BGH · IV ZR 31/63
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Nach der zweiten Alternative dos § 72 Satz 3 EheG ist eine Scheidungsvereinbarung nichtig, soweit sie die Abrede enthält;, es solle die Scheidung durch das Vorbringen eines nicht oder nicht mehr bestehenden Scheidungsgrundes erwirkt werden? Auf die Revision dos Beklagten wird das Urteil des 7* Zivilsenats des Oberlandosgerichts München vom Io August 1962 aufgehoben und der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesonc Von Rechts wegen Die Klägerin, die aus ihrer ersten geschiedenen Ehe zwei Töchter, Ina und Bärhol MP|^, hat, und der Beklagte, der als Prokurist eines Unternehmens in tätig ist, schlossen am 20, Juli 1956 die Ehe* Zwischen den Parteien ergaben sich bald Schwierigkeiten, so daß die Klägerin sich scheiden lassen wollte. trag zur Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft, in dem das Haushaltsgeld und das Taschengeld für die Klägerin geregelt wurde und der Beklagte sich verpflichtete, den Besuch der beiden Töchter der Klägerin aus ihrer ersten Ehe in seinem Haus zu gestatton. § 4 Zur Sicherstellung des Lebensunterhalts der Ehefrau nach einem etwaigen vorzeitigen Ableben des Ehemanns verpflichtet sich der Ehemann hiermit, die bei der Versicherung ”A^0| abgeschlossene und zugunsten seiner näheren Angehörigen bestehende Lebensversicherung über 20 000 DM » „ ,, die wahlweise eine Rentenversicherung mit monatlich 200 DM § 5 Die Ehefrau wird in einem besonderen Schonkungsver-trago ihre Miteigentumshälfto an dem Wohnhaus auf ihren Ehemann für den Pall der jetzigen Scheidung aus Alloinvcrschulden des Ehemanns unter den hier nicdergclegten Bedingungen zurückübertragen? Die Ehe der Parteien wurde durch Urteil des Landgerichts in Siegen vom 22® Juni 1959 aus dem Verschulden dos Beklagten geschieden® Soin Verschulden wurde im wesentlichen darin gesehen® daß er es zu häßlichen Szenen habe kommen lassen., zur Sicherung ihres Lebensunterhalts die bei der Versicherung nA4^ MaflHHHV abgeschlossene Lebensversicherung über 20 000 DM» die wahlweise eine Rentenversicherung mit monatlich 200 DM Rente sei® unter Widerruf der bisherigen Bozugsberechtigungon auf die Klägerin als alloinigc unwiderrufliche Bezugsberechtigte zu übertrage Weiter hat der Beklagte geltend gemachte, daß § 4 der Scheidungsvereinbarung erhebliche Widersprüche enthalte , so daß diese Bestimmung und damit der ganze Vertrag wegen Diosenses nicht zustandegekommen sei» So sei zunächst ausgesprochen, daß er verpflichtet sei, die Lebensversicherung auf die Klägerin zu übertragen, nämlich 3cine Ansprüche aus der Versicherung an die Klägerin abzu-troten; damit sei aber unvereinbar, daß ihm dann auch die Verpflichtung auferlegt werde, die Klägerin unwiderruflich als alleinige Bezugsberechtigte zu benennen» Außerdem laute die in der Scheidungsveroinbarung aufgeführte Versicherungspolice zwar auf 20 000 DM Kapital, sie gewähre aber nicht wahlweise eine Rente von monatlich 200 DM» Die Klägerin hat entgegnet, es hätten eine Reihe von SchoidungsgrUnden bestanden, die nur aus Schonung für den Beklagten nicht alle vorgetragen worden seien» Der Beklagte habe sie 1958 geschlagen und beschimpft„ Der Hauptgrund für die Streitigkeiten sei gewesen? daß der Beklagte ihr wegen des Besuchs ihrer föchter Schwierigkeiten gemacht habe» Darauf sei die Scheidungsklage und auch das Urteil gestützt» Ein Dissens bestehe nicht, Der Beklagte habe selbst die Vereinbarung als verbindlich angesehen und ihr wiederholt mittoilen lassen? hätten der Klägerin somit kein Scheidungsrecht mehr gegeben« Auch abgesehen davon verstoße die Vereinbarung vom 11o April 1959 gegen die guten Sitten« hie She sei erst nach der Fertigstellung dos Wohnhauses und der am 