BGH · IV ZR 47/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
;h Street, Klägerin und Revisionsbeklagte, Rechtsanwalt Dr.flHHIiHBin hat der IV» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 23• Oktober 1959 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Johannsen, Pr» V» Werner, Maaß und Pr«. Auf die Revision des beklagten Bandes wird das Urteil des 2» Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main vom 14» November 1958 aufgehoben» Pie Berufung der Klägerin gegen das Urteil der 3» Ent-schädigungskammer des Landgerichts in Wiesbaden vom 19» März 1957 wird zurückgewiesen» Die Klägerin hat Entschädigungsansprüche wegen Eigentums- und vermÖgensschadens geltend gemacht« Die Entschädigungsbehörde hat diese Ansprüche abgelehnt« Auf die Klage hat das Landgericht das beklagte Land verurteilt, der Klägerin 600,- DM zu zahlen« Gegen dieses Urteil hat die Klägerin Berufung eingelegt und beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an sie, über den zuerkannten Betrag hinaus, weitere 11«55o,- DM zu zahlen« Das Berufungsgericht hat das beklagte Land verurteilt, an die Klägerin weitere 8.418,53 DM zu zahlen« Wie der Senat in ständiger Rechtsprechung angenommen hat, sind Sachen im Sinne des § 51 Abs.3 BEG nicht schon dann «im Stich gelassen«, wenn der Verfolgte sie bei seiner Auswanderung in Deutschland hat zurücklassen müssen. Ein «Imstichlassen« setzt vielmehr voraus, daß die Sachen im Inland ohne eine die Interessen des Verfolgten wahrende Aufsicht geblieben sind,so daß sie dem Zugriff dritter Personen schutzlos preisgegeben waren (Urteile vom Io, November 1956 - IV ZR 152/56 -, nicht veröffentlicht, und vom 25« Juni 1958 - IV ZR 16/58 -, RzW 58, 4o3 Nr. 23)- Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat die Klägerin ihr Eigentum einem Auktionator zur Versteigerung übergeben. 20 Die Klägerin kann auch keinen “Verschleuderungssehaden11 geltend machen« Ein solcher Anspruch kann nach der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 17* April 1957 - IV 2R 239/56 RzW 57, 281 Nr« 28) erhoben werden, wenn der Verfolgte aus VerfolgungsgrUnden genötigt war, sein Eigentum weit unter dem Wert im Wege der öffentlichen Versteigerung an unbekannte, nicht feststellbare Personen zu veräußern* Hierfür ergibt der festgestellte Sachverhalt nichts{.insbesondere ist nicht feststellbar, daß die Sachen zu einem nicht gerechtfertigten Preis versteigert worden wären* Daß die Klägerin für einen kleinen Teil ihres Eigentums nur 160,- RM erhalten hat, reicht für die Annahme einer ,,Ver3chleuderung,,nicht aus* Über das Schicksal des Eigentums der Klägerin konnten keine Feststellungen getroffen werden; insbesondere ist ungewiß, ob es durch Bombenschaden oder dadurch verloren gegangen ist, daß das Deutsche Reich oder ein dritter Erwerber sich die Eigentümer Stellung an den Gegenständen angemaßt hat« Wenn auch das Bundesentschädigungsgesetz von dem Amtsermittlungsgrundsatz beherrscht wird, so bleibt es doch grundsätzlich bei der allgemeinen Regelung, daß, wenn ein anspruchsbegründender Tatbestand nicht festgestellt werden kann, der Entschädigungsanspruch nicht besteht.