BGH · IV ZR 46/63 vom 05.02.1964
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Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 3» Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Düsseldorf vom 20o Februar 1963 aufgehobene Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Bie Revision ist begründete Io Bas Berufungsgericht hat die Klage als innerhalb der ZweiJahresfrist des § 1594 BGB erhoben angesehen, weil nicht festgostellt werden könne, daß der Kläger von der behaupteten frappierenden Ähnlichkeit der Beklagten mit dem Begleiter seiner Frau schon, vor dem Jahre 1961 Kenntnis erhalten habe« Es hat Jedoch die Klage mit folgenden Das Reichsgericht habe zwar, ausgehend von den Vorschriften der §§ 640 Abs.1, 622 Abs. 1 ZPO a.Po, diesen Grundsatz dahin eingeschränkt, daß in .Kindschaftssachen ein Antrag auf Einholung eines Blutgruppengutachtens und eines erbkundlichen Gutachtens nicht mit der Begründung abgelehnt werden dürfe, es handle sich um einen unzulässigen Ausforschungsbeweis,, Seit der Neufassung der §§ 640, 641 ZPO durch Art. III Nr. 2 des • Familienrechtsänderungsgesetzes vom 11. Denn auch nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts müsse in einem Anfechtungsrechtsstreit ein Blutgruppengutachten nicht eingeholt'werden, wenn nichts für einen Geschlechtsverkehr der Mutter des beklagten Kindes mit einem anderen Mann während der gesetzlichen Empfängniszeit spreche; ein erblcundliches Gutachten sei nur dann einzuholen, wenn ein gewisser Anhalt für einen solchen Verkehr vorhanden sei» Auch bei Anwendung dieser Grundsätze sei die Ablehnung der Anträge auf Einholung der Gutachten gerechtfertigt» Für einen Verkehr der Mutter der Beklagten mit einem anderen Mann während der gesetzlichen Empfängniszeit spreche nach dem Vortrag des Klägers nichts» Der Kläger könne den Kamen dieses Hannes nicht angeben» Er könne lediglich die behauptete frappierende Ähnlichkeit der Beklagten mit einem bestimmten Mann, den er im Jahre 1961 in Begleitung seiner Frau gesehen habe, anführen» Gegenüber diesem dürftigen Tatsachenvoi trag sei zu berücksichtigen, daß der Kläger und die Mutter der Beklagten ..währ end der ganzen gesetzlichen Empfängnis zeit, die in das Jahr 1954 falle, als Eheleute zusammengelebt hätten und daß der Kläger die Mutter der Beklagten mit dem anderen Mann erst im Jahre 1961 zusammen gesehen haben wolle» Die vom Kläger behaupteten Tatsachen böten daher keinen Anhalt für einen Mehrverkehr der Mutter der Beklagten, während der gesetzlichen Empfängniszeit» Auch habe der Kläger im Scheidungsrechtsstreit vier Männer, deren Kamen er angeblich anhand der polizeilichen Kennzeichen ihrer Kraftwagen fest-gestellt habe, dafür benannt, daß seine Ehefrau, die Mutter der Beklagten, mit ihnen ehewidrige oder ehebrecherische Beziehungen unterhalten habe» Diese vier Zeugen hätten solche Beziehungen in Abrede gestellt und bekundetsie hätten die Mutter der Beklagten überhaupt nicht gekannt» Diese selbst Kläger nach seinen Angaben an dessen Wohnungstür vom ' Namensschild abgeleson» Dieses Verhalten des Klägers habe im Scheidungsrechtsstreit den Verdacht erregt, der Kläger könne an krankhafter Eifersucht leiden» Angesichts dieser besonderen Umstände und mit Rücksicht darauf, daß der jetzt erkennende Senat die Angaben der Hutter der Beklagten im Scheidungsrechtsstreit als durchaus glaubwürdig angesehen habe, liege auch jetzt nicht der geringste Anhalt für einen Mehrverkehr der Mutter der Beklagten während der’ gesetzlichen Empfängnisse it vor., Deshalb sei kein Raum für die Einholung eines Blutgruppengutachtens oder eines erbkundlichen Gutachtens» Auch bestehe kein Anlaß, die Mutter der Beklagten zu der Behauptung des Klägers, sie.habe während der gesetzlichen Empfängniszeit noch mit einem anderen Mann Geschlechtsverkehr gehabt, zu vernehmen» a) Mit Erfolg rügt zunächst die Revision die Ablehnung des Antrags des Klägers auf Vernehmung der Mutter der Beklagten als Zeugin» Diese sollte eidlich darüber vernommen worden, daß sie in der Empfängniszeit mit einem anderen Mann,'der der Beklagten frappierend ähnlich sehe und mit dem sie, die Zeugin, oft vom Kläger gesehen worden sei, Geschlechtsverkehr gehabt habe» Diesem Beweisantrag kann die nach § 373 2P0 erforderliche Bestimmtheit nicht deshalb abgesprochen werden;, weil der Kläger nicht imstande v;ar, den Hamen des fremden Mannes anzugeben» Den somit ausreichend bestimmten Beweisantrag durfte das Berufungsgericht nicht mit der Begründung ablehnen, die Mutter der Beklagten habe im Scheidungsrechtsstreit vor demselben Senat als Partei glaubwürdig und zu dem Teil unter Eid ehewidrige und ehebrecherische Beziehungen in Abrede gestellt» Hierin sieht die Revision mit Recht eine Verletzung des § 286 ZPO» Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (BGIIZ 7, 116), auf die sich die Revision beruft, können zwar Niederschriften über Zeugenaussagen, die in einem anderen Verfahren gemacht sind, als Urkunden zu dem Beweis tatsächliche! Die vom Berufungsgericht erörterte, jedoch nicht abschließend entschiedene Frage« ob im Hinblick auf das für Ehelichkeitsanfechtungsklagen nunmehr geltende Verfahrensrecht ein Antrag auf Einholung eines Blutgruppengutachtens oder eines erbkundlichen Gutachtens mit der Begründung abgelehnt werden darf, es handle sich um einen unzulässigen.Ausforschungsbeweis, ist zu verneinen» Der erkennende Senat hat bereits in dem zu dem Abdruck in der Amtlichen Sammlung.vorgesehenen Urteil vom 13« November 1963 - IV ZR 65/63 in dem über eine Klage auf Feststellung des Nichtbestehens der unehelichen Vaterschaft zu entscheiden war, ausgesprochen, daß die Voraussetzungen, unter denen ein Antrag auf Einholung eines erbkundlichen Gutachtens abgelehnt werden kann, keine anderen als diejenigen sind, die für die Ablehnung von Beweisanträgen überhaupt geltend.- In dieser Entscheidung ist weiter dargelegt, daß die Erholung eines solchen Gutachtens - das hier von dem einen Geschlechtsverkehr mit d er Kindesmutter während der Empfängniszeit bestreitenden Kläger beantragt worden war - nicht mit der Begründung abgelehnt werden kann, es handle sich dabei um ein Ausforschungsmittel« An dieser Auffassung, die auch für die Einholung eines Blutgruppengutachtens zutrifft, ist festsuhaltcn« Eine unzulässige Ausforschung liegt nach der tReehtisprechung des Reichsgerichts (HRR 1928, I94O und 1940, 619) dann,vor,wenn durch die er- ' betene Beweisaufnahme erst die Grundlage für neue Behauptungen gewonnen v/erden solle Diese Voraussetzung ist nicht gegeben, wenn, wie hier, der beweispflichtige Kläger behauptet, der Mutter d03 beklagten Kindes habe während der Empfängniszeit auch ein fremder Mann beigewohnt, dem das beklagte Kind ähnlich 3ehe, während es mit ihm, dem Kläger, nicht die geringste Ähnlichkeit aufweisc, und wenn er den Nachweis dieser für den Ausschluß seiner Vaterschaft sprechenden Tatsachen durch die Einholung eines Blutgruppengutachtens und eines erbkundlichen Gutachtens führen willoEin solcher Beweisantrag, der auf die Ein- ‘ nähme eines Augenscheins (§ 371 ZPO) durch einen Sachverständigen und auf.die Erstattung von Sachverständigengutachten (§ 403 ZPO) gerichtet ist,ventbehrt nicht der erforderlichen Bestimmtheit. 10 OLG Karlsruhe, ZS Freiburg in NJW 1962, 13o5 Nr» 9 mit weiteren Nachweisen) und im Schrifttum (Rosenberg, Lehrbuch dos deutschen Zivilprozeßrechta, 9° Aufl» § 115 I 3d So 562) auch dann als unzulässiges Ausforschungo-mittel angesehen, wenn ihm eine jeder tatsächlichen Grundlage entbehrende, aus der Luft gegriffene Prozeßbehauptung zugrundeliegt, der Beweisführer al30 haltlose Behauptungen aufs Geratewohl aufsteilt» Bei der Ablehnung eines Beweisantrags mit dieser Begründung ist jedoch größte Zurückhaltung gebotene Lies gilt namentlich in Kindschaftssacheno Lie in diesem Verfahren in erster Linie beweiserhebliche Tatsache eines Mehrverkehrs während der Bmpfängniszeit ist zwar der Kindesmutter aus eigenem Wissen bekannt, nicht dagegen in aller Regel dem Klägor0 Liesem wird daher der Glaube an die Richtigkeit seiner Behauptungen nur schwer abgesprochen werden können« Eine solche Wertung des prozessualen Verhaltens eines Klägers wird nicht schon durch den Umstand getragen, daß, wie hier,seine diesbezüglichen Behauptungen im Scheidungsrechtsstreit unbewiesen geblieben sind, und daß der Verdacht, er leide an krankhafter Eifersucht, besteht» Gutachten zun Ausdruck« Das Reichsgericht hat zwischen beiden Arten von Gutachten unterschieden« Die Anordnung der Blutuntersuchung hat es bei einer Ehelichkeitsanfechtungsklage