BGH · IV ZR 59/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger hat wegen dieses Sachverhalts neben einem Entschädigungsanspruch wegen eines Ausbildungsschadens von 5o0öü DM einen Anspruch auf Entschädigung wegen eines Schadens im beruflichen Fortkommen in Höhe von 40,000 DM ange-moldeto Den Anspruch wegen des behaupteten Berufsschadens hat die Entschädigungsbehörde durch Bescheid vom 10, April 1957 mit der Begründung abgelehnt, daß der Anspruch im Bundesentschädigungsgesetz keine Stütze fände, da der Kläger noch nicht berufstätig gewesen sei. Der Kläger hat nunmehr Klage erhoben und vorgetragen, er habe eine tatsächliche und auch eine rechtliche Anwartschaft darauf gehabt, in das Bankhaus als Mitinhaber aufgenommen zu werden, es sei denn, daß etwa ausreichende in seiner Person gelegene Gründe gegen seine Aufnahme hätten geltend gemacht werden können. Ber Kläger hat selbst vorgetragen, er habe, als er im Jahre 1933 mit seinen Eltern zunächst in die Schweiz und dann nach England ausgewandert sei, die Absicht noch nicht aufgegeben, in die Firma I. Mit Hecht hat das Berufungsgericht auf Grund dieser tatsächlichen Vorgänge ausgeführt, durch die Liquidierung des Bankhauses Dreyfus im Jahre 1938 sei der Kläger nicht unmittelbar geschädigt, da sich die Verfolgung insoweit nur gegen die damaligen Inhaber dieser Firma gerichtet habe«, Durchschlagende rechtliche Bedenken gegen diese auf dem eigenen Sachvortrag des Klägers beruhenden rechtlichen Folgerungen vermag die Revision nicht vorzutragen«, Nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats setzt jeder Entschä-digungsanspruch auf Grund des Bundesentschädigungsgesetzes nicht nur voraus, daß einer der in dem zweiten Abschnitt des Gesetzes umschriebenen Schadenstatbestände verwirklicht ist, erforderlich ist grundsätzlich weiter, daß ein solcher Schadenstatbestand mit einer nationalsozialistischen Gewalt-maßnahine, die gegen den Geschädigten gerichtet worden ist, in ursächlichem Zusammenhang steht« Hiervon gibt es Ausnahmen; der Anspruch aus § 56 BEG, der hier in Frage steht, gehört nicht dazu« Dabei ist es, wie der Senat auch ausgesprochen hat, tatbestandserheblich, daß die den Schaden allein oder doch mitverursachende Gewaltmaßnahme, wie sie in § 2 BEG definiert ist, nach der erkennbaren Absicht des Verfolgers sich gegen den Geschädigten gerichtet hat (Li! Nur die Gesellschaft als solche und allenfalls deren Inhaber können daher aus diesen Vorgängen Entschädigungsansprüche nach den §§ 56 ff oder 64 ff BEG herleiten, nicht aber der Kläger, derdurch diese Ge-waltmaßnahmen, wenn überhaupt, nur mittelbar geschädigt sein kann. haben, die angeblich von den damaligen Teilhabern dafür bestimmt waren, den Kläger im Falle seines Eintritts als Teilhaber mit einer Stammeinlage auszurüsten» Schon aus diesem Grund beruht das Berufungsurteil nicht darauf, daß, wie die Revision meint, das Berufungsgericht unter Verletzung der ihm nach § 176 BEG obliegenden Aufklärungspflicht nicht der Frage nachgegangen sei, was aus den Einlagen im Bankhaus & Co» in geworden sei und ob sie zu dem entachädigungspflichtigen Vermögen des Klägers gehört hätten«, Zu welchem Vermögen sie auch immer gehört haben mögen, ihr Verlust kann nur auf der Liquidation beruhen, und aus einem solchen Schaden kann der Kläger aus den dargelegten Gründen keinen Entschädigungsanspruch nach § 56 BEG herleiteno Dem Berufungsgericht ist aber auch darin beizutreten, daß es im vorliegenden Fall an einer zu dem Vermögen des Klägers gehörenden "AnwartSchaft” fehlt, deren Verlust einen nach § 56 BEG zur Erlangung einer Entschädigung berechtigenden Tatbestand darstellt«, Daß es an einer Anwartschaft im Sinne eines bedingten Hechtes fehlt, hat das Berufungsgericht zutreffend schon aus tatsächlichen Gründen verneint, die der Nachprüfung im Revisionsrechtszug entzogen sind» Ein solches Recht könnte sich nur auf rechtsverbindliche Vereinbarungen stützen, die entweder mit dem Kläger selbst oder zu seinen Gunsten durch eine Abrede im Sinne des § 328 BGB getroffen worden wären» Daß solche bindenden Abreden nicht nachweisbar sind, hat das Berufungsurteil festgestellt„ Was die Revision dagegen vorbringt, liegt rechtlich neben der Sache und stützt sich zu dem Teil auch auf tatsächliches Vorbringen, das erst in diesem Rechtszug vorgetragen und nach § 561 ZPO nicht berücksichtigt werden kann. Das von dem Kläger behauptete Familienherkommen hat nicht den Charakter eines solchen Vertrages und Es liegt aber auch keine tatsächliche Anwartschaft vor, auf die der Kläger sich berufen könnte» Die mehr oder weniger begründete Aussicht, als Mitglied einer Familie, die ein gewerbliches Unternehmen betreibt, bei Erreichung eines bestimm ten Alters und unter sonstigen notwendigen Voraussetzungen Teilhaber des Unternehmens zu werden, ist keine Anwartschaft, deren verfolgungsbedingter Verlust einen Entschädigungsanspruch nach § 56 BEG auslösen könnte» Wie der Senat in dem Urteil vom 1. Oktober 1958 IV ZR 59/58 (IM BEG 1956 § 56 Nr- 10 = RzW 1959, 32 Nr» 35) ausgeführt hat, fallen darunter nur Güter und Chancen, die sich unter der heutigen Wirtschaftsordnung irgendwie als Gegenstände des Vermögensverkehrs auswerten lassen, und deshalb üblicherweise zu den Gegenständen des Wirtschaftsverkehrs gerechnet werden» Davon kann bei einer Anwartschaft, Teilhaber eines Familienunternehmens zu werden, keine Rede sein«. Diese Chance ist unzertrennlich mit der persönlichen Eigenschaft des Trägers als Familienmitglied verbunden, ihr wird daher im Wirtschafts verkehr auch keine 3edeutuiig beigemessen- Wenn die Revision meint, diese Aussicht könne im Wege der Erbfolge oder anders auf einen Abkömmling des "Anwartschaftsberechtigten" übergehen und sei deshalb übertragbar, so übersieht sie, daß die Chance eines solchen Abkömmlings, anstelle seines Vorgängers Teilhaber des Familienunternehmens zu werden, nicht darauf beruht, daß der bisherige Inhaber diese Chance besaß und aufgegeben hat, sondern nur darauf, daß der "Erwerber” ebenfalls zu dieser Familie gehört und in dieser Eigenschaft eine eigenständige Chance besitzt. Daß der Kläger den verlangten Betrag auch nicht als Schaden im beruflichen Fortkommen erhalten kann, hat das