BGH · IV ZR 32/64
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{Tatbestands Die am geborene jüdische Klägerin war seit dem Jahre 1905 als kaufmännische Angestellte bei der Firma Gebr» XI: , Herren- und Knabenkonfektion, in Mannheim tätig» Am 10» November 1938 verlor, sie mit der verfolgungsbedingten Schließung dieses Geschäfts ihren Arbeitsplatz» Im März 1940 wanderte sie nach den USA aus» Dort war sie wieder als Arbeitnehmerin berufstätig* 1» Januar 1961 auf monatlich 82 DM festgesetzt» Sie hat bei der Berechnung der Kapitalentschädigung die Klägerin in die vergleichbare Beamtengruppe des einfachen Dienstes oingereiht und als entschädigungsfähigen Zeitraum die Zeit vom 10» November 1938 bis zu dem 31» Dezember 1945 angenommen» ber 1933 bezogene Monatsgehalt von höchstens 300 HM für die Einreihung in den mittleren Dienst nicht aus» Die Klägerin hat aber geltend gemocht, sie sei von der Verfolgung schon viel früher, nämlich am 1» Februar 1933, betroffen worden« Ihr Gehalt, welches 350 - 400 RM betragen habe, sei im Februar 1932 infolge der Wirtschaftskrise auf 300 HM gekürzt worden« Für den Fall einer Besserung der Wirtschaftslage sei ihr fest zugesagt worden, daß sie ihre früheren Bezüge wieder erhalten würde« Die Firma hätte ihre Zusage ab 1« Februar 1933 cinhalten können, wenn sie nicht als jüdische Firma vom Wirtschaftsaufschwung ausgeschlossen gewesen wäre« Mindestens hätte sie, die Klägerin, ohne rassische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt vom genannten Zeitpunkt an bei einer anderen Firma eine Stelle finden können, in der sie ihr früheres Einkommen wieder erreicht hätte« - Das Berufungsgericht hat die Voraussetzungen für eine Einreihung der Klägerin in den mittleren Dienst in Übereinstimmung mit dem Landgericht verneintEs hat darüber, ob die Klägerin, falls ihre Firma nicht in jüdischer Hand gewesen wäre, schon ab 1- Februar 1933 ihren früheren Verdienst wieder hätte erreichen können, keine abschließenden Feststollungen getroffen- Nach seiner Auffassung ist die Klägerin erstmals am 10- November 1938, und zwar durch Entlassung,beruflich geschädigt worden- Als maßgebliches Vorverfolgungseinkommen hat cs deshalb das Einkommen der Klägerin in den letzten '5 Jahren vor dem 10- November 1938 angesehenEs hat für diesen Zeitraum ein Einkommen der Klägerin in Höhe von monatlich höchstens 300 RH festgestellt - Der in einer gerin habe etwa ab August/September 1938 rückwirkend eine Verkaufsprovision von monatlich 150 RM bezogen, hat es keinen Glauben geschenkt * Eine günstigere Einstufung durch Vorverlegung des Beginns der Verfolgung, so hat das Berufungsgericht weiter ausgeführt, könne die Klägerin nicht erreichen, weil sie vor ihrer Entlassung keinen der Schadenstatbestände der §§ 87, 88 BEG, insbesondere nicht den Schadenstatbestand des § 88 Kr» 4 BEG, erfüllt habe» Es kommt sonach auf die Auslegung des Begriffs "des Beginns der Verfolgung" an» Nach der Auffassung des Berufungsgerichts fällt der Beginn der Verfolgung mit dem Zeitpunkt zusammen, in dem einer der nach den Bestimmungen der §§ 87, 83 BEG entschädigungsfähigen Tatbestände erstmals gegeben war» Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden» Der erkennende Senat hat in Urteil vom 28» Januar 1959 - IV ZR 224/58 - LM zu § 76 BEG. bei der Entscheidung der Frage, welches