BGH · IV ZR 71/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatzs Hat ein Versicherungsnehmer eine Lebensversicherung in fremder Valuta abgeschlossen, so ist der Anspruch auf Grund des Gesetzes über die lnv;ra:dlurg der inländischen #'jr© dwälirxm^eversicherurr ;en vor:. (RGBl* I, 1930, 1062) nach Maßgabe einer Reichs- v markversicherung zu berechnen, wenn anzunehnen ist ^ daß der Verfolgte ohne die Verfolgung im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes vom 28.8. Gegen diesen Bescheid hat der Kläger Klage erhoben und zur Begründung vorgetragen, daß die von ihm abgeschlossene PremdwährungsVersicherung nicht auf Reichsmark hätte umgestellt werden dürfen, da sowohl die Richtlinien des Reichsaufsichtsamtes für Privat Versicherungen von 12. September 1934 (Veröffentlichung des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherungen 1935, 91) als auch das Reichsgesetz über die Umwandlung der inländischen Ficmdwährungs Versicherungen vom 26« August 1938 (RGBl I, 1062) nur auf Deviseninländer hätten Anwendung finden können. Erst zu diesem Zeitpunkt wäre die Versicherung auf Grund des Kontrollratsgesetzes Kr. 47 in eine prämienfreie Versicherung umgewandelt worden. Der Kläger hat demgemäß seine Entschädigungsforderung unter Anrechnung der ihm im 3escheid vom 9* Oktober 1956 zugebilligten 498,17 DM auf 5.7.01,13 DM berechnet und beantragt, den Beklagten unter Abänderung des Bescheides des Entschädigungsamtes vom 9. Der erkennende Senat hat auf die sofortige Beschwerde des Klägers durch Beschluß vom 29« Januar 1958 die Revision gegen das Urteil des Kammergerichts in Berlin vom 2. Die Entschädigung für Schaden an einer Lebensversicherung, die eine Kapitalleistung zu dem Gegenstand hat, wird nach § 128 Abs. 1 BEG in der Weise geleistet, daß der Berechtigte als Kapitalentschädigung die Leistungen einschließlich einer etwaigen AltsparerentSchädigung erhält, die ihm ohne die Schädigung nach dem Versiehe- Hierbei werden Leistungen von Verbindlichkeiten, die auf Reichsmark lauteten oder nach den vor der Währungsumstellung in Geltung gewesenen Vorschriften in Reichsmark zu erfüllen gewesen wären, unter Anwendung der aus Anlaß der Heuordnung des Geldwesens erlassenen Gesetze:, und Verordnungen berechnet. a) Da die Versicherungspolice nicht vorliegt, steht nicht mit Sicherheit fest, ob die Versicherungsgesellschaft nach den Versicherungsbedingungen verpflichtet war, die Versicherungssumme bei ihrer Fälligkeit am 1• April 1945 effektiv in Schweizer Franken zu leisten oder ob sie auch berechtigt war, die • Versicherungssumme in Reichsmark unter Umrechnung nach dem amtlichen Börsenkurs abzudecken* Für die Berechtigung der Gesellschaft, in Reichsmark zu zahlen, spricht die Vorschrift des § 244 Abs* 1 BGB« Ist danach eine in ausländischer Währung aus gedrückte Geldschuld im Inland zu zahlen, so kann die Zahlung in Reichswährung erfolgen, es sei denn, daß Zahlung in ausländischer Währung ausdrücklich bedungen ist« Es bedarf keiner Zurückverweisung der Sache zur Feststellung der Bedingungen des Versicherungsvertrages, da auch dann, wenn der Kläger einen Anspruch auf Leistung der Versicherungssumme in Schweizer Franken gehabt hätte, er nach § 46 des Gesetzes über die Devisenbewirtschaftung vom 12. b) Dem Entschädigungsanspruch, wie ihn der Kläger geltend macht, steht aber auch § 9 Abs, 5 BEG entgegeno Danach wird für einen Schaden, der auch ohne die Verfolgung entstanden wäre, keine Entschädigung geleistete Es bedarf im vorliegenden Falle keiner Entscheidung, ob die im bürgerlich-rechtlichen Schadens-ersatzrecht von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze