BGH · IV ZR 82/62 vom 14.11.1962
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Durch das Urteil des Berufungsgerichts wurde der Klägerin eine weitere Kapi talent Schädigung von 968 DM sowie eine Hcntcnnachzahlung für die Zeit vom 1. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision will da§ beklagte Land erreichen, daß das Urteil des Landgerichts wiederhergestellt wird. 1. Nach § 17 Abs. 1 Nr. 3 in Verbindung mit § 24 BEG erhalten Kinder eines durch nationalsozialistische Ge-waltmaßnahmen getöteten Verfolgten Kapital ent Schädigung und Rente, wenn der getötete Verfolgte nach Beamtenrocht Kinderzuschläge erhalten hätte. Diese Frage braucht indessen nicht entschieden zu werden, da die Klägerin für den genannten Zeitabschnitt eine Rente auf alle Fälle nur dann beanspruchen kann, wenn sich ihre Ausbildung infolge nationalsozialistischer Verfolgungo- oder Untordrückungs-maßnahmen verzögert hat oder solche Verzögerungen auf die Da nämlich §17 Abs. 1 Nr. 3 BBG wegen dör Kinderzuschläge auf § 14 des Reichsbesoldungsgesetzes und auf die dazu ergangenen AusführungsbeStimmungen (BesoldungovorSchriften) verweist, weil auch diese zu dem Beantcnrccht gehören,ist hier Nr. 65 Abs.3 der BV anzuwenden. Diese Bestimmung besagt, daß für ein verheiratetes Kind keine Kinderzuschläge gewährt werden, es sei denn, daß der Ehegatte des Kindes cs nicht unterhalten hat (vgl. 2. Das Berufungsgericht ist jedoch auf die Frage, ob die Klägerin für die Zeit nach dem 1. § 23 Abo* 2 der 1, DV-BErgG oder in § 7 Abs* 2 der 1* DV-BEG umschriebenen Voraussetzungen auch eine Waisenrente verlangen kann, nicht eingegangen« Es hat einen solchen Anspruch auf § 14 BesG gestützt und demgemäß ausgeführt, es könne nicht darauf ankommen, ob die Klägerin aus persönlichen Gründen - Trennung von ihrem Ehemann -nach Deutschland 2urückgekehrt sei oder ob es sich bei dieser Rückkehr noch um Auswirkungen der nationalsozialistischen Vcrfolgungsmaßnahmen odep um Folgen der Kriegsoder Nachkriegsverhältnisse gehandelt habe» Nach Ansicht des Berufungsgerichts spielt es auch keine Rolle, ob die berufliche Ausbildung der Klägerin mit dem an der Columbia-Universität erworbenen akademischen Grad abgeschlossen v/ordon war oder nicht« Diese Auslegung der erwähnten Besoldungsbestimmungen leidet an ent scheidungserheblichen Rechtsfehlern« Aus den Beamt enbesoldung8recht läßt sich der Anspruch der Klägerin nicht herleiten« Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts können die in dem angefochtenen Urteil zitierten Anmerkungen bei Sölch/Ziegelasch, Besoldungsgesetz, nur so verstanden werden, daß eine Änderung der Ausbildung den Anspruch auf Zahlung des Kindergeldes nicht ausschließt, wenn die Änderung innerhalb der nach § 14 Abs.1, Abo« 3 BesG maßgebenden Zeit vorgenommen wird. Die in der erwähnten Anmerkung wiedergegobene Ansicht sollte die Anwendung des Gesetzes in den Fällen erleichtern, in denen innerhalb der Frist des § 14 BesG eine solche Änderung der Berufsauöbildung stattfindot, weil nach dem Wortlaut der zitierten Gesetzesbestimmung der Kinderzuschlag nur gewährt wird, wenn sich die Kinder in der Ausbildung für einen künftig gegen Entgelt auszuübenden lebensberuf befinden. Lebensjahr hinaus fordert, kann ein solcher Anspruch nicht auf die Bestimmungen des Beamtenbesoldungsrecht, sondern nur auf die bereits erwähnten Bestimmungen des Bundesentschädigungsrechts gestützt werden« Es kommt also darauf an, ob die Berufsausbildung durch die genannten Umstände verzögert worden ist« Ist der Abschluß der Berufsausbildung durch nationalsozialistische Ver-folgungsmaßnahmcn oder die Erschwerungen der Kriegsoder Nachkriegszeit hinausgeschoben worden, so kann für die Zeit dieser Verzögerung die Waisenrente für die Vollendung des 24« Lebensjahres hinaus gewährt werden« Von einer Verzögerung einer Berufsausbildung kann regelmäßig nur gesprochen werden, wenn dabei das Ziel einer solchen Ausbildung ins Auge gefaßt wird, weil nur dann einigermaßen sicher beurteilt werden kann, in welcher Zeit der Ausbildungsweg ohne Störung zurückgelegt werden kann« Ob das Berufungsgericht von diesem Ausgangspunkt her den Klageanspruch prüfen mußte, kann freilich bezweifelt werden, weil die Klägerin im Verfahren vor den Entschüdigungogcrichtcn und vor der EntschUdigungsbchörde nicht vorgetragen hat, welchen Beruf sie mit Hilfe ihres akademischen Studiums der Politischen Wissenschaften und der Geschichte erreichen wollte« In der Berufungsbegründung ist davon die Rede, daß sie in den Vereinigten Staaten "eine abgeschlossene Ausbildung” gehabt habe, nachdem in dem Urteil des Landgerichts ausdrücklich festgcstellt worden war, die Klägerin habe in « . Erst in dor Revisionserwiderung finden sich Ausführungen darüber, daß die Klägerin von Anfang an die Lehrtätigkeit in einer höheren Schule im Auge gehabt habe« Diese Ergänzung der Tatsachendarstellung könnte das Revisionsgericht nicht berücksichtigen,wie sich aus § 2o9 Abs« 1 BEG, § 561 ZPO ergibt« Aber auch dann, wenn das Berufungsgericht für die Frage nach der Weitergewährung der Rente davon ausgehen mußte, daß die Klägerin ihre akademische Ausbildung mit dessen Grad des I.IA abgeschlossen hatte, hätte es nach den Umständen die Möglichkeit ins Auge fassen müssen, daß der Abschluß sowie die später folgende Wiederaufnahme des Studiums auf Verfolgungsgründc zurückging, so daß das Bestreben nach Eiterbildung nicht entscheidend war« Aus diesem Grund« nötigt schon das bisherige Vorbringen der Klägerin zur Prüf ui der Frage, ob und aus welchen Gründen die Klägerin ihr Studii nach dem 3o.