BGH · IV ZR 31/64 vom 16.12.1964
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a) Zur Frage, unter welchen Voraussetzungen die Berufsschadensrente wegen Verdrängung aus einer selbständigen Erv/erbstätigkeit dem Verfolgten von einem vor der Entscheidung liegenden Zeitpunkt an zuzuerkennen ist. b) Zur .Frage, wann eine ausreichende Lebensgrundlage erlangt ist, wenn das Einkommen des Verfolgten kurze Zeit vor seinem altersbedingten Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit die 'i'abellensätze erreicht hat,. Mit der Revision, die von dem erkennenden Senat zuge-lassen worden ist, verfolgt das beklagte Land den Antrag, die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Landgerichts zurückzuweisen, weiter. Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausge~ gangen, daß nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats die Zahlung der Berufsschadensrente an den aus einer selbständigen.Erwerbstätigkeit verdrängten Verfolgten erst von demjenigen nach dem 31» Oktober 1953 liegenden Zeitpunkt an erfolgt; in dem die Versorgungsbedürftigkeit im Sinne des § 82 BEG endgültig, also, ohne Unterbrechung bis zu dem Zeitpunkt der Entscheidung, eingetreten ist (Urteil RzVr 1959, 324 Nr. 26). der Anlage 3 zur ■3° DV-BEG für den mittleren Dienst mit dem Versorgungszuschlag erstmals im Jahre 1956 und anschliessend bis zu dem 31o Juli I960, dem Zeitpunkt der Aufgabe seiner Erwerbstätigkeit, überschritten habe, nachhaltig habe der Kläger aber in diesen Jahren, so meint das Berufungsgericht, eine ausreichende Lebcmsgrundlage noch nicht erlangt, weil sein Einkommen die erforderliche Höhe nicht wenigstens fünf Jahre lang erreicht habe, und weil damals voraussehbar gewesen sei, daß er wegen seines Alters ausreichende Einkünfte nur noch für einen begrenzten Zeitraum würde erzielen können. Nach der Auffassung der Revision können an die Feststellung der Nachhaltigkeit der erreichten Lebensgrundlage bei der Entscheidung darüber, ob die Rentenzahlungen von einem vor der Entscheidung liegenden Zeitpunkt an beginnen sollen, nicht dieselben Anforderungen gestellt werden wie dann, wenn es sich um die Entscheidung über das Rentenwahlrecht selbst und damit über die Entscheidung darüber handelt, ob die Rente in der Zukunft zu leisten ist. DV-BEG für die Zeit vor der Entscheidung nicht um den in § 21 AbSo 2 3«DV-BEG vorgesehenen Versorgungszuschlag zu erhöhen, da der Kläger, wie er selbst zugestanden habe, aus der Social Security eine monatliche Rente von 94 Dollar erhalte, die, im Verhältnis 1 : 2,5 umgerechnet, 235 DM entspreche und zusammen mit der Berufsschadensrente auch unter Berücksichtigung der Lebensverhältnisse in den Vereinigten Staaten eine ausreichende Alterssicherung darstelle. Die Tatsache einer ausreichenden Versorgung durch die Rente von diesem Zeitpunkt an müßte dazu führen, daß für die Feststellung, ob der Kläger auch für die zurückliegende Zeit Anspruch auf die Rente hat, insoweit seine Erwerbseinkünfte mit den entsprechenden Tabellensätzen der Anlage 1 zur 3. In dem zuletzt angeführten Urteil des Senats ist jedoch dargelegt, daß es dann, wenn der Verfolgte im Ausland, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, lebt, wegen der dort für ihn bestehenden besonders schwierigen Verhältnisse und seiner zwangsläufig höheren Bedürfnisse geboten ist, dem Vergleichseinkommen den Alters- und Versorgungszuschlag auch dann hinzuzufügen, wenn es sich nur um die Feststellung der ausreichenden Lebensgrundlage für die zurückliegende Zeit handelt, da ihm dann die Möglichkeit zugestanden werden muß, für sein Alter und seine Hinterbliebenen noch eine weitergehende Vorsorge zu treffen« Der Kläger erhält nach seinem eigenen Vortrag in einer Rente aus der Social Security eine solche weitergehende Versorgung« Daran, daß es sich bei den Rentenzahlungen aus der Social Security um Versorgungsleistungen im Sinne der § 82 Satz 3 PEG, § 21 Abs« 3, 4 3o DV-BEG handelt (Urteil des Senats RzY/ 1961, 180 Nr«' 27), ist auch gegenüber den Ausführungen von Schüler (RzW 1964, 149) festzuhalten. DV-BEG für die Zeit vor dem Ausscheiden des Klägers aus seiner Erwerbstätigkeit der Zuschlag nicht hinzuzusetzen wäre« Aber darüber hat das Katsachengericht zu entscheiden. Außerdem ist das Folgende zu erwägen: Wenn die Versorgung, die der Kläger seit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit »erhält, so hoch ist, daß durch sie seine nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß herabgesetzten Bedürfnisse befriedigt werden, und wenn