über die überholende Kausalität einen Entschädigungsanspruch des Klägers aussehließen® Bei der Anwendung des Bundes ent schädigungs gesetzes ist allein zu fragen, ob der Kläger den entstandenen Schaden, wenn ein solcher entgegen den Ausführungen zu a) zu bejahen sein sollte, auch ohne die Verfolgung erlitten hätte« Pie Vorschrift des 9 Abs. 5 aaO ist gerade zu dem Zweck in das Bunde sent Schädigungsgesetz aufgenommen worden, tun dieses Rechtsgebiet nicht mit den Schwierigkeiten zu belasten, die sich aus der Anwendung der* Grundsätze über die überholende Kausalität ergeben haben„Wäre der Kläger nicht verfolgt worden, so wäre er, wie das -Berufungsgericht auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse ohne Reehtsverstoß und ohne Verletzung der Penkgesetze und allgemeinen Erfahrungsätze festgestellt hat, zur Zeit des Inkrafttretens des Gesetzes über die Umwandlung der inländischen Fremdwährungsversicherungen vom 26 o August 1938 (RGBl* I, 1938, 1062), Peviseninländer gewesen« Er wäre alsdann von den Vorschriften dieses Gesetzes betroffen worden« Rach § 1 des Gesetzes wäre alsdann seine guf Schweizer Franken lautende Lebensversicherung, wenn sie damals noch zu Rocht bestanden hätte, in einen auf Reichsmarkwährung lautenden Betrag umgewandelt worden« Geht man hiervon aus, so wäre der den Kläger entstandene Schadeh auch ohne die Verfolgung eingetreten« 3*) 2u Unrecht rügt der Kläger, es könne nicht mit völliger Sicherheit festgestellt werden, daß der Schaden auch ohne die Verfolgung eingetreten wäre« Pa das hypothetische Schadensereignis, das dem Klageanspruch entgegenstehen würde, in Wirk- lichkeit nicht eingetreten ist, kann es sich nur um die Entscheidung der Frage handeln, oh mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach den Erfahrungen des-Lebens das hypothetische Schadens er eig-nis eingetreten sein würde, wenn der auf einer nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahme beruhende Schaden nicht verwirklicht worden wäre«, Liese Auffassung vertritt der erkennende Senat zur Auslegung des § 9 Abs® 5 BEG in ständiger Rechtsprechung® So hat er insbesondere auf dem Gebiet des Berufsschadens eine Prüfung für notwendig erachtet, ob der Berechtigte nicht während . des Krieges zu dem Wehrdienst eingezogen worden wäre und er daher in seinem beruflichen Fortkommen auch ohne die Verfolgung beeinträchtigt sein würde (vgl® BGH vom 13. 4®) Schließlich kann sich der Kläger auch nicht darauf beruhen, daß ihm die Durchführungsverordnung zu dem Gesetz über die Umwandlung der inländischen Fremdwährungsversicherungen vom 10® September 1938 - RGBl. I, 1163 - unter Umständen die Möglichkeit offengelassen hätte, seine Versicherung von der Umwandlung auszunehmen o Uach § 1 dieser LVO bestand eine solche Möglichkeit nur, wenn die Versicherungsbeiträge bisher mit Genehmigung laufend in Devisen bezahlt worden waren® Auf diese Ausnahmebestimmung kann sich aber der Kläger nicht berufen, weil er die Versicherungsbeiträge nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht in Devisen, sondern in Reichsmark bezahlt hat® Selbst wenn es-aber der Fall gewesen wäre, daß der Kläger die jährlichen Beiträge in Devisen gezahlt.hätte, so.kann gleichwohl die Ausnahmebestimmung der*Durchführungsverordnung vom 10. ches naturgemäß eine Ausnahme bleiben, Rafur daß dem Kläger die Ausreisegenehmigung erteilt worden wäre, ist von ihm nichts vorgetragen und vom Berufungsgericht auch nichts festgestellt worden. Hach alledem war die Revision des Klägers mit der Kostenfolge aus den §§ 97 ZPO und 225 Abs, 1 BEO zurückzuweisen«,