwertung im vorliegenden Prozeß, wie das Berufungsgericht zutreffend dargolegt hat, verfahrensrechtlich unbedenklich ist, zu der Überzeugung gelangt, daß die Vaterschaft des Beklagten offenbar unmöglich ist. Insbesondere begegnet cs keinen rechtlichen Bedenken, daß das Berufungsgericht einem Väterschaftsau33chluß aufgrund des Systems der Haptoglobins vollen Bewoiswert beigemesson hat. 237, in welchem u.a. ausgeführt ist, daß die Anforderungen des Robert-Koch-Institutes zur Zulassung der Bev/ertung eines Ausschlusses mit: "Vaterschaft offenbar unmöglich" für die Haptoglobintypen bereits weit überschritten und demgemäß einem Ausschluß der Vaterschaft aufgrund dieser Typen eine absolute, jeden Gegenbeweis ausschließende Beweiskraft zuzu demessen sei. Darauf hat auch der erkennende Senat bereits in seinem IM Nr. 18 zu § 402 ZPO = NJW 64, 1184 veröffentlichten Urteil hingewiesen (vgl» auch die in dieser Entscheidung angeführten Gutachten von Prof. Ebenso ist auch in dem Erlaß des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz vom 23« März 1961, wie in dem vorerwähnten Gutachten des Bundesge-sundheitsamts mitgeteilt, auf eine Stellungnahme dos Instituts für gerichtliche Medizin der Universität München hingewiesen, nach der der Erbgang der Haptoglobine auf Grund dos vorliegenden Beob-achtungsgutes vieler tausend Palle als genügend sicher gelten könne. Nach feststehender Rechtsprechung kommt einem Vaterschaftsausschluß auf Grund von Blutmerk-malen, die allgemein als für einen Ausschluß geeignet anerkannt sind, grundsätzlich eine größere Beweiskraft zu als anderen Beweismitteln, insbesondere auch als einem etwaigen mit dem Ergebnis der Blutgruppenuntcrsuchung in Y/id er sprach stehenden erbbiologischen Gutachten (LM Nr. 2 zu BGifc# § 1591). Das Berufungsgericht hat deshalb entgegen der Meinung der Revision nicht gegen § 286 ZPO verstoßen, wenn es dem Beweioantrag dos Klägers auf Einholung eines solchen Gutachtens nicht entsprochen und der Aussage der Kindesmutter, soweit sie mit dem Ergebnis des Blutgruppengutachteno nicht vereinbar ist, keinen entscheidenden Bev/eis-wert beigemossen hat.