BGH · IV ZR 60/64 vom 27.01.1965
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Es ist nicht zulässig, die innerhalb dieses Zeitraums liegende Zeit, in der der Verfolgte auch ohne die Verfolgung keinem 2rwerb hätte nachgehen können, auszuklammern und unberücksichtigt zu lassen. Kläger auch ohne nationalsozialistische Verfolgung während dieser Zeit durch Einberufung zur deutschen Wehrmacht sein berufliches Einkommen eingebüßt hätte» Mit der den Gegenstand dieses Verfahrens bildenden Klage wendet der Kläger sich dagegen, daß dieser Zeitraum bei der Bemessung der ihm zustehenden Entschädigung nicht berücksichtigt worden ist» Er hat beantragt, ihm für seinen Schaden im beruflichen Fortkommen eine weitere Entschädigung in Höhe von 2.641 DM zu zahlen. Denn er sei ein Ausdruck des übergeordneten, das ganze Entschädigungsrecht durchziehenden Prinzips, daß für einen Schaden, der auch ohne die Verfolgung entstanden .;äre, keine Entschädigung geleistet werde. Dem müsse dadurch Rechnung getragen werden, daß der Zeitraum, in dem der Kläger ohne die Verfolgung gleichfalls nicht hätte berufstätig sein können, bei der Berechnung des Entschä- digungszeitraums unberücksichtigt bleibe» Der Kläger wäre spätestens an 1» April 1940 zur Wehrmacht einberufen und nicht vor dem 8« Mai 1945 entlassen worden» Es sei überwiegend wahrscheinlich, daß der Kläger während dieses Zeitraums hätte Wehrdienst leisten müssen» Der Kläger hätte während seines V/ehrdienstes keineswegs höhere, wahrscheinlich sogar geringere Einnahmen gehabt, als er sie tatsächlich in dem Zeitraum in den USA erzielte. Der erkennende Senat hat in seinem RzW 1958, 102 veröffentlichten Urteil ausgesprochen, daß bei der Entscheidung der Frage, ob der Schaden eines Verfolgten auch ohne die Verfolgung entstanden wäre und ob ein Verfolgter im Zusammenhang mit einem Schaden Vorteile gehabt habe, nicht nur der gesamte Schadenszeitraum zu berücksichtigen sei, sondern auch geprüft werden müsse, ob der Verfolgte wahrscheinlich zu dem Wehrdienst einberufen worden wäre, wenn er nicht zu dem Kreis der rassisch Verfolgten gehört hätte. Sie kann aber nicht dazu führen, daß, wie es das Berufungsgericht getan hat, bei der Bemessung einer zu geV/ährenden Entschädigung der Zeitraum unberücksichtigt bleibt, in der der Verfolgte ohne die Verfolgung hätte 'Wehrdienst leisten müssen und daher während dieser Zeit auch nicht mehr verdient hätte, als er tatsächlich auf Grund der Verfolgung verdient hat. Bei den Verfolgten, die als Enx-ochädigung eine Rente wählen können, wird bei den selbständig Erwerbstätigen weitgehend und auch bei den unselbständig Erwerbstätigen noch zu einem erheblichen Teil für die Bemessung der zu gewährenden Entschädigung von der Höhe des tatsächlich erlittenen Schadens abgesehen, insbesondere bei den selbständig Erwerbstätigen kann es sein, daß ein verhältnismäßig geringer, allerdings nicht nur geringfügiger Schaden das Recht zu dem Bezug der Höchstrente auf Lebenszeit begründet. Da die Pauschalierung des Schadens in der Regel zur Folge hat, daß den Verfolgten kein voller Schadensersatz für den erlittenen Schaden gewährt wird, ist es nicht angängig und mit dem Sinn und Zweck des Gesetzes nicht zu vereinbaren, diesen Grundsatz der Pauschalierung zu dem Nachteil der Verfolgten zu durchbrechen, um die ihnen zustehende Entschädigung noch weiter zu verkürzen. Aua diesem Zeitraum können bestimmte Zeiten nicht ausge-klammert werden, um auf diese Weise für die Berechnung der Kapitalentschädigung einen Entschädigungszeitraum zugrunde zu legen, der kürzer ist, als der vom Beginn bis zu dem Ende der Schädigung reichende. 102 veröffentlichten Urteil hat der erkennende Senat ausgeführt, daß der Wehrdienst, den ein Verfolgter ohne die Verfolgung hätte leisten müssen, zu berücksichtigen ist, soweit zu entscheiden ist, ob er durch die Verfolgung einen mehr als geringfügigen Schaden erlitten hat. Hier handelx es sich nach § 9 Abs. 1 BSG um die Berücksichtigung des Vorteils, in den der Verfolgte dadurch gelangt ist, daß er keinen Wehrdienst leisten mußte. Es müsse fest-gesocilt werden, was der Verfolgte während der Dauer des gesamten EntsenädigungsZeitraums ohne die Verfolgung unter Berücksichtigung der Tatsache, daß er hätte Wehrdienst leisten müssen, an Einnahmen erzielt hätte und was er tatsächlich erzielt hat. Bach dieser Bestimmung wird für Schaden, der auch ohne die Verfolgung entstanden wäre, keine Entschädigung geleistet. Das widerspricht dem Grundsatz der Pauschalierung, Es ist allenfalls möglich, daß der für die Berechnung der Kapitalentschädigung nach § 75 aaO maßgebende Entschädigungszeitraum später beginnt oder früher endet, weil ohne die Verfolgung der Kläger zu Beginn des Bntschädigungszeitraums gleichfalls nicht hätte erwerbstätig sein können und somit die ausreichende Lebensgrundlage noch nicht weggefallen war oder der durch die Verfolgung verursachte Schaden von einem späteren Zeitpunkt an nicht mehr verfolgungsbedingt war» Daß das Gesotz diesen letzten Gesichtspunkt berücksichtigt wissen will, geht aus § 79 BEG hervor, wo es heißt, daß der Zeitraum, für den die Kapitalentschädigung geleistet wird, spätestens mit dem Zeitpunkt endet, in dem der Verfolgte nicht mehr arbeitsfähig ist»