BGH · IV ZR 41/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
oh ein Verfolgter durch seine Erwerbstätigkeit nachhaltig eine ausreichende Lebens-grandläge erlangt hat, ist von den Entschädigungsgerichten nach § 287 Z1Ö in Verbindung mit § 2o9 AbSc 1 BED zu tteffen» Die Auswirkungen?_die die sich aus der politischen und wirtschaftlichen Lage ergebenden allgemeinen Konjunkturschwankungen auf die Höhe der von dem Verfolgten erziel ten Einkünfte haben? ' In der-mündliehen Verhandlung vor dem Revisionsge-richtj zu der die Parteien unter Hinweis auf die nach § 2b9 AbSo 3 BEG eintretenden Polgen einer Säumnis rechtzeitig geladen worden sind? ist für das beklagte Land niemand erschienen«, Nach dieser Vorschrift ist deshalb auf die einseitige Verhandlung des Klägers entschieden worden,-. Io Das Berufungsgericht hat den Kläger, um die Feststellung treffen zu können, ob imä wann er aus seiner in dem Zufluchtsland aufgenommenen Erwerbstätigkeit eine ausreichende Lebensgrundlage erlangt hat, in Anwendung von § 12 Aböc 1 Satz 2 3o DV-BEG in die vergleichbare Beamtengruppe des höheren Dienstes eingestuft o Es ist zu dem Ergebnis gekommen, daß der Kläger, wenn sein Einkommen nach § 12 Abs« 3 3° DV-BEG entsprechend seinen eigenen Angaben in Reichsmark oder Deutsche Mark umgerechnet werde, vom 1; April 1-941 an }3 Jahre lang Einkünfte gehabt habe, die diejenigen eines vergleichbaren höheren Beamten einschließlich des Alters- und Hinterbliebenenzuschlags überstiegen hätten* In dem davor liegenden Jahr habe das Einkommen nur* um rund 5oo RM unter dem Vergleichseinkommen gelegene Es sei jedenfalls für 6 Jahre eine anhaltende Festigkeit der gewerblichen Einkünfte des Klägers an der Grenze des höheren Beamteneinkommens und darüber festzusteilen* Die Nachhaltigkeit der Erträge des Geschäfts, des Klägers habe damals nicht verneint werden können, auch falls die vom Kläger behaupteten Einflüsse der Kriegskonjunktur in Rechnung gestellt worden wären.* 2o Die Annahme, daß der Kläger spätestens am 1® April 1941 aus seiner ErwerbStätigkeit eine ausreichende Lebens gr und läge im Sinne des § 75 Abs, 2 BEG gehabt habe., ist rechtlich' unangreifbar® a) Nicht, zu beanstanden ist es im Hinblick auf die berufliche Befähigung des Klägers, daß das Berufungsgericht ihn für die Entscheidung, ob und wann er eine ausreichende Lebensgrundlage erreicht hat, in die vergleichbare Beamtengruppe des höheren Dienstes eingereih hat,, b) Es trifft ferner z.u-, daß der Kläger, wenn er das Vergleichseinkommen nachhaltig erreicht hat, eine aus- ■ reichende Lebensgrundläge im Sinne des Gesetzes hat« Darauf, ob ihm die darüber hinausgehenden besonders hohen Einkünfte, wie er sie vor der Verfolgung erzielte o wieder zugefiossen sind, kommt es nicht an (Beschluß des Senats vom 25 o März 1959 - IV ZB 28/59 -'RzW 1959 279)o c) Es ist auch nichts dagegen zu erinnern, daß die Umrechnung, des in der Währung von■Palästina oder Israel’ erzielten Einkommens in Reichsmark oder Deutsche Mark jeweils nach dem Mittelwert der Verbrauchergeldparität:, wie er sich aus der von dem Statistischen Bundesamt herausgegebenen Tabelle, ergibt, erfolgt ist® Bei der Umrechnung der Einkünfte des Klägers nach dem amtlichen Devisenkurs ist gegenüber der Umrechnung nach der Kaufkraft für die gesamten in Betracht kommenden Jahre eine Abweichung von mindestens Io $ zu Ungunsten des Klägers ohne weiteres ersichtlich (§ 12 AbSo 3 3/DV-BEG)« Die aus diesem Grunde erforderliche Berücksichtigung der Kaufkraft konnte so, wie