BGH · IV ZR 38/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs bat auf die mllndliche Verhandlung vom 19* Januar 1966 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Jobannsen, Maaß, Wilden und Dr. Graf für Recht erkannt: Die Revision der Kläger gegen das Urteil des 3. Der Erblasser bat wegen des von ihm erlittenen Frei-beitsscbadens eine Entschädigung erhalten» Darüber hinaus batte er Entschädigungsansprüche wegen Schadens an Körper und Gesundbeit geltend gemacht und zur Begründung vorgetragen, er leide an chronischer rheumatischer Arthritis, Herzmuskelschwäche, Migräne und Blutdruckerhöhung» Außerdem habe er Zabnscbäden erlitten» Diese Erkrankungen seien auf die erlittenen Entbehrungen und Mißhandlungen im KZ zurückzufUhren. Nach Einholung von Gutachten des Vertrauensarztes Dr» Bix und der beratenden Ärzte Dr» VflB, Dr» und Zahnarzt Dr» GBHA hat die Entschädigungsbehörde durch den Bescheid vom 30» September 1939 die chronische rheumatische Arthritis verschiedener Gelenke im Sinne einer abgrenzbar anhaltenden Verschlimmerung als auf nationalsozialistischen Gewaltmaßnabmen beruhend anerkannt, wegen dieses Leidens einen Anspruch auf Heilverfahren fUr die Zeit ab 9» Mai 1945 zuerkannt, einen Anspruch auf Rente und Kapitalentschädigung dagegen verneint, weil die verfolgungsbedingte Minderung der Erwerbsfähigkeit des Erblassers unter 25 v»H» liege. b) nach seiner Einstufung in eine angemessene vergleichbare Beamtengruppe und unter Zugrundelegung eines angemessenen Hundertsatzes ihm eine KapitalentSchädigung für die Zeit vom 1. Hit der vom erkennenden Senat zugelassenen Revision hat der Erblasser der Kläger beantragt, unter Aufhebung des Urteils des Berufungsgerichts den Rechtsstreit zur ei*-neuten Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zu-rückzuverweisen» Nach dem am 15« September 1964 erfolgten 5?od des Erblassers setzten die Kläger den Rechtsstreit als seine Erben fort. 1« Der Klage des Erblassers der Kläger ist insoweit in jedem Fall der Erfolg zu versagen, als sie auf Feststellung gerlobtet ist« Eine Feststellungsklage, daß der Verfolgte an bestimmten Leiden erkrankt sei, kennt das BEG nicht« Ebensowenig kann die Feststellung begehrt werden, daß diese Leiden' auf ttationalsozialistiscberr Gemaltmaßnahmen beruhen« Sowohl die Erkrankung an bestimmten Leiden als auch der Kausalzusammenhang zwischen Leiden und nationalsozialistischer Verfolgung bilden tatbestandsmäßige Voraussetzungen des nach dem BEG bestehenden Anspruchs wegen Schadens an Körper und Gesundheit« Die Feststellung dieser Voraussetzungen kann nicht Gegenstand eines besonderen Klagebegehrens sein« Die Klage ist vielmehr auf Gewährung der nach dem BEG bestehenden Entschädigungsleistungen zu richten« 2« Keine rechtlichen Bedenken bestehen gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Gesundbeitsechäden des Erblassers der Kläger und der Verfolgung nicht wahrscheinlich sei, soweit es sich um die CoronarInsuffizienz, die Migräneanfälle und den leichten Bluthochdruck bandelt« Die Frage des Kausalzusammenhangs zwischen einer nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahme und einem Schaden an Körper und Gesundheit, der zu dem Gegenstand eines Entschädigungsanspruchs nach den §§28 ff BEG gemacht werden ..soll, gehört in erster Linie, wie der erkennende Senat in ständiger 3» Die Revision wendet sich nur insoweit gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts» als es sich um die Beurteilung der Angstneurose handelt» die nach der Darstellung des Erblassers der Kläger auf nationalsozialistische! 4« Der hier der Beurteilung unterliegende Sachverhalt ist von dem Fall, der Gegenstand der Entscheidung des erkennenden Senats in RzW I960, 453 Nr. 18 war, deutlich verschieden« In jenem Fall handelte es sich um ein Leiden, das zwar auf Grund der abnormen Veranlagung Uber die normale Heilungszeit andauerte, bei dem aber die Veranlagung erst dadurch zu einer wirkenden Ursache für die Veranlassung des Leidens geworden war, daß sie durch die Verfolgung manifest gemacht wurde« Hier bat der erkennende Senat mit Recht das Fortbestehen des Leidens als eine Folge der Verfolgung angesehen« Im vorliegenden Fall beruhte dagegen die bei dem Erblasser bestehende Angstneurose nach den in der Revisionsinstanz unangreifbaren tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts nicht auf nationalsozialistischer Verfolgung, sondern auf seiner neurasthenischen, vegetativ labilen Persönlichkeit.