BGH · IV ZR 69/50
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
I») ürf all rung s sä t z e des Lebens , deren .Beweiskraft nicht so stark ist, dass sie eine tatsächli, che Vermutung für ein bestimmtes Geschehen begründen 5 können neben anderen Umständen im Rahmen der Beweiswürdigung berücksichtigt werden0 Las gilt auch für den Satz, dass Frauenschmuek in einer Normalehe in der Regel für den persönlichen Gebrauch der Frau bestimmt isto '4c) Die Erben der Ehefrau können sich, wenn keine "'V; Vermögensauseinandersetzung erfolgt ist, gegenüber der zweiten Ehefrau, der der kann Frauenschmuck geschenkt hat, auf die Vermutung des § 1362 Abs 2 BGB berufene Aktenzeichens IV 211 69/50 Urteil vom 7° Mai 1951 23 jähriger Bauer im Juni 1941 aus alleinigen Verschulden des Beklagten zu 1 geschieden worden» Die Klüger sind Kinder aus dieser Ehe und die Erben ihrer verstorbenen Kutter Der Beklagte zu 1 ist seit 1943 in zweiter Ehe mit der Beklagten zu 2 verheiratet a nicht ..mitgenommen werden können und noch vorhanden sind, stellt das Eigentum Herrn Ej zu, hie Kläger nehmen den Schmuck als Eigentum ihrer verstorbenen mutter in Anspruch, während die Beklagten- behaupten, der ' Schmuck habe dem Beklagten zu 1 .gehört, dieser habe ihn 1941 der Beklagten zu 2 geschenkt. hie Anwälte haben den Schmuck entsprechend, diesen Beschlüssen in Verwahrung genommeno Auf Antrag der Beklagten ist den Klägern durch Beschluss des Landgerichts Hamburg von 15» Kai 1946 gemäss ■§ 926 ZPO auf gegeben worden, binnen 1 Llonat nach Zustellung des Beschlusses Klage zu erheben, Demgemäss haben die Kläger ne Bas- Landgericht, hat die Beklagte verurteilt, in die Aushändigung der Brosche zu willigen und die weitergehende Klage abgewiesen* Gegen dieses Urteil haben beide Parteien Berufung eingelegte Die Kläger haben weiter vorgetragen, der Beklagte zu 1 habe ihrer mutter jeden Yunsch erfüll und ihr auch den hier streitigen Schmuck geschenkte Dass der Schmuck in dem Auseinandersetzungsvertrag und in dem im Zusammenhang mit; der Ehescheidung und: der Auseinandersetzung erfolgten Schriftwechsel nicht erwähnt sei, erkläre sich daraus„ dass ihre mutter als Volljüdin nach den damals gel- Er habe den hier streitigen .Schmuck auch stets selbst verwahrt und seiner ersten Ehefrau nur gelegentlich sum fragen überlassen« Bei der Vermögensauseinandersetzung habe Einigkeit darüber bestanden, dass der Schmuck ihm gehöre (Beweis?' Zeugnis Br« 3t^|^) 0 In Übereinstimmung mit der Beklagten zu 2 hat er vorgetragen? die Beklagte zu 2 habe sich wegen ihrer Beziehungen zu ihm scheiden lassen« Deswegen sei er ihr moralisch zur Unt erhalt sie is tung verpflichtet gewesen« Um dieser Pflicht zu genügen« habe er ihr 1941 den Schmuck gegeben« Dabei habe es sich nicht um eine unentgeltliche Zuwendung gehandelt« Die Beklagte zu 2 habe ihn 1941 ein Darlehen in Höhe von 4000 ELI gegeben, Me.se Dar1ehensschuld sei mit Rücksicht auf die Zuwendung des Schmuckes als erledigt angesehen worden« Das Berufungsgericht hat, wenn auch Eine nähere Begründung 5 in dem angefochtenen Urteil für das Revisionsge-richt bindend festgestellt, dass der Schmuck von den Beklagten zu 1 der Beklagten zu 2 übereignet worden ist. Auf diese zugunsten der verstorbenen Hutter bestellende Vermutung könnten sich auch die Klager als Erben ihrer Hutter berufen» Die Vermutung sei weder durch die Auflösung der Ehe ihrer Hutter, noch durch die später erfolgte Vermögensauseinandersetsung zwischen den geschiedenen Ehegatten ausser Kraft getreten„ Die geschiedene Ehefrau habe, sich .bei der Auseinandersetzung in einer Zwangslage befunden» Sie sei Jüdin gewesen und habe sich als solche keinen Brillantschmuck erhalten können? ihrer ITatur nach als dem Gebrauch einer weiblichen Person gewidmet erscheinen, ist zu beweisen, dass die Sachen