die letzten 3 Jahre vor Beginn der Verfolgung waren, allein darauf an,.wann der Verfolgte zürn erstenmal von der Verfolgung getroffen worden ist, und nicht auch darauf, zu welchem konkreten Schaden diese Verfolgung geführt hat» Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts kann daher hier der Beginn der Verfolgung nicht schlechthin dem Zeitpunkt der Entlassung der Klägerin gleichgestellt werden» Zwar hat die Klägerin nach den Feststellungen des Berufungsgerichts erst zu diesem Zeitpunkt einen nach der Bestimmung des § 8? BEG zu entschädigenden Schaden durch ihre verfolgungsbedingte Entlassung aus dem Dienstverhältnis erlitten» Darauf kommt es aber nicht entscheidend an» Hach .’dem Vortrag der Klägerin hat sich die gegen die Juden gerichtete Verfolgung bereits im Februar 1933 dahin ausgewirkt, daß ihre jüdische Arbeitgeberin infolge der.Boykottmaßnahmen nicht an dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung teilnehmen und folglich auch nicht die Zusage, ihr die früheren Bezüge wieder zu gewähren, hat einhalten können» Dieser Vortrag ist für die Frage des Beginns der Verfolgung beachtlich» Zwar kann in der. im Sinne des § 87 BEG erblickt werden» Es ist jedoch zu beachten, daß die nationalsozialistischen Machthaber dadurch, daß 3ie Boykottmaßnahmen gegen jüdische Firmen entweder hervorriefen oder doch duldeten und billigten, die Ausschaltung der Juden aus dem Erwerbsund Wirtschaftsleben erreichen und damit den ganzen jüdischen Bevölkerungsteil und jeden Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppe gleichgültig, ob er selbständig oder unselbständig erwerbstätig war, schädigen wollten» Der Senat hat daher im Urteil vom 24» Oktober 1962 - IV ZR 131/62 - LEI Nr» 39 zu § 64 BEG 1956 = RzW 1963, 119 Nr» 20, ausgesprochen, daß ein jüdischer Arbeitnehmer, der von einem jüdischen Unternehmen infolge der Aus-wirlcungen des Boykotts entlassen worden ist, selbst in Der Verfolgte ist dann von den Auswirkungen der nationalsozialistischen Judenpolitik, die schließlich zu seiner Entlassung führte, bereits in dem Zeitpunkt betroffen worden, in dem er die ihm zugesagten höheren Bezüge wieder erhalten hätte, falls seine Firma nicht in jüdischen Händen gewesen und daher nicht von den Boykottmaßnahmen getroffen worden wäre» Daran ändert, wie bereits dargclegt, der Umstand nichts, daß die Nichteinhaltung dieser Zusage keinen entschädigungsfähigen Tatbestand im Sinne des § 8? Das Berufungsgericht hätte daher dem Vortrag der Klägerin nachgehen müssen» Es hätte feststellen müssen, ob der Klägerin eine solche Zusage erteilt ’worden ist, und von welchem Zeitpunkt an die Firma, wäre sie nicht als jüdisches Unternehmen verfolgt worden, infolge des Wirtschafts-aufschwungs diese Zusage hätte einhalten können» Weiter hätte es prüfen müssen, ob die Klägerin in der Zeit vor Februar 1932 ein monatliches Gehalt von 350 bis 400 RM bezogen hat» Diese Behauptungen können erheblich sein, weil dann, wenn der Beginn der Verfolgung schon für das Jahr 1933 oder auch.erst für die Zeit vor Herbst 1934 anzusetzen ist, die Klägerin möglicherweise das unter Berücksichtigung ihrer damaligen Lebensaltersstufe für die Einreihung in den mittleren Dienst nach der Besol-dungsübersicht der Anlage 3 zu § 14 3°DV-BEG maßgebliche Vorvcrfolgungsoinkommen erreicht hat» Es muß daher ge-