BGH · IV ZR 67/71
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des 8. Der Kläger nimmt den Beklagten, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, als Vater in Anspruch und beantragt nach Umstellung seiner Anträge aufgrund des während des Rechtsstreits in Kraft getretenen Nichtehelichengesetzes festzustellen, daß der Beklagte sein nichtehelicher Vater ist, und den Beklagten zur Zahlung des Regelunterhalts zu verurteilen. Der Beklagte bestreitet nicht, der Erzeuger des Klägers zu sein, und wendet sich auch nicht gegen die Unterhaltsverpflichtung, der er freiwillig nachgekommen ist. Er ist jedoch der Ansicht, gegen ihn dürfe weder eine gerichtliche Feststellung der Vaterschaft getroffen werden noch eine Verurteilung zur Zahlung von Unterhalt ergehen, weil nach Art. 21 EGBGB uruguayisches Recht als das Heimatrecht der Mutter anwendbar sei und dieses eine Vaterschaftsklage und eine Unterhaltsklage nicht zulasse. Die Berufung des Beklagten ist vom Oberlandesgericht zurückgewiesen worden. Allerdings verweist Art. 21 EGBGB wegen der Unterhaltspflicht des Vaters gegenüber einem nichtehelichen Kind auf die Gesetze des Staates, dem die Mutter zur Zeit der Geburt des Kindes angehört hat, und die Mutter des Klägers besaß zu dieser Zeit nicht die deutsche, sondern die uruguayische Staatsangehörigkeit. Nach Art. 1 Abs. 1 dieses Abkommens bestimmt sich die Unterhaltspflicht nach dem Recht des Staates, in dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Hierzu kommt es nach ganz herrschender Auffassung nicht auf die Staatsangehörigkeit des Kindes und entgegen der Ansicht der Revision insbesondere auch nicht darauf an, ob das Kind einem Vertragsstaat angehört (MUller-Freienfels, Zum räumlich-persönlichen Geltungsbereich des Haager IPR-Ubereinkommens in Festschrift für Ficker, 1967, 289 ff, 333; Neuhaus FamRZ 1967, 22, 25 zu Fn.21; Müller NJW 1967, 141; Dölle NJW 1967, 2250 in Erwiderung auf die abweichende Ansicht von Jacobs NJW 1967, 1065; Bosch FamRZ 1970, Demgemäß ist auch nach deutschem Recht zu beurteilen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Vaterschaftsfeststellungsklage gegen den Beklagten zulässig und begründet ist, gleichgültig, ob sich diese Klage nach dem Unterhaltsstatut oder nach dem Heimatrecht des Beklagten, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, richtet. Gegen die Feststellung des Berufungsgerichts zur Begründetheit der Klage sind Einwendungen nicht erhoben worden.