BGH · IV ZR 70/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Unterhaltsanspruch eines vorehelich geborenen Kindes gegen seinen Erzeuger geht nach Maßgabe der sinngemäß anzuwendenden Bestimmung des § 1709 Abs„ 2 BGB auf den Ehemann der Mutter, der während der Empfängniszeit der Mutter beigewohnt hat, insoweit über, als der Ehemann nach der Eheschließung dem Kinde bis zur Feststellung seiner Unehelichkeit Unterhalt wie ein ehelicher Vater gewährt hat« Dies gilt auch dann, wenn die Unehelichkeit des Kindes noch vor Inkrafttreten des Famiiienrechtsänderungsgesetzes festgostollt worden ist (Ergänzung zu BGHZ 24» 9)» Da der Kläger der Mutter während der Empfängnis zeit beigewohnt hatte, ging er davon aus, daß das Kind durch die nachfolgende Eheschließung legitimiert, also sein eheliches Kind geworden sei-. Nach dem ebenfalls rechtskräftigen Urteil des Amtsgerichts in Korbach vom 31, Oktober 1961 gilt der Beklagte als Vater des Kindes Brigitte, Er ist auch zur Zahlung einer monatlichen Unterhaltsrente in Höhe von 60 DM an das Kind für die Zeit vom 1, Oktober 1959 an bis zu dem vollendeten 16, Lebensjahre des Kindes verurteilt worden.. Der Kläger begehrt vom Beklagten Ersatz seiner Aufwendungen für den Unterhalt dos Kindes 3rigitte, Er hat vorgetragen, er habe hierfür in 10 Jahren mindestens 4 800 D?£, darunter während der Dauer der Ehe monatlich 60 DM, aufgewendet o Dem Beklagten sei schon bei der Geburt des Kindes bekannt gewesen, daß er der Erzeuger sei. 1, Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (BGHZ 24, 9), die sich an die Rechtsprechung des Reichsgerichts (RR 1944, 554 Nr> 12) anschließt, geht der Unterhaltsanspruch eines von einer Frau während der Ehe geborenen unehelichen Kindes gegen seinen Erzeuger nach Maßgabe der sinngemäß anzuwendenden Bestimmung des § 1709 Abs» 2 BGB auf den Ehemann über, der bis zur rechtskräftigen Feststellung der Unehelichkeit des Kindes diesem wie ein ehelicher Vater Unterhalt gewährt hat. Riese Gleichstellung des Ehemannes mit der Mutter und den mütterlichen Verwandten des Kindes ist deshalb geboten, weil der Ehemann dem Kind den Unterhalt auf Grund einer vermeintlichen und vom Gesetz zunächst unterstellten Verwandtschaft und der dadurch begründeten gesetzlichen Unterhaltspflicht gewährt hat, und es angesichts dieser tatsächlich cingetretenen Rechtswirkungen nicht angeht, ihm die Vorteile vorzuenthalten, die das Gesetz den zu dem unterhaltsberechtigten Kind in einem wirklichen Verwandtschaftsverhältnis stehenden mütterlichen Verwandten zubilligt. Andererseits kann es nicht rechtens sein, daß der außereheliche Erzeuger aus der Tatsache, daß der Unterhalt dea von ihm erzeugten Kindes nicht von der Mutter oder einem mütterlichen Verwandten des Kindes, sondern von dem Ehemann auf Grund einer vermeintlichen Verwandtschaft und der dadurch begründeten gesetzlichen Unterhaltspflicht gewährt worden ist, sollte Vorteile ziehen können, 2, Ras Berufungsgericht hat eine analoge Anwendung des * 1709 Abs» 2 BGB auch für den Fall bejaht, daß das Kind bereits vor der Ehe geboren wurde und durch die Eheschließung seiner Mutter mit einem Manne, der ihr während der Empfängnis-zeit beigewohnt hatte, zunächst die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes erlangt hatte, Nach der Auffassung des Berufungsgerichts rechtfertigt die Tatsache der vorehelichen Geburt des Kindes keine unterschiedliche Behandlung, Auch in einem solche Falle habe sich, so hat das Berufungsgericht ausgeführt, durch die erfolgreiche Ehelichkeitsanfechtung herausgestellt, daß in V/ahrheit eine gesetzliche Unterhaltspflicht nicht bestanden habe* Auch wäre es hier wie dort gleich unbillig, daß sich der wirkliche Erzeuger seiner Unterhaltspflicht entziehen könne» Das Gesetz wolle solche Fälle gleichbehandelt wissen: dies ergebe sich auch aus der nunmehr getroffenen gleichmäßigen Regelung der Ehelichkeitsanfechtung hinsichtlich der in der Ehe geborenen und der erst durch nachfolgende Eheschließung oder durch Ehelichkeitserklärung ehelich gewordenen Kinder» Es könne auch nicht gesagt werden, daß hier die Unterhaltspflicht auf einem Vaterschafts-anerkenntnis des Klägers beruhe; denn die Wirkungen der Legitimation durch Eheschließung nach § 1719 BGB träten ohne weiteres und von selbst ein, selbst gegen den Willen der Eltern oder des Kindes» Eines Vaterschaftsanerkenntnisses bedürfe cs hierzu