ausschliesslich su ihrem persönlichen Gebrauch bestimmt sind. Liese Ansicht des Berufungsgerichts steht in Widerspruch zu der im Gesetz angeordneten B ewe i si as tvert e ilung , wonach die Klager und nicht der Beklagte zu beweisen haben, dass die Schmuckstücke zu dem ausschliesslichen persönlichen Gebrauch der Frau bestimmt waren. Es hätte dann von den ausschliesslich zu dem persönlichen Gebrauch einer - und nicht der Frau bestimmten Sachen die Hede sein )| müssen. dass die Schauokstücke zu dem persönlichen Gebrauch der ersten Ehefrau bestimmt waren, als voll geführt angesehene Fenn es bei seiner Bern eiswürdi-gung auch den Umstand berücksichtigt hat? so können dagegen keine rechtlichen - Bedenken erhoben werden» Diese sich aul die Lebeh s erfahrung gründende Regel kann im Rahmen der Beweiswürdigung beachtlich und geeignet sein« den Beweis für die Bestimmung des Schmuckes mit zu stützen« Erfahrungs-sätze des Lebens sind hinsichtlich ihres Beweiswertes won verschiedener Stärke„ Ihre Beweiskraft kann in besonderen Bällen so stark sein, dass der Erfahrungssats allein geeignet ist, eine tatsächliche Vermutung für ein bestimmtes Geschehen zu begründen. Auf C-rund dieses Brfahrungssatzes ist dann der Beweis für das Geschehen als Beweis des ersten Anscheines erbrachte Brfahrungssätze, denen ein so starker Beweiswert nicht zukomnt, weil sie nicht dieselbe hohe kahr-scheinlichkeit für ein bestimmtes Geschehen begründen« sind damit nicht bedeutungslos für die richterliche Beweiswürdigung 0 Sie können nach der von Ball zu Ball zu beurteilenden Starke ihrer Beweiskraft neben anderen Umständen im Bannen der richterlichen Beweiswürdigung berücksichtigt werden« Bons das Berufungsgericht dein von ihm erkannten Brfahrungs-satz im Ergebnis eine stärkere Bedeutung beigelegt tat, 3:ann den Urteilsgründen nickt entnommen werden« Denn das Berufungsgericht hat seine BestStellung über die Gebrauchbestimmung für den Schmuck, wesentlich mit auf seine Herkunft aus dem "vermögen der Lutter der ersten Ehefrau und auf den Zeitpunkt seiner Anschaffung gestützt» Diese'Beweiswürdigung verstösst nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze des Lebens o' wiegend auf den den Bevisionsgericht verschlossenen tat-richterlichen Gebiet0 Dass das Oberlandesgerieht bei seiner Beweiswürdigung nicht alle vergeträgenen Behauptungen der Beklagten und nicht alle won den Parteien vorgetragenen Beweisergebnisse berücksichtigt hat, kann den angefochtenen Urteil nicht entnommen werden0 Die Behauptung über die Schenkung der Mutter der ersten Ehefrau an den Beklagten zu 1 ist im Tatbestand eingehend wiedergegeben„ Bagegen sind j die weiteren Behauptungen über die Ermittlung der Zollfahndungsstelle und der Antrag auf Vernehmung der Zeugin in dem Tatbestand des -angefochtenen Urteils, der keine Bezugnahme auf die Schriftsätze enthält, nicht erv/almt« Da der Tatbestand nach § 314 ZPO Beweis für das mündliche Vorbringen der Parteien liefert« der nur durch das Sitzungspr tokoll entkräftet werden kann« können die auf die Übergehung dieses Beweisantrags und die. 1362 Abs 2 BGB besteht auch jetzt noch für die Kläger hinsichtlich der Präge, ob ihre Kutter im Jahre 1941 Eigentümerin des Schmuckes war<, Bass die Vermutung nach b 1362 Abs 2 nicht mit der Scheidung der Ehe in jedem Pall sofort ausser Kraft tritt, ist in Eechtspre-chung und lehre allgemein anerkannt« Soweit eine Vermögensauseinandersetzung zwischen den geschiedenen Ehegatten eric.m Dann in der Kegel vermutet werden, wenn die geschiedenen Ehegatten einen Aus e inend er s e t zung sve rtrag geschlossen haben«, Diese Vernutung vermag jedoch«, wie das Berufungsgericht frei von Rechtsirrtum ausgeiührt hat, der .Auseinandersetsungsvertrag vom 13o Juni 1941 nicht zu begründen o Der Vertrag wurde nach den Beststellungen des Berufungsgerichts