BGH · IV ZR 56/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
steigenden Aufbesserung von 25?— RM monatlich in der Zeit von 1940 bis 1944 eine Schädigung ergeben,, die zwischen 27 und 62 $ betrage» Durch die im November 1944 erfolgte Einziehung zur Organisation lodt sei er aus seiner Erwerbstätig!:eit verdrängt worden» Entgegen den Eintragungen im Arbeitsbuch habe er seit dem November 1944 nicht mehr bei seiner früheren Arbeitgeberin gearbeitet» Er habe seitdem keine ausreichende Lebonsgrundlage wiedererlangt» Io In dem angefochtenen Urteil wird ausgeführt, daß die Voraussetzungen für einen Entschädigungsanspruch nicht gegeben seien, soweit der Kläger geltend mache, daß ihm aus rassischen Gründen Gehaltosteigerungen vorenthalton worden seiene Die dagegen von der Revision erhobenen Einwendungen sind unbegründet » Nach den Regelungen des Bundesontschädigungsgc-setzes wird wegen einer durch nationalsozialistische Gewaltmaßnohmen herbeigeführten Schädigung im beruflichen Fortkommen grundsätzlich nur Entschädigung gewährt, wenn sich die berufliche Stellung des Verfolgten gegenüber derjenigen, in der er sich vor der Verfolgung befand, verschlechtert hat» Dafür, daß^ ihm Verbesserungen seiner wirtschaftlichen Lage entgangen sind, die ihm ohne die Verfolgung zuteil geworden wä- ren, wird dagegen keine Entschädigung geleistet0 Berufliche Entwicklungsraöglichkeitcn werden, anders als nach dem Gesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige dos öffentlichen Dienstes, nur ausnahmsweise in gewissem Umfang berücksichtigt, insbesondere bei der Einstufung von Berufsanfangerno Der Ausschluß von Gehaltssteigerungen fällt nicht darunter (Senatsurteile RzW 1959, 401 45? Ein derartiger Sachverhalt läßt sich dem in § 87 Abs, 2 BEG- geregelten Tatbestand, dem er im wesentlichen entspricht, zwanglos einordnon, Dagegen würden die vom Gesotz gezogenen Grenzen überschritten, wenn ein Entschädigungsanspruch wegen des Entgang cs von Bezügen zuerkannt würde, die der Verfolgte ohne die Verfolgung erhalten hätte, ohne daß aber eine Minderung der Bezüge gegenüber der Zeit vor der Verfolgung eingetreten isto Auch wenn die Arbeitgeberin des Klagers zu Gehaltsaufbesserungen verpflichtet war, etwa auf Grund des Verbotes, einzelne Arbeitnehmer willkürlich schlechter zu behandeln als die anderen, und wenn man mit der Revision annehmen wollte, der Ausschluß von den Gehaltsaufbesserungen sei einer Kündigung des Arbeitsvertrags und dem Abschluß eines neuen, mit einem Verzicht auf eine solche Verpflichtung der Arbeitgeberin verbundenen gloichzu-setsen, wäre das Ergebnis kein anderes, Es würde sich auch dann nicht um eine Entlassung, sondern um eine Versetzung in eine andere, aber nicht geringer als die' bisherige entlohnte Beschäftigung handelno Der Wegfall der Verpflichtung zu den Gehaltsez1-höhungon müßte bei eiher derartigen Sachlage ebenfalls unberücksichtigt bleiben« Dem Urteil des Senats, das RzW 1965, 175 Kr, 23 veröffentlicht ist, ist nichts Gegenteiliges zu entnehmen, Dort ist ausgeführt, daß der Zeitpunkt)- von dem an der Verfolgte von Gehaltsstoigerungen ausgeschlossen blieb, der für die Einstufung in eine vergleichbare Beamtengruppe maßgebende Zeitpunkt des Beginns der Verfolgung im Sinne des § 76 Abo» 1 Satz 4 BEG sein kann* Damit ist nicht gesagt, daß wegen des Ausschlusses von den Gehaltsstci-gerungen eine Entschädigung geleistet wirdo 2. Das Berufungsgericht hat auch einen Entschädigungsanspruch des Klägers verneint, soweit dieser ihn darauf gestützt hat, daß er seine Anstellung bei der DfllUBTtdHHB-AG- durch die Einziehung zur Organisation Todt verloren habe* Dabei hat das Berufungsgericht unterstellt, daß es sich bei dieser Einziehung um eine nationalsozialistische Gewalt-naßhnahme handelte* Der Kläger habe vom 9» November 1944 bis Ende Februar 1945, also knapp