nicht, Jo Die Angriffe der Revision gegen diese rechtliche Würdigung sind nicht begründet. Diesem Personenkreis ist nach dem vorerwähnten Senatsurteil der Scheinvater eines in der Ehe geborenen unehelichen Kindes deshalb gleichzustellen, weil auch er auf Grund einer vermeint lachen, zwar in Wahrheit nicht bestehenden, jedoch zunächst unterstellten Verwandtschaft und der daraus resultierenden gesetzlichen Unterhaltspflicht das Kind unterhalten hat. Maßgebend ist sonach die Unterhaltsgewährung auf Grund eines vermeintlichen und vom Gesetz zunächst unterstellten Verwandtschaftsverhältnisses, Dieser Gesichtspunkt kommt aber auch in denjenigen Pallen zu dem Tragen, in denen ein Mann die Mutter eines vorehelich geborenen Kindes geheiratet, das Kind mit Rücksicht darauf, daß er der Mutter während der Empfängnis-zeit beigewohnt hatte, als durch nachfolgende Eheschließung legitimiert angesehen und es folglich wie ein eheliches Kind unterhalten hat. Nach § 1719 BGB erlangt ein uneheliches Kind dadurch, daß sich der Vater mit der Mutter verheiratet, mit der Eheschließung die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes«, Nach § 1720 Abs«, 1 BGB gilt der Ehemann der Mutter als Vater des Kindes, sofern er der Mutter innerhalb der Erapfängniszeit beigewohnt hat«, Dies gilt, ebenso wie nach § 1591 BGB bei einem während der Ehe geborenen Kind, nur im Palle der offenbaren Unmöglichkeit der Vaterschaft nicht« Allerdings bestand nach der hier maßgeblichen, bis zu dem Inkrafttreten (1« Januar 1962) desa Farailienrechtsänderungsgesetzes vom 11« Augusts961 (BGBl l 1221) geltenden Rechtslage insofern ein Unterschied, als damals die Unehelichkeit uneingeschränkt von jedermann durch Klage auf Peststellung oder durch Einrede geltend gemacht werden konnte, sofern er an dieser Feststellung ein rechtliches Interesse hatte (vgl« BGB RGRK 9« Aufl« § 1720 An. 3). Februar 1957 IV 2R 285/56 - LM Nr, 2 zu § 1719 BGB -)« Eine solche Klagemöglichkeit ist erst durch § 1721 BGB n0Fo für den Fall, daß das VormundSchaftsgericht die Legitimation eines unehelichen Kindes durch die Eheschließung seiner Eltern rechtskräftig festgestellt hat, in entsprechender Anwendung der §§ 1595 bis 1599 BGB geschaffen worden« Dieser nach der früheren Rechtslage bestehende Unterschied in der formellen Geltendmachung der Unehelichkeit eines Kindes rechtfertigt jedoch keine andere Beurteilung der Rechtsstellung eines Ehemannes, der einem vorehelichen Kinde seiner Ehefrau Unterhalt gewährt hat, weil er es als sein durch die Eheschließung legitimiertes Kind angesehen hat« Auch ein solcher Scheinvater hat das Kind auf Grund einer vermeintlichen Verwandtschaft und einer dadurch vermeintlich begründeten gesetzlichen Unterhaltspflicht .unterhalten« Zwar traten die Wirkungen, der Legitimation nicht ein, wenn der Ehemann nicht der wirkliche Erzeuger des Kindes war« Angesichts der Bestimmung des § 1720 Abs, 2 BGB hat er jedoch zunächst davon auegehen müssen, daß das Kind durch die Eheschließung die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes erlangt hat und daher ihm gegenüber nach den Bestimmungen der §§ 1601 ff BGB unterhaltsberechtigt gewesen ist,, Folglich hat er sich dagegen, daß er von dem Kind auf Unterhalt in Anspruch genommen wurde, st lange nicht wehren können, als er keinerlei Anhaltspunkte für die offenbare Unmöglichkeit Auch er hat somit dem Kind auf Grund einer vermeintlichen und vom Gesetz in § 1720 Abs. 1 BGB zunächst unterstellten Verwandtschaft wie ein ehelicher Vater Unterhalt gewährt,, Dies rechtfertigt auch seine Gleichstellung mit den unterhaltspflichtigen mütterlichen Verwandten des Kindes und damit die sinngemäße Anwendung des § 1709 Ahs o 2 BGB. Der Unterhaltsanspruch eines vorehelich geborenen Kindes gegen seinen Erzeuger geht somit nach Maßgabe der sinngemäß anzuwendenden Bestimmung des § 1709 Abs, 2 BGB auf den Ehemann der Mutter, der während der Empfängniszeit der Mutter beigewohnt hat, insoweit über, als der Ehemann nach der Eheschließung dem Kinde bis zur Feststellung seiner Unehelichkeit Unterhalt wie ein ehelicher Vater gewährt hat. Nach § 200 Satz 2 BGB beginnt zwar bei Ansprüchen aus familienrechtlichen Verhältnissen die Verjährung erst mit erfolgter Anfechtung« Diese Vorschrift greift jedoch, entgegen der vom Berufungsgericht bestätigten Auffassung des Landgerichts, hier nicht durch, da es, wie dargelegt, nach dem