es geschehen ist, erfolgen®. ob der Kläger zu diesem Zeitpunkt mit einer gewissen Sicherheit nach objektiven Maßstäben und nach der Lebenserfahrung auch in der Zukunft mit einer Fortdauer der dafür notwendigen Einnahmen rechnen konnte* Das wäre trotz verhältnismäßig hoher Einkünfte zu verneinen? seiner Existenz die Grundlage zu geben und ob mit einem Absinken der allgemeinen Konjunktur und aus diesem Grunde mit einem Rückgang der Einnahmen zu rechnen is ln Rer Vorschrift .des § 75 Abs* 1, 2 BEG liegt der Gedanke zugrunde, daß der Verfolgte, der sich in das allgemeine Erwerbsund Wirtschaftsleben wieder so eingegliedert hat, wie es seiner Vorbildung entspricht., und der daraus die dementsprechenden Einkünfte :bezieht., die erlittene Beeinträchtigung in der Nutzung seiner Arbeitskraft im wesentlichen überwunden hat«, 1st diese Eingliederung erfolgt, so muß er ebenso wie die anderen Bewohner seiner neuen Heimat die Schwankungen der Konjunktur auf sich nehmen«, Abgesehen davon würden die .Entschädigungsorgane vor eine außerordentlich ! Ras bedeutet nicht, daß auch bei der Erzielung eines offenbar überhöhten Einkommens, das auf ersichtlich außergewöhnlichen und vorübergehenden allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen beruht, die Erreichung einer nachhaltigen Lebensgrundläge angenommen werden müßte 0 So liegt es hier nach dem feststehenden Sachverhalt jedoch nichto Rer Kläger hat- eine Reihe,von Jahren hindurch verhältnismäßig gleichbleibende:, freilich zeitweise niedrigere Einnahmen gehabt* Es ist dem Tatrichter nicht verwehrt, aus der Entwicklung der Einkommensverhältnisse, wie sie sich ergeben hat, gewisse Rückschlüsse dahin zu ziehen, daß in dem vorhergehenden entscheidenden. und damit die Höhe des Entschädigungsanspruchs zu dem Gegenstand hat«, nach § 287 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit § 2o9 Abs. 1 BSG zu treffen. Sie weist darauf hin, daß das Berufungsgericht angenommen habe* die guten Einkünfte in der Kriegszeit könnten nicht überr wiegend^der besonders.guten Kriegskonjunktur zu verdanken sein«, weil sonst das erneute Ansteigen der Einkünfte nach dem Rückgang in den ersten Nachkriegsjähren nicht zu erklären sei? und sie bezeichnet diese Sch lußFolgerung als fehlsam«, weil das Berufungsgericht unberücksichtigt gelassen habe* daß das zweite Ansteigen der Einkünfte wiederum seine Ursache in einer vorübergehenden besonderen Konjunktur gehabt habe. ob das Berufungsgericht es zutreff ent verneint hat«, daß während des Krieges die besonders gute allgemeine Konjunktur einen überwiegenden Einfluß auf die hohen Einkünfte gehabt habe♦ denn Erwägungen über den Einfluß der Konjunktur sind im Hinblick auf die von dem Berufungsgericht festgestellte längere Zeit anhaltende Stetigkeit der Einkünfte des Klagers überhaupt nicht angebracht. Die von dem Berufungsgericht getroffene Feststellung«, ein Beobachter der Jahre. 194o y 1941 oder 1942 habe die Nachhaltigkeit der Erträge des Geschäfts des Klägers nicht verneinen können* und seine Existenz 3o Bei dieser Sachlage braucht/ nicht mehr darauf eingegangen zu werdeiio ob nicht der Kläger dadurch, daß er in dem Verfahren vor der Entschädigungsbehörde erklärt hat, er beantrage, ihm die Rente zu gewähren, das Rentenwahlrecht nach §, 81 BEG ausgeübt hat und daran nach § 84 Satz 3 BEG gebunden ist, so daß er auf Grund seines Vorbringens, er habe noch keine ausreichende Lebensgrundlage erlangt, überhaupt nur die Rente, nicht aber die Kapitalentschädigung verlangen könnte,