10o Mai 1957 erfolgten kirchlichen Trauung aufgenommen worden, und die Klägerin habe schon im Frühjahr 1958 den Auftrag zur Erhebung der Scheidungsklage gegeben und im Sommer 1958 nach ihrer Rückkehr von einem Kuraufenthalt ein eigenes Schlafzimmer bezogen« Trotzdem habe sie die Scheidung von der Gewährung wirtschaftlicher Vorteile abhängig gemacht, als wenn sie ihn ein Leben lang treu umsorgt hätte« Sie habe, wie sich aus den zahlreichen auf eigenen V/unsch abgeschlossenen Verträgen ergebe, die Absicht gehabt, ihn aussubeuten« Schon durch den Vertrag zur 'Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft habe sie sich nur Vorteile sichern wollen, ohne die Absicht zu haben, die Ehe aufrecht zu erhalten« Beim Abschluß der zweiten Scheidungsvereinbarung habe sie ihre Ansprüche gegenüber der ersten erheblieh gesteigert, indem sie aus seiner Lebensversicherung statt zuerst 12 000 BH 20 000 DM und für den Erwerb einer Wohnung statt 5 000 DM 3 500 BH gefordert habe« Sie habe auch gewußt, daß er krank gewesen sei und seine Interessen nicht habe wahrnehmen können, und diesen Umstand ausgenutzt« Vor dem Scheidungstormin habe Dr, VdÜ ihm, dem Beklagten., geraten, er solle zugeben, daß er sich das mit den Töchtern der Klägerin nicht so vorgestellt habe, dann aoi alle3 erledigt. Die Parteien seien sich nicht darüber einig gewesen, ob es sich bei dem Betz’ag von 5 500 DM, den der Beklagte der Klägerin für die Beschaffung einer Wohnung zur Verfügung zu stellen habe, um eine Schenkung oder ein Darlehen gehandelt habe. Sie hat bestritten, daß der Beklagte geschäftsunfähig gewesen sei, und weiter vorgetragen, nach dem Abschluß der ersten Scheidungoveroinbcrung vom 26. weil der Beklagte seine Versprechungen nie erfüllt und ihr immer nur wenig Geldmittel gegeben habe* Er habe auch den Vertrag nicht erfüllt, sondern bald nach dem 2* Mai 1958 wieder begonnen, zu trinken und sie zu schlagen und zu beschimpfen* Im November 1958 sei es zu einer Aussöhnung gekommen* Das Benehmen des Beklagten sei dann aber noch schlimmer geworden* Er habe sie vor ihren Töchtern eine Hure genannt und gesagt, sie solle das Haus sofort verlassen, er sei blöde gewesen, daß er ein solches Miststück geheiratet habe* Die Tochter Ina habe daraufhin erklärt, sie und ihre Schwester könnten nun nicht mehr zu ihr kommen, nachdem sie herausgeworfon worden seien* Sie, die Klägerin, habe also ausreichenden Grund zur Scheidung gehabt* Der Beklagte habe selbst zugegeben, daß sein Verhalten mitteleuropäischen Auffassungen nicht entsprochen habe* Dr* V^^^H 3öi nicht ihr Anwalt für den Scheidungsprozeß gewesen* Da der Beklagte gewünscht habe, daß die Scheidung nur im kleinsten Kreise bekannt werde, habe er mit Dr* V^HBl besprochen, daß nur das Notwendigste in die Klage kommo, und auch, in welcher Form es dargestellt worden sollte* Lebeno-Versicherungs-Gesellschaft gegenüber unter V/iderruf der bisherigen Bezugsbcrechtigungen die Klägerin als alleinige unwiderrufliche Bezugsberechtigte für die vom Beklagten dort abgeschlossene Lebensversicherung über 20 000 DM, die wahlweise eine Rentenversicherung mit monatlich 200 DM Rente sei, zu benennen* 1o Das Berufungsgericht hat der Klägerin den sich aus § 4 der Scheidungsvereinbarung vom 11«, April 1959 ergebenden Anspruch, sie der Versicherung gegenüber als unwiderrufliche Bezugsberechtigte zu benennen, zuerkennen wollen« Bie Revision beanstandet, daß das Berufungsgericht sich nicht mit der Möglichkeit einer partiellen Geschäftsunfähigkeit des Beklagten befaßt habe, die im Verhältnis zur Klägerin bestanden haben könne. Diese auffällige und für junge Ehen ganz ungewöhnliche Art in Verbindung mit den Versöhnungsversuchen und dem eigenartigen Verhalten der Klägerin, die* nachdem sