BGH · IV ZR 55/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Johannsen* Maaß und Dr<> Graf für Recht erkannts Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 9o Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgeriehts zu Hamburg vom 21» August *963 wird zurückgewieseno Die Klägerin hat die außergerichtlichen Kosten der Revision zu tragen«* Das Revisionsverfahren ist-frei von gerichtlichen Gebühren und Auslagen Von Rechts wegen Die am *889 geborene Klägerin, die jüdischer Abstammung ist, war bis zu ihrer Eheschließung im Jahre 1923 als praktische Ärztin in tätig» Da ihr Ehemann in guten Einkommensverhältnissen lebte« gab sie ihre Praxis auf und betätigte sich als Ärztin nur noch bei verschiedenen sozialen Organisationen* vor allem bei dem Israelitischen Humanitären Frauenverein OoVo in Altona und bei der Deutschen Vereinigung für Säuglings«* und Kleinkinderschutz* Landeszentrale Hamburg« Von der Deutschen Vereinigung für Säuglings - und Klein kinderschutz eihielt sie einen Betrag von jährlich 600 RM«, der nach Ai-gabe der Klägerin die Vergütung für eine oder zwei Beratungsstunden pro Woche darsteilte. Zur Begründung hat sie ausgeführt;» sie habe zwar ihren ärztlichen Beruf wegen der guten wirtschafblichen Verhältnisse ihres Ehemannes nur gegen ein nominelles Gehalt von 600 RM jährlich ausgeübtj unter veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen hätte sie jedoch gegen volles Gehalt als Ärztin gearbeitet* Durch die Judenverfolgung sei ihr die Möglichkeit zur Ausübung ihres Berufs genommen worden* Das Berufungsgericht ist davon ausgegangen;, daß die Klägerin auch nach ihrer im Jahre 1923 erfolgten Eheschließung noch einen großen Teil ihrer Zeit und ihrer Arbeitskraft ihrer ärztlichen Tätigkeit gewidmet«, diese Tätigkeit jedoch zu dem weitaus größten Teil aus ideellen Beweggründen unentgeltlich ausgeübt habe«. Dadurch,, daß sie durch die Verfolgung gehindert wurde,, diese Tätigkeit fortzusetzen, ist deshalb die Klägerin, wie die Vorinstanzen zutreffend angenommen haben, nicht in der Nutzung ihrer Arbeitskraft geschädigt worden» Allenfalls könnte nur von einer geringfügigen,, nach § 64 Abs0 1 Satz * BEG nicht entschädigunga-fähigenBenachteiligung gesprochen werden (vgl» Urto dec Senats RzW *960, 388 >» Na^h dieser Bestimmung hat der arbeitslose Verfolgte u»a» dann Anspruch auf Entschädigung* wenn er infolge seiner verfolgungsbedingten Auswanderung keinen Arbeitsplatz erlangt hat» Die Klägerin meint* diese Bestimmung treffe deshalb auf sie zu, weil sie, nachdem ihr Ehemann aus seiner Brwerbstätigkeit verdrängt worden sei, ihren Beruf als Ärztin wieder gegen höheres bezw, übliches Entgelt ausgeübt haben würde, wenn sie als Jüdin daran nicht gehindert, insbesondere die Verwirklichung eines solchen Vorhabens nicht durch ihre verfolgungsbedingto Auswanderung unmöglich gemacht worden wäre© 86 Nr© 3* veröffentlichten Entscheidung hat der Senat in Übereinstimmung mit van Daim-Loos BEGr § 88 Anm© 6 ausgesprochen, daß § 88 Nr«, 4 BEGr nur anwendbar sei, wenn die Arbeitslosigkeit des Verfolgten nicht auf Verfolgungsgründen beruhe© Ob dieser Grundsatz, auf den auch das OLG die Nichtanwendung des § 88 Nr© 4 BEG im vorliegenden Pall gestützt hat, ausnahmslos- gilt, kann dahinstühen© Voraussetzung für die Anwendung dieser Best immung ist in jedem Palle, daß der Verfolgte, bevor er arbeitslos wurde, im Erwerbsleben gestanden., dann aber An dieser Voraussetzung fehlt es im vorliegenden Palle bei der Klägerin* Sie war bereits -und zwar nicht nur vorübergehend^ mit ihrer Verheiratung praktisch aus dem Erwerbsleben ausgeschieden» Die ärztliche Tätigkeit die sie danach noch ausübte, war nicht auf Erwerb gerichtet* sondern stellte einen uneigennützigen Dienst im Böhmen einer gemeinnützigen Gesundheitsfürsorge dar. wird, wie das Berufungsgericht zutreffend hervorhebt, besonders deutlich, wenn man berücksichtigt* daß die Klägerin infolge ihrer Inanspruchnahme durch diese Tätigkeit gehindert war, sich in nennenswertem Umfang daneben auch noch einer Mitarbeit in dem Hauhalt ihrer Familie zu widmen*, so daß die ärztliche Tätigkeit ihr auch unter Berücksichtigung des geringen Honorars* das sie für die von ihr abgehaltenen Beratungsstunden erhielt, im Ergebnis keinerlei wirtschaftlichen Vorteil einbrachte. Aus demselben Grunde kann auch nicht davon gesprochen werden* daß die Klägerin im Sinne des § 66 ^bs, ' BEG durch die Verfolgung aus einer selbständigen Erwerbs-tätigkeit verdrängt worden sei* Sie hotte eine solche Tätigkeit jedenfalls schon seit ihrer Verheiratung nicht mehr ausgeübt* Zwar kann nach der HzW 196% 553 Nr. 19 veröffentlichten Entscheidung des Senats ein Verfolgter^