unter ganz aussergewöhnlichen umständen geschlossene Hierzu ist in dem angefochtenen Urteil ausgeführt? die erste Ehefrau habe sich als Jüdin keinen Brillantschmuck erhalten könnens während dies dem Beklagten als Ilichtjuden möglich gewesen sei» hätte, sie den Schmuck sich aushändigen lassen, so wäre er ihr sicherlich genommen., hätte sie .aus dem Schmuck nur haben können, wenn sie ihn in den Bänden des dass eine VernÖg ensaus einander-Setzung zwischen den Eheleuten wirklich stattgefunden hat* Die erste Ehefrau konnte sich daher gegenüber den Beklagten zu 1 bis zu ihrem Tode darauf berufen? und ihm auch sonst keine Verfügungsberechtigung über diesen Schmuck eingeräumt war« hat er darüber als hichtbe-rechtigteu zugunsten der Beklagten zu 2 verfügt. Insofern greift die zwischen dem Beklagten zu 1 und seiner ersten Ehefrau r e cht sw irk same Vermutung des § 1362 Abs 2 auch hin-sichtliclpües- gegen die Beklagte zu 2 geltend gemachten Anspruchs aus § 816 Abs 1 Satz 2 durch* Die Vermutung des § 1362 Abs 2 gilt zwar nach dem Y/ortiaat des Gesetzes nur j im Verhältnis der Ehegatten zueinander und zu ihren G.».Uubj-gern? obwohl sie nicht Gläubigerin des Beklagten zu 1 ist* die gegen diesen als Ehemann der ersten Ehefrau -geltende' Vermutung hinsichtlich des Anspruchs aus § 816 Abs X Satz 2 auch gegen sich gelten lassen. dem Schmuck ..an cue rm.ager zurücküb ertragen und im übrigen den Schmuck in derselben .,eise heraus geben, wie es der Beklagte zu 1 während der Bauer seines Besitzes hätte tun müssen„ Ihre Haftung wird nur durch solche Umstände gemindert, die nach dem n-rwerb des Schmuckes e intreten und zu einer Ent reiche rung xunren0 ns greift daher ihr gegenüber hinsichtlich der Frage, °b der Beklagte .zu 1 als Ilichtberechtigter verfügt hat, die zugunsten de^r ersten Ehefrau bestehende Vermutung des § 1362 .gos 2 noch mittelbar durch, weil sie insoweit keine stärkere Steilung erlangt haben kann, als sie ihrem zu ihren Grünsten verfugenden Ehemann zukam0 ha die Vermutung des J 1362 Abs 2 hinsichtlich der ersten uhe ihres Ehemannes von der Beklagten zu 2 nicht a .i J.erj-Cg t worden ist,... Damit ist aber auch die Klage gegen den Beklagten zu 1 begründeto Denn derBeklagte zu 1 hat weder ein eigenes Besitzreclit an den Schmuck, noch sonst ein liecht, einer ZwangsYollstrecjiung wegen des Herausgabeanspruchs zu wider-sprechen Gz Der Schmuck gehört nach § 1366 BCfB zu dem Vorbehaltgut der'Beklagten zu 2» .Das Hecht zu dem Besitz des Hannes erstreckt sich nach § 1373 BG-B nur auf das .eingebrachte Gut der Frau. Da der Schmuck auch zugunsten des Beklagten zu I hinterlegt worden ist, ist auch er verpflichtet, in die Herausgabe an die Kläger zu willigen. cier Vermutung nach § 1362 Abs 2 zugunsten der ersten Ehefin-p und derselben Vernutung zugunsten der zweiten Ehefrau bestehen kann, kann in den vorliegenden Rechtsstreit überhaupt nicht auftreten» Denn .nach den Feststellungen des Berufunas-gerichts ist die zweite Ehefrau durch Schenkung Eigentümern des Schmuckes geworden« so dass für eine für sie bestehende blosse Vermutung überhaupt kein kaum mehr, ist« Zu entscheiden ist nur, ob ihr Hechtsvorganger Eigentümer war, *1>S + Es kam allein darauf an« festzustellen« ob der Beklagte zu 1 im Jahre 1941 Eigentümer des Schmuckes war, in welchem Zeitpunkt die Ehe zwischen ihn und der Beklagten zu 2 noch gar nicht bestand0 Eie Annahme der revision« das Berufungsgericht habe die Auseinandersetzung des Beklagten mit seiner früheren Ehefrau dohin gewürdigt, dass das Eigentum an dem Schmuck wenn auch aus larnungsgründen ...dem Beklagten zu 1 zugesprochen war , ist gleichfalls irrig„B Das'Berufungsgericht hat eine Festste!- Es ist also /auch nicht von der Annahme ausgegangen, der Schmuck.--"sei aus ”larnungsgründenV dem Beklagten zu 1.zugesprochen' worden«