BGH · IV ZR 38/53 vom 17.12.1953
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ssatz-: Solange sich über den Beweiswert des von Ions entwickelten Verfahrens zur Ermittlung der'Abstammung eines Kindes in der Wissenschaft noch keine einheitliche, allgemeine Erfahrungserkennt nis durchgesetzt hat, ist es Sache des Tatrichters, sich in freier Beweiswürdigung ein Urteil über Wert oder Unwert dieses Verfahrens zu bilden. | Der Kläger hat die Ehelichkeit des Beklagten ange- Auf die Berufung des Beklagten hat das Oberlandes-jftericht nach weiterer Beweiserhebung die Klage abgewie-en„ Es hat den Beweis dafür, dass der Beklagte nicht p.41 Kit der Revision, die das Berufungsgericht zugelas-|n hat, erstrebt der Kläger die Wiederherstellung des Bll Das Berufungsgericht hat darin eine Bestätigung de Ergebnisses der Blutuntersuchung nach Dr<1.HI gesehen un||| daraufhin die Klage mit der Begründung abgewiesen, dass das Ergebnis des - zweiten erbbiologischen Gutachtens ein grössere Wahrscheinlichkeit für sich habe als das Ergeb-||§ nisi zu dem;Er,EflHHBMHMI gelangt seid Es komme hinzu, u 'dar. der Kindesmutter Geschlechtsverkehr gehabt habet Es stelp| danach nicht einmal fest, ob die Kindesmutter in der für3 die Geburt des Beklagten maßgebenden £mpfängniszeit iibeyjl haupt mit einem anderen Manne als dem Kläger ge schlechtes lieh verkehrt habe.. Schon unabhängig von di sen Aussage hat das Berufungsgericht das Ergebnis des|| erbbiologischen' Gutachtens von Dr,Pf HMI ("der RlägerJ| ist zweifellos der Vater") für wahrscheinlicher gehaltj als die entgegengesetzte Stellungnahme von Dr,Bl ÜiÄ o Diese nur auf erbbiologische Gesichtspunkte, insbesondere auf das Ergebnis des 1MM-festes gestützte Erwägung trug 'schon für sich allein die Feststellung, dass ■ der Kläger beweisfällig geblieben sei und hätte als solche auch durch einen etwaigen Beweis, dass MfHHHNHi der liündeimutter innerhalb der Empfängniszeit beigewohnt habe nicht an Gewicht verlorene Im übrigen kann auch aus dem Umstand, dass das Berufungsgericht den Inhalt der Aussage des Zeugen - Hi nicht im einzelnen erörtert that,' nicht entnommen werden, dass es diese Aussage, wie auch die Aussage der Zeugin nicht sachgemäss gewürdigt hat, Wie der Kl Senat bereits in seiner in BGHZ 3, 162 (175) abgedruckten Entscheidung im Anschluss an die dort angeführte 'Rechtsprechung des Reichsgerichts dargelegt hat, bedarf [es für eine einwandfreie Würdigung der Sachund Rechtslage durch das Berufungsgericht nicht eines ausdrücklichen Eingehens auf jedes einzelne Vorbringen der Partei oder jede einzelne Zeugenaussage oder jedes einzelne Beweismittel und einer ausdrücklichen Auseinandersetzung damit, wenn sich nur ergibt, dass eine sachent-pprechende Beurteilung überhaupt stattgefunden hat. Dass pieces hier geschehen ist, ergibt sich aus dem Gesamt-halt der Gründe des Berufungsu.rteils, Die Beeidigung ||es Zeugen flpnt stand im pflichtmässigen Ermessen-es Berufungsgerichts, das als solches vom Revisions-ericht nicht zu überprüfen ist. ■ Die Revision rügt weiter, dass das Berufungsgericht den Beweisantrag des Klagers im Schriftsatz vom 15.Beb 1950 (Bl 89 d.