sein Einkommen in den vorhergehenden Jahren, in denen er noch arbeitete, so hoch war, daß seine damaligen höheren Bedürfnisse dadurch gedeckt werden konnten, so kommt es entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts nicht 0 darauf an, daß diesem Einkommen die Nachhaltigkeit Das Fehlen der Nachhaltigkeit wegen des seinerzeit bevorstehenden altersbedingten Ausscheidens aus der Erwerbstätigkeit wird dann dadurch ausgeglichen, daß der Kläger von der Aufgabe der Erwerbstätigkeit an eine ausreichende Altersversorgung erhält. der Kläger in den letzten Jahren seiner Erwerbstätigkeit erreicht hatte, ausreichend war» Das Erreichen der Tabellensätze der Anlage 1 zur 3» DV-BEG, aus dem nach § 21 Abso 1 3° DV-BEG für den Hegelfall entsprechende Schlüsse zu ziehen sind, braucht unter derartigen Umständen die ausreichende Lebensgrundlage noch nicht anzuzeigen» Denn wenn der Kläger damals in absehbarer Zeit nur noch mit den geringeren Versorgungsleistungen zu rechnen hatte, kann er in diesen Jahren ein um so größeres berechtigtes Bedürfnis gehabt haben, rechtzeitig und vollständig den aus der Zeit nach der Auswanderung aufgelaufenen Nachholbedarf zu befriedigen und sich so einzurichten, daß er nach dem Ausscheiden aus der ErwerbStätigkeit mit den Versorgungsleistungen auch v/irklich auskommen und mit seiner Familie im Ruhestand angemessen leben konnte» Wer in einem normalen, Jahrzehnte dauernden Berufsleben ein ausreichendes Einkommen erzielte, hatte damit, auch abgesehen von der Hentenversorgung, die er sich für sein Alter schaffen konnte, ganz andere Möglichkeiten, sich einzurichten und für die Zeit des Alters vorzusorgen als derjenige, dem das nur in wenigen Arbeitsjahren möglich war» Das gilt um so mehr, falls der Kläger in den letzten Arbeitsjahren durch Krankheitskosten oder andere notwendige Ausgaben für sich selbst oder seine Familie besonders belastet gewesen sein sollte» Dann muß möglicherweise die ausreichende Lebensgrundlage trotz Erreichens der Tabellensätze : für die Zeit .vor dem Ai 0 .au- <: v; :••*.'! Dann kann er für die Zeit vor dem August I960 keine Rente erhaltene Da das Berufungsgericht den Sachverhalt‘nicht unter den zutreffenden rechtlichen Gesichtspunkten geprüft hat, muß das angefochtene Urteil aufgehoben und der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung in die Vorinstanz zurückverwiesen werden,, In der neuen Verhandlung wird der Kläger Gelegenheit haben, gegebenenfalls näher darzulegen, daß seine wirtschaftliche Lage ihn 'gezwungen habe, in den letzten Arbeitsjahren seinen Beruf unter Mißachtung seiner gesundheitlichen Kräfte auszuüben, obwohl, sein Gesundheitszustand an sich die Aufgabe der Erwerbstätigkeit verlangt hätte» Yiie der erkennende Senat ausgesprochen hat, kann dem Verfolgten, der über das 65« .Lebensjahr hinaus eine seine Kräfte im Grunde übersteigende Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, die Rente nicht deshalb versagt werden, weil er sich dadurch ein ausreichendes Einkommen verschafft hat (Urteil RzW'T961, 400 Nr« 55). Der Kläger müßte aber, zu demal seine Ervverbstät igkeit in der Zeit vor der Vollendung des 65» Lebensjahres in Frage steht, in der das Gesetz einem Mann im allgemeinen eine Erwerbstätigkeit zu demutet, nachweisen, daß er' in den letzten Arbeitsjahren sein Einkommen nur unter-erheblicher Beeinträchtigung seiner Gesundheit zu erzielen vermochte» Sollte dem Kläger die Rente für die Zeit, in der er noch berufstätig war, nicht zuerkannt werden können, so läßt sich demgegenüber nicht geltend machen, daß die Rente ihm, sofern die Entscheidung der Entschädigungsbehörde über das Kentenwahlrecht früher ergangen wäre, als es geschehen ist, unter Umständen schon von einem vor dem Io August I960 liegenden Zeitpunkt an hätte zugesprochen werden müsseno Die Kegelung des § 82 BEG stellt auf den Zeitpunkt der Entscheidung ab und nimmt damit Zufälligkeiten, die sich auf Grund der Beurteilung von diesem Stichtag aus ergeben, in Kaufe Gewiß würde die Entschädigungsbehörde, wie die Revisionserwiderung meint, arglistig handeln, -wenn sie den Zeitpunkt der Entscheidung absichtlich hinausschieben würde, um sich der Verpflichtung zur Zahlung der Rente von einem früheren Zeitpunkt an zu entziehen, und ein derartiges Verhalten würde dem Verfolgten nicht nachteilig werden dürfeno Aber dafür, daß die Entschädigungsbehörde den Termin für die Erteilung des Bescheids über das Rentenwahlrecht aus derartigen unsachlichen Gründen hinaus-geschoben hätte, bestehen keine Anhaltspunkte«