vier Monate, Zwangsarbeit leisten müssen« Im Jahre 1944 habe sich sein Einkommen gegenüber dem in den vorhergehenden Jahren nur um den Betrag eines Monatseinkommens von 280,— RS vermindert« Auch im Jahre 1945 habe er Einkünfte aus Erwerbstätigkeit gehabte SGinem Arbeitsbuch sei ferner zu entnehmen^^ß er seit dem 1 „ März 1945 wieder bei seiner früheren Arbeitgeberin als Buchhalter tätig gewesen sei, und daß sich das Arbeitsverhältnis über den Zusammenbruch im Mai 1945 hinaus fortgesetzt habe« Ausweislich der Unterlagen der Bundesversicherungsan-stalt für Angestellte habe seine Arbeitgeberin bis zu dem Mai 1945 für den Kläger wie für alle anderen Arbeitnehmer durchgehend Versicherungsbeiträge entrichteto Auch dadurch, daß das Unternehmen, wie der Kläger behaupte, im Frühjahr und Sommer 1945 keine Arbeit mehr für ihn gehabt und ihn nur noch buchmäßig als Angestellten geführt habe, würden die Voraussetzungen des § 64 BEG nicht erfüllt« Die von der Revision erhobene Rüge, daß das Berufungsgericht den Entschädigungsanspruch des Klägers wegen einer durch die Einziehung zur Organisation Todt erlittenen beruflichen Beeinträchtigung ohne erschöpfende Aufklärung des Sachverhalts verneint habe, ist begründet» In dem Urteil des Senats, das EzW 1966, 81 Ur0 21 veröffentlicht ist, ist eingehend ''dargelegt , daß die Einberufung eines Verfolgten zur Organisation lodt die Auflösung seines Arbeitsverhältnisoes nicht bewirkt zu haben braucht, daß sie sie aber bewirkt haben kann» Das Berufungsgericht hat darüber, ob das Arbeitsverhältnis des Klägers mit seiner Arbeitgeberin durch die Einberufung aufgelöst wurde oder fortbestand, nichts festge-■ stellt. und nach der Rückkehr des Klägers wegen einer durch die Verfolgung bewirkten Arbeitsunfähigkeit praktisch aufgelöst wurde, so; könnte das als ein vcrfolgungs-bedingtes vorzeitiges Ausscheiden aus dem privaten Dienst zu bewerten sein» In dem mehrfach angeführten Urteil hat der Senat ausgeführt, daß ein Anspruch v/egen Berufoschadcns bestehen kann, wenn der '**/■ Der Entochädigungczeitraum würde mit dem Zeitpunkt enden, für den mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feotsteht, daß der Kläger infolge der allgemeinen Verhältnisse auch ohne die Verfolgung endgültig aus dem Dienst bei seiner Arbeitgeberin ausgeschioden wäre oder von ihr keinen lohn mehr erhalten hätte (§ 9 Abs» 5 BEG)» Wenn sich eine solche Peststellung nicht treffen ließe, wäre die Vorschrift des § 75 Abs» 1 Satz 2 Halbsatz 2 in Verbindung mit § 92 Abs» 1 BEG anwendbar, nach der bei einem Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt dos Verfolgten im Geltungsbereich des Bundescntschädigungoge-setzes grundsätzlich ohne weitere Ermittlungen von einer Portdauer des Entschädigungszeitraums bis zu dem 31o Dezember 1946 auszugehen ist (Urteil dos Senats RzW I960, 517 Hr» 29) o Zugunsten des Klägers greift auch die Vorschrift des § 64 Abs» 2 BEG ein, nach der vermutet wird, daß eine berufliche Benachteiligung, die der Verfolgte in der Zeit vom 50» Januar 1933 bis zu dem 8» Mai 1945 erlitten hat und die als solche erwiesen sein muß, durch nationalsozialistische Gcvitma^na^mciv verursacht worden Erst v/enn die Art und der Umfang des Schadens im berufliehen Portkommen, den der Kläger durch die Einberufung zur Organisation Todt und deren Auswirkungen erlitten hat, geklärt ist, kann abschließend feotgeotellt werden, ob die berufliche Schädigung mehr als geringfügig ist. Bas Berufungsgericht wird, wenn es eine Verfolgung dos Klägers aus rassischen Gründen durch die Einziehung zur Organisation Todt als erwiesen ansieht, versuchen müssen, von der im Sowjetsektpr von Berlin wohnenden Zeugin Kuohn eine Aussage über die für die Entscheidung erheblichen Tatsachen für die die Zeugin vom Kläger benannt ist, zu erhalten, Der Senat verkennt nicht die Schwierigkei-