Ä*) übergangen habe. Dort sei Kate DMH als Zeugin dafür benannt worden, dass die Kindesmutter gegenüber geäussert habe, sie könne nicht behaupten, o das zweite Kind (der Beklagte) vom Kläger stamme. mene Wahrscheinlichkeit der Abstammung des Beklagten vom | Kläger hätte dadurch nicht widerlegt werden können. Die Revision wendet sich sodann dagegen, dass das "H Berufungsgericht "das Ergebnis des IHB-Verfahrens dazu® verwendet habe, zwischen den beiden erstatteten erbbio-fg logischen Gutachten die ausschlaggebende Entscheidung za fällen". Damit habe das Gutachten nach den iMI-Verfahrell einen Beweiswert erhalten, der mit seiner Hangelhaftig-||| keit nicht in Einklang zu bringen sei. Das IH'sche Verfahren beruht auf der Annahme, dass neben den bis heute bekannten vererblich Blutkörpercheneigenschaften noch zahlreiche andere Men male bestünden, die bisher noch nicht entdeckt worden seien. Durch die Fülle dieser Merkmale und deren jewel lige Verbindung sei das Blut eines jeden Menschen indi viduell bestimmt. einem Versuchstier, etwa einer Ziege, eine Blutmischung eingespritzt, die sich aus dem Blut sehr vieler Menschen susammensetze, so dass, wie man annehmen könne, ln ihm alle überhaupt im Menschenblut vorkommenden Merkmale enthalten seien, so entstünden im Serum des so behandelten Tierblutes Abwehrstoffe, die gegen alle diese Blutgruppeneigenschaften, auch gegen die noch nicht entdeckten, wirkten. Aus den einschlägigen wissenschaftlichen Veröffent lichungen ergibt sich, dass die beiden Hauptvoraussetzu gen einer Vaterschaftsbestimmung nach dem von löns entwickelten Verfahren, nämlich die auf Grund der noch unbestimmbar vielen Blutmerkmale einmalige (individuelle).; Struktur des Blutes eines jeden Menschen und die Möglich keit, ein gegen alle menschlichen Blute wirkendes Serum; herzustellen, noch nicht als gesicherte Erfahrungserke nis der Wissenschaft gelten können. Das wird auch von Löns selbst ebensowenig verkannt wie die Tatsache, das die Technik dieses Verfahrens schwierig ist und anscheinend noch nicht von jedem Blutgruppensachverständigen in derselben Weise und unter den gleichen Erfolg versprechenden Bedingungen durchgeführt werden kann wie' von Löns selbst und von seinen Mitarbeitern, wenn die Versuche in dem von ihm geleiteten Hygienischen Institut der otadt Dortmund angestellt werden, IW hält de halb das jeweilige Ergebnis einer nach seinem. • fassung, dass immerhin schon eine gewisse fahrscheinlich-l keit für die Richtigkeit'der Ergebnisse dieses Verfahrens besteht und dass diese deshalb als Beweisanzeichen zur h Ergänzung anderer Beweismittel verwertet werden können. 'der seit mehreren Jahren mit Löns zusam-pmenarbeitet, hält in seinem zuletzt erwähnten Aufsatz -U die Annahme, dass durch Einimpfung von Blutproben von ; etwa 1000 Menschen im Ziegenserum Gegenstoffe gegen alle I-Bluteigenschaften gebildet werden könnten, zwar für unzutreffend. weil ihre richtigen praktischen Srgeb-U'nisso auch auf einer anderen theoretischen Voraussetzung ^'beruhen und durch diese erklärt werden könnten, Professor llMliiMi ist insbesondere auf Grund der neueren For-w.'schungen überzeugt, dass das .■ .ÜÄ-Verfahren ein wert-pvolles zusätzliches Indiz darstelle. Andere Wissenschaft-k’ler sind allerdings der Ansicht, dass durch das von HLöns entwickelte Verfahren auch eine Wahrscheinlichste it für das Bestehen oder den Ausschluss einer Vater-jf"Schaft noch nicht gewonnen werden könne (so Lahr MDR !