BGH · IV ZR 67/63 vom 30.10.1963
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BEG §§ 150 ff Verfolgte, die nach ihrer Auswanderung, jedoch vor der allgemeinen Vertreibung der Deutschen verstorben sind, sind auch dann nicht als Vertriebene anzusehen, wenn ihr Tod durch Vorfolgungsmaßnahmen verursacht v/ar> September 1940 in Nord-Irland verstorbenen Vaters Hubert D^^ macht der Kläger Entschädigungsansprüche nach dem BEO für den Schaden seines Vaters in seinen beruflichen Fortkommen geltend, üur Begründung dieses Anspruchs hat er vorgetragen, der Erblasser sei 1894 in Wien geboren und habe nach dem ersten Weltkrieg seinen Wohnsits in der Tschechoslowakei genommen, deren Staatsangehörigkeit er auch erworben habe. Die gegen das Urteil des Landgericlls vom Kläger eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg, Hit der Revision, die das Berufungsgericht zugelassen hat, verfolgt der Klüger seinen Entschädigungsanspruch weiter. Die Revision ist nicht begründet, da in der Person des bereits im Jahre 1940 verstorbenen Vaters des Klägers ein Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Vortkorrnen nach dem Bundescntcchädigungsgesota nicht entstanden Das ist er jedoch nach der ständigen Rechtsprechung des Senats deshalb nicht, weil er bereits vor der allgemeinen Vertreibung verstorben ist (Urteile RzW I960, 05; 1961, 184; 1962, 368). In diesem Ralle könnte den Hinterbliebenen des Verfolgten, wenn sie selbst Vertriebene - also etwa aus Verfolgungsgründen mi tausgewandert sind und die Zeit der allgemeinen Vertreibung erlebt haben - unabhängig von der Vertriebonenoigenscliaft des Verfolgten gemäß § 150 Abs. 2 Satz 2 BEG ein Anspruch auf Entschädigung wegen Schadens an Leben zuotehen. Eebruar 1961 - RzW 1961, 324 Hr. 35 - erwähnt hat, kann cs den Gesetzgeber nicht entgangen sein, =.daß zahlreiche Verfolgte aus Vcrtreibungogcbioton die Vertriebeneneigenschaft deshalb nicht erworben haben, weil sie vor der allgemeinen Vertreibung durch NS-Verfolgungsmaßnahmen an der von ihnen beabsichtigten Auswanderung in das außerdeutsche Ausland verhindert worden sind und ihre etwaige nach dem Zusammenbruch dos Dritten Reiches erfolgte Auswanderung nicht mehr, wie e3 nach § 1 Abs, 2 Nr* 1 BVFG für die Begründung der Vertricbcnenoigcnschaft erforderlich ist, mit RücJcsicht auf drohende oder erlittene nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen geschah. Es wäre aber im Hinblick auf das Grundsatzgebot, glqichliegendc Fälle rechtlich gleich zu behandeln, nicht zu rechtfertigen, einerseits den Erben solcher Verfolgten hinsichtlich an sich vererblicher Entschädigungsansprüche v/egen Fehlens der Vertriebeneneigenschaft eine Entschädigung zu versagen, den Erben der nach der Auswanderung - jedoch vor der allgemeinen Vertreibung - im Ausland verstorbenen Verfolgten dagegen diese Entschädigung zuzuge-stehen, Der Umstand, daß der Tod des Erblassers in dem einen Fall innerhalb, im anderen Falle außerhalb eines bestimmten Vertreibungsgebietes eingetreten ist, rechtfertigt keine unterschiedliche Behandlung, insbesondere nicht zugunsten der Erben von Verfolgten, die nach der Ausv/anderung im Ausland verstorben sind.