BGH · IV ZR 78/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision des Beklagten wird das am 2c Dezember 1953 verkündete Urteil des 7* Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Düsseldorf aufgehobene- Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht surückverwiesen« Maria Sf||| ist im Laufe des Rechtsstreits verstorben und von den jetzigen Klägern beerbt worden, gegen die der Beklagte den Rechtsstreit aufgenommen hat. Er hat bestritten, das Grundstück, insbesondere das Wohnhaus und die Scheune vernachlässigt zu haben und gegenüber der Behauptung der Kläger, der Wert der Scheune sei auf 100.— DM gesunken, darauf hingewiesen, daß die Feuerversieherungsgesell schaft ihm 2 833.— DM für die Scheune gezahlt habe. Zur Durchführung des Beweisb^schlusses kam es nicht, weil der Pro2eßbevollmächtigte der Kläger anzeigte, daß er die Hauptsache für erledigt erkläre, da der Beklagte die Scheune wieder aufgebaut habe, und daß er nunmehr nur hoch beantragen werde, dem Beklagten die Kosten des in der Hauptsache erledigten Rechtsstreits aufzuerlegen. Der Beklagte stellte den Antrag, "die Kosten der zurückgenommenen Klage gemäß § 271 2P0 den Klägern aufzuerlegenM, wobei er hilfsweise hinsichtlich der Scheune die Hauptsache auch für erledigt erklärte, ?Er vertrat die Meinung, die Ansicht der Kläger, die Hauptsache sei erledigt, sei irrig«, In der Er-ledigungserklärung der Kläger sei in Wahrheit eine Klagerücknahme zu erblicken, Bie Kläger betonten demgegenüber, daß sie die Klage keineswegs zurückgenommen hätten, eine derartige prozessuale Erklärung liege in ihrer Erledigungserklärung nicht, Bas Bandgericht erließ darauf folgendes Urteils Ber Rechtsstreit wird, soweit die Kläger Sicherung ihrer Rechte hinsichtlich der Scheune der landwirtschaftlichen Besitzung Mintard Nr* 7 verlangen, für erledigt erklärt, Bie Kosten des Rechtsstreits werden zu 4/5 den Klägern, zu 1/5 dem Beklagten auferlegt. In den Entscheidungsgründen führte es aus 5 Infolge des Y/iederaufbaus der Scheune sei hinsichtlich der Scheune eine echte Erledigung der Hauptsache eingetreten, da der Aufbau der Scheune insoweit die prozessualen Ansprüche der Parteien bis auf den Kostenpunkt gegenstandslos gemacht habe, Ptir die Ansicht der Beklagten, daß die Kläger durch ihre Erledigungserklä-rung die Klage in Wirklichkeit zurückgenommen hätten, sei daher hinsichtlich der Scheune jedenfalls kein Raum, Insoweit sei festzustellen, daß die Hauptsache erledigt ist, Ba die Parteien über die Erledigung der Hauptsache stritten, sei dies auch im Urteilstenor ausdrücklich auszusprechen. Insoweit sei die Hauptsache offensichtlich nicht erledigt, denn das Klagebegehren sei noch nicht gegenstandslos geworden und der Abweisungsantrag des Beklagten nicht ohne Ziel. Der erledigte Teil der Hauptsache sei mit 2 000.— DM zu bewerten, da die klagende Partei in dem Verfahren betreffend den Erlaß der einstweiligen Verfügung zu erkennen gegeben habe, daß das Sicherungsbedürfnis an der Scheune für sie in Die Kläger haben beantragt, die Berufung zurückzuweisen und unter Abänderung des angefochtenen Urteils den Rechtsstreit für erledigt zu erklären und die Gesamtkosten des Rechtsstreits dem Beklagten aufzuerlegen« Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts hat der Beklagte Revision eingelegt * Er hat beantragt, gegen die nicht erschienenen Kläger das Versäumnisurteil wie folgt zu erlassen* Das Berufungsgericht ist der Ansicht, die Berufung sei unzulässig, weil es an einer Beschwer des Beklagten in der Hauptsache fehle« Den Mangel einer Beschwer findet es darin, daß der Beklagte keinen Antrag zur Hauptsache mehr gestellt habe, nachdem die Kläger ihre Erledigungserklärung abgegeben hatten, daß er also von der Möglichkeit, durch Stellung eines Klageabweisungsantrages eine ihm günstige Sachentscheidung 'zu erreichen, keinen Gebrauch gemacht habe; es sei ihm im ersten Rechtszug nur auf eine Kostenentscheidung angekommen und wenn das Landgericht dennoch eine Sachentscheidung erlassen habe, sei er hierdurch nicht beschwert« Diese Ansicht ist rechtsirrig. Dies gilt nicht nur für den Fall einer Verurteilung des Beklagten, sondern auch für den Fall, daß entgegen seiner Erklärung, die Sache sei nicht erledigt, das Landgericht die Erledigung festgestellt hat« Denn solchenfalls handelt es sich, wie auch das Berufungsgericht annimr.it, um eine Sachentscheidung, die mit der Berufung angefochten werden kann, und ferner um eine Sachentscheidung, die den Beklagten beschwert o Denn sie' bildet die Grundlage für eine ICo-stenentscheidung, die zu dem Teil gegen den Beklagten ausgefallen ist und nur deswegen gegen ihn ausfallen konnte, weil das Landgericht entgegen der insicht des Beklagten nicht angenommen hat, die Kläger hätten ihre Kiage zurückgenommen, was gegen die Kläger die Kostenfolge des § 271 ZPO gehabt hätte 0 Diese Unzulässigkeit ergibt sich auch nicht etwa aus dem Pehlen der Berufungssummeno Zwar kann dem Berufungsgericht nicht zugestimmt werden, wenn es den Streitwert für die Berufungsinstanz auf.5 000.-— DM festgesetzt hat; Denn ein Streit darüber, ob der Beklagte zur Hinterlegung dieses Betrages verpflichtet sei, besteht nicht mehr. Nach der Erledigungserklärung der Kläger war nur noch streitig, ob der materielle Anspruch bis zu dem Augenblick bestanden hatte, in dem der Umstand eintrat, den die Kläger als den Anspruch erledigend ansahen - so die Ansicht der Kläger -oder ob er auch bis zu diesem Augenblick nicht bestanden hatte - so der Beklagte Die Kläger trugen ihrer Ansicht prozessual dadurch Rechnung, daß sie ihren zunächst gestellten Antrag für erledigt erklärten und eine Kostenentscheidung hinsichtlich des erledigten Anspruchs beantragten. Dadurch wurde der von den Klägern nicht mehr gestellte ursprüngliche Klageantrag auf Hinterlegung von 5 OOO.— DM nicht wieder Gegenstand des Rechtsstreits» Es kommt also /für den Streitwert nur der Wert der bis zur Erledigung entstandenen Kosten in Betracht» Diese belaufen sich auf etwa 1 000.— DM, so daß die Berufungssumme gegeben ist.