|1950 0 725 und J7 1953 S 69C; Harrasseh JZ 1951 S 60; M-jMsnz und Schmidt. oder anderen Sinne nicht bestellt, muss es dem iatriclrcej überlassen bleiben, sich in freier Be v eisvctlrdigung ein | Urteil über denBeweiswert des von 1.W entwickelten Veq fahrens zu bilden* Er wird dabei bemüht sein, sich nach" besten ICräften an Hand der vorliegenden wissenechaitli-i chen Veröffentlichungen zu dieser Frage und gegebenen--./ falls des von ihm eingeholten Gutachtens über das Für und wider dieser I.Iethoöe zu unterrichten,, Es kann ihm ■ aber, wenn er die Verantwortung für seine Bchlussfolge-/ •rungen aus einer gutachtlichen Äusserung oder sachkundigen Abhandlung tragen soll, nicht vorgeschrieben wer-1 den- welchem Sachverständigen und welcher sachkundigen Stellungnahme,er das grössere Vertrauen entgegenbringen solle Ebenso muss auch die Auswahl des etwa von ihm zu-.i Der Senat schliesst sich damit der Auffassung an/ die auch das Reichsgericht in mehreren zu dem Teil aller-; dings unveröffe n 11icht e n Entsehe idun gen darge1egt üat,; Dach einem Urteil des Reichsgerichts vom 211 Februar 1941 (VIII 558/39 •- Nachschlagewerk des AG Hr 9 zu §|" 402 - 414 ZPO -)' ist es Sache 'tatrichterlicher Wurdi- . wenn und wieweit sich der Richter mangels fcinrei ehender eigener Sachkunde dem Gutachten eines Sachverständigen änschliesst, Für die Revisionsinstanz muss e genügen, wenn dem Pächter die Darlegungen des Sachverständigen schlüssig und überzeugend erscheinen durften ohne dass dem Richter dabei ein Verstoss gegen Donkgesetze zur Last fällt und ohne dass' ihm etwa auch chnel eigene Sachkunde klar hätte werden müssen, dass der Sachverständige nur unter Ausser acht lös sung erheblichen Ver-hsndlungsstoffes oder von Erfahrungstatsachen zu dem Ergebnis gelangt sein könne, dem der Tatrichter gefolgt ist. Das -Reichsgericht hat ferner in mehreren Entscheidungen--'Betont, dass' hei der freien richterlichen Würdigung eines Sachverständigengutachtens'gemäss §/286 ZPO in erster Linie auch die Vertrauenswürdigkeit des Gutachters in Be- Juli 1937 IV 117/37, Nachschlagewerk des RG Nr 12 zu § 1591 BGB sowie in einer in der J.7 1936 S 259 veröffentlichten Entscheidung ausgesprochen hat, es sei Tatfrage, ob das Ergebnis eines Vaterschaf tsausschlüssgutachtens auf Grund der Bestimmung der Blutkörperchenmerkmale M und I zu dem Nachweis offenbarer Unmöglichkeit ausreiche. Auch die Würdigung eines Gutachtens, das auf Grund einer Bestimmung der BlutUntergruppen A-] -A^ gestützt ist , hat das Reichsgericht damals dem (Tatrichter überlassen (JV 1937 S 620 und S 1970). Die Re chtsprechung befand sich damals gegenüber der Präge nach den zu dieser Zeit noch nicht allgemein als gesichert angesehenen Beweiswert der Blutmerkmale MU und Cer .Untergruppen A-^-Ap in einer ähnlichen Lage wie heute gegenüber der Präge nach dem Beweiswert des von Löns ,entwickelten Verfahrens. Dem freien richterlichen Ermessen in der .Beurteilung des Beweiswertes der ; Ü®§ vlettiode kann erst dann (ine Grenze gesetzt werden, wenn sich über den Wert oder Fnwert dieses Verfahrens eine allgemeine Srfahrungser-(enntnis durchgesetzt hat (vgl RG in JW 1938 S 1813 und BGHZ'2, 6 ff); Bas ist, wie bereits ausgeführt, bisher I); nicht der Falle Nach den Berichten von Bohlmarin in der NJvf 1951 S 911 und von Kiew er in der 1TJW 1953 S 1902 sollen mit diesem. Es muss der Entscheidung des Tatrichters überlass: bleiben, .wie diese einander widersprechenden Erfahrung mit ' der UHl-Methode zu würdigen sind, ob-sie mögliche1 weise darauf beruhen, dass das von den verschiedenen f Wissenschaftlern bei ihren Versuchen angewandte technj sehe Verfahren nicht in jedem Falle gleich vollkommenl war, und ob demgemäss vorläufig eine Untersuchung, dil im Hygienischen Institut in Bortmund durchgeführt wir! Babei wird er dann auch zu berücksichtigen hiH ben, dass, wie Br ,TJÄ;selbst ausgeführt hat, dem L|jM Test ein grosserer Beweiswert zukommt, wenn die UnteM chung mit mehreren Seren-verschiedener Herkunft durcU