dann nicht als erforderlich bezeichnet, .wenn die Eheleute während der Empfängnissen zu-.sammengelebt und regelmäßig Geschlechtsverkehr gehabt haben und nichts für einen Mehrverkehr der Ehefrau spricht« In einem solchen Palle kann nach der Auffassung des Reichsgerichts die eidliche Bekundung der krau, nur .mit dem Ehemann geschlechtlich verkehrt zu haben, den Gedanken an einen Mehrverkehr als so abwegig erscheinen lassen, daß es keinerlei weiterer Beweiserhebung bedarf (RGZ 1,69, 282)« Dagegen hat das Reichsgericht bei verneinenden Abstammungsklagen die Vornahme einer Blut~ gruppenuntersuchung'.als geboten bezeichnet, während es bei Abstammungsklagen wie auch bei Ehelichkeitsanfeebtungs-klagen die Einholung eines erbkundlichen Gutachtens nur dann gef ordert .■ hat, wenn gewisse Anhaltspunkte für einen Mehrverkehr der Kindesmutter bestanden (RGZ aaO; ferner 168, 385-und 169, 223? Der erkennende Senat hat im Urteil LMilr» 2 zu § 1595 a BGB die Erholung eines Ähnlichkeitogutachtens in einem Ehelichkeitsanfechtüngsrechtsstreit dann nicht für geboten erachtet, wenn der Tatrichter die Behauptung des Klägers,die Kindesmutter habe in der gesetzlichen Empfängniszeit mit ihrem Ehemann nicht geschlechtlich verkehrt, auf Grund des-Barteivorbringens und auf Grund von Zeugenaussagen für bewiesen hält. In diesem Urteil ist auf das Senatsurteil IM Nr» 2 zu § 1591 BGB verwiesen» Dort hat der Senat ausgesprochen, daß der Tatrichter in einem Rechtsstreit um die blutsmäßige Abstammung eines Kindes eine Ähnlichkeit suntersuchung nur dann vornehmen lassen muß,'wenn alle zur Verfügung stehenden sonstigen Beweismittel (Zeugenbeweis, Blutgruppenuntersuchung) erschöpft sind und noch nicht zu einer völlig einwandfreien Feststellung geführt haben, von der Einholung des'■ Ähnlichkeito-gutachtens aber eine weitere Klärung des Sachverhalts erwartet werden kann» Bei Anwendung dieser Grundsätze ist-folgendes zu beachten: In denjenigen Fällen, in denen der Kläger den fremden Mann, der nach seiner Darstellung innerhalb der Empfängniszeit der Mutter des beklagten Kindes beigewohnt hat, nicht ausfindig und folglich nicht namhaft machen konnte, hängt die Überzeugung des Gerichts, daß kein Mehrverkehr 3tattgefunden hat, in aller Regel ausschließlich von der Glaubwürdigkeit der Aussage der in Widerspruch zu dem Vorbringen dos Klägers einen Mehrverkehr verneinenden Mutter des beklagten Kindes ab» Greift aber der Kläger die Glaubwürdigkeit der Zeugin an und macht er geltend, diese Glaubwürdigkeit werde durch das Ergebäs des von ihm beantragten erbkundlichen Gutachtens erschüttert, so kann schwerlich gesagt werden, daß ein solcher Beweisantrag unerheblich sei» Denn nach der Rechtsprechung dos Bundesgerichtshofs (BüHSt-t 5,34) kann auch in Einmann-Fällen Hier kommt noch hinzu, daß der Kläger ausdrücklich seine Unähnlichkeit mit dem beklagten Kind, neben dessen Ähnlichkeit mit einem fremden Mann, unter Beweis,gestellt hat« Es ist bedenklich, diese Frage schon mit Rücksicht auf die Aussage der Kindesmutter als geklärt anzusehen» Allerdings mag es Fälle geben,, in denen sich eine.solche Ähnlichkeitsuntersuehung gleichwohl erübrigt« Zu denken ist zu dem Beispiel an den Fall, daß der Kläger und das beklagte Kind ein gemeinsames, besonders auffallendes Körpermerkmal, daü sich nicht bei der Mutter findet, aufweisen oder daß sich sonstwie, namentlich bei einem schon etwas älteren Kind, starke Ähnlichkeiten zwischen diesem und dem Kläger zeigen« Grundsätzlich aber geht es zu demindest in den Fällen, in denen sich der Kläger auf eine starke Unähnlichkeit des Kindes mit ihm beruft, nicht an, bereits durch die als glaubwürdig orachtote Aussage der Kindesmutter dio Frage der Vaterschaft des Klägers als geklärt anzusehen und demgemäß den Antrag auf Einholung eines.erdkundlichen Gutachtens, durch dessen Ergebnis die Glaubwürdig- • ko it der Kindesmut.tcr erschüttert und der Kläger als Vator ausgeschlossen werden kann, abzulehnen« ' Hier kommt noch hinzu, daß, v/ie unter a) dargolegt, cs an.einer Zeugenvernehmung der Kindesmutter in diesem Verfahren fehlte Deshalb ist die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe zu Unrecht die Einholung eines Blutgruppengutachtens und eines erdkundlichen Gutachtens abgelehnt, begründeto