BGH · IV ZR 70/51 vom 31.01.1952
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
des V, Zivilsenats, in BGHZ 1,109 an, dass; die Umstellung einer persönlichen Forderung sich in der Regel nach dem Währungsrecht des. soy wird mit dieser Abrede die Schuld im Zweifel nur uragewahdeit«, nicht umgeschaffeno' Sie bleibt daher weiterhin eine im Verhältnis 1 s 1 umzustellende Verbindlichkeit aus der Auseinandersetzung* vom 6o Februar 1951 wird aufgehoben 0 Pie Berufung des Beklagten gegen das Urteil der 3° Zivilkammer des Landgerichts in Frankfurt aoMn vom 23° Februar 1950 wird mit der Massgabe zurück-gewiesen, dass die Zinsen bis zu dem 31°5°194B einschliesslich im Verhältnis 10 s 1 auf BM umzurech-nen sind* . Der Beklagte übernahm den Grundbesitz zu dem Anrechnungswert von 50.-000 RM mit allen Be-lastungen» Er sollte dafür an die Klägerin 3»333?30 Die Klägerin macht als Abtretungsempfängerin ihres Bruders Max einen Teilbetrag seiner Restforderung gel~ tendo Sie hat beantragt«, den Beklagten zu verurteilen, ihr 3oQ00?t— DM nebst A°/> Zinsen seit dem 8«, Oktober 1947 zu zahlen« die Klägerin könne keine Zahlung in DM-\7est verlangen, weil Erfüllungsort SflHHI sei und die Nachlassmasse, aus der die Forderung herrühre, sich in der Ostzone befinde, er sich auch durch Verkauf des Grundstücks die Mittel-zur Befriedigung der Klägerin nicht in DM-West beschaffen könneo Die Forderung sei allenfalls im Verhältnis 10 t 1 uftzustellen, weil sie in eine Darlehensforderung umgev/andelt und an die Klägerin abgetreten v/orden seif Ausserdem habe er in den Jahren 1946/4-7 mehrfach mit seinem Bruder darüber verhandelt, ob er der Klägerin Zahlungen leisten solle; damals, sei ihm aber erklärt worden, dass die Klägerin kein Geld nötig habe» Vorsorglich bittet der Kläger uni richterliche■Vertragshilfe, Die Revision hat Erfolge io Nach dem Tatbestände des angefochtenen Urteils ist das Vorbringen der Klägerin, ihr Bruder Max habe seine Forderung gegen den Beklagten mit /Genehmigung der Devisenstelle an sie abgetreten,v im/zweiten Rechtszuge nicht mehr streitig gewesene Insoweit sjind von dem Beklagten auch in diesem Rechtszuge keine Zweifel geltend gemacht wordene Es kann schon hiernach m|t dem Landgericht davon ausgegangen werden, dass die Klägerin die streitige Forderung wirksam erworben hate ■ / Die Parteien streiten irn wesentlichen nur noch um die Frage, ob die Forderung dem Währungsrecht der Westzone oder der Ostzone unterliegto Das Landgericht hat das Umstellungsgesetz der Westzone angewandt, weil Gläubigerin und Schuldner bei seinem Inkrafttreten ihren Wohnsitz in der Westzone gehabt haben,, Das Berufungsgericht hält dagegen den Erfüllungsort für den massgeblichen Anknüpfungspunkt; da im vorliegenden Falle der Wohnsitz des Schuldners zur Zeit der Entstehung des Schuldverhältnisses, also der gesetzliche Er-' füllungsort ist, hält es das westdeutsche Umstellungsgesetz nicht für anwendbar* Die Streitfrage, welches Währungsrecht anzuv/enden ist, hat der Vo Zivilsenat des . die britische Zone in OGHZ 4, 51 für eine Darlehensforderung da’hin entschieden, dass die Umstellung einer von der Währungsumstellung entstandenen Forderung gegen einen im westdeutschen Y/ährungsgebiet wohnenden Schuldner sich nach dem westdeutschen Umstellungs* gesetz richte, da nur der Wohnsitz des Schuldners im Zeitpunkt der Währungsreform-als Anknüpfungspunkt in. Betracht kommeo Dieser Rechtsprechung schliesst der erkennende Senat sich an„ Dem Wohnsitz des Schuldners im Zeitpunkt der Währungsreform ist - als einem objektiven Anknüpfungspunkt - bei Forderungen schon deshalb in der Regel der Vorzug vor dem vereinbarten oder gesetzlichen Erfüllungsort zu geben, weil die Erfüllung an dem in § 269 BGB vorgesehenen Ort infolge der Entwicklung in der Ostzone und den ostdeutschen Gebieten seit-1945 in weitem Umfange unmöglich geworden ist0 Auch bei der hier geltend gemachten Forderung aus dem Erbauseinandersetzungsvertrag vom 8o/l7o Oktober 1937 handelt es sich - wie.bei einer Darlehensforderung - um eine rein persönliche Verpflichtung des Schuldners? ist insoweit nicht erhebliche Denn die Erbauseinandersetzungsforderung war von ihrer Entstehung an eine von dem Schicksal des Grundbesitzes unabhängige persönliche Forderung« Das ergibt sich schon daraus? sondern des internationalen Privatrechts- entscheidend; ausserdem seien hier Anhaltspunkte für einen ausdrücklichen oder doch mutmasslichen Parteiwillen gegeben« Das erstere Vorbringen ist schon deshalb unbegründet? vor der Währungsreform abgetreten worden ist und daher für den hier massgeblichen Zeitpunkt der Währungsreform anders zu entscheiden wäre, wenn-der in der Schweiz lebende Bruder der Parteien zur Zeit des Währungswechsels noch G-laubiger gewesen wäre<> Die Präge, ob der Parteiwille im vorliegenden Palle Anhaltspunkte für die Bestimmung des Währungsstatuts gibt, haben Landgericht und * Oberlandesgericht bereits verneinte Für eine solche subjektive Anknüpfung bie.tet das Vorbringen .des Beklagten selbst auch keine Grundlage o Denn hieraus folgt nicht, dass er, wie er meint, rechtlich gesehen auch dort, noch einen Wohnsitz hat„ Ein Doppelwohnsitz im Sinne des § 7 Abs 2 BGB erfordert eine ständige Niederlassung (§ 7 ;Abs 1) an zwei Orteno Dine ständige Hiederlassung an mehreren Orten ist’ aber regelmässig nur anzunehmen, wenn diese gleichmässig der Mittelpunkt der Lebensverhältnisse in ihrer Gesamtheit sindo Das setzt voraus , dass an diesen Orten dauernd Wohnungen •unterhalten werden, in denen abwechselnd Aufenthalt genommen Y/ird, und von denen aus jeweils die gesamten Lebensverhältnisse einschliesslich der Vermögensverwaltung bestimmt werden (vgl RGRKomm 9f Aufl Anm 3 zu § 7 BGB; dass Max Wittstock sie dem Beklagten ’’als für zehn Jahre unkündbares Darlehen stunde” ,> In solchen Fällen liegt ein Vereinbarungsdarlehen im Sinne des § 607 Abs 2 BGB vor0 Im Zweifel wird hierbei jedoch die alte Schuld nur umgewandelt? Die Umstellung im Verhältnis 1 g 1 wird auch nicht: dadurch ausgeschlossen, dass die Klägerin die Forderung erst durch Abtretung erworben hat0 ^er Senat hat in seiner Entscheidung vom 120 Juli 1951 - IV ZB 33/51? IVo Auch der weitere Vortrag des.Beklagten, 1946/47 sei ihm erklärt worden, die Klägerin.habe.kein Geld nötig, ist nicht erheblicho Aus diesem Vorbringen ergibt sich nichts dafür, dass der Beklagte seinen Bruder oder die Klägerin auch nur in Annahmeverzug gesetzt hato Es kann daher hier dahingestellt bleiben, ob Annahmeverzug des Gläubigers für sich allein überhaupt das Recht auf eine bevorzugte Umstellung fort-fallen lassen könnte0 Vo Richterliche Vertragshilfe''kann dem Beklagten im Rahmen dieses Rechtsstreits nicht gewährt werden, d.a die Klägerin nicht zugestimmt hat (§ 8 Abs 3 der 28» DVO zu dem UmstG)e VIo Für die Zeit vor dem 1» Juni 1948 kann die Klägerin Zinsen nur zu einem Umstellungsverhältnis 10 s 1 verlangen •(§§ 16 Abs 11 18 Abs 2 UmstG-) 0 Mit dieser Massgabe war daher das Urteil des Berufungsgerichts aufzuheben und die Berufung des Beklagten gegen das Urteil* des Landgerichts> zurückzuv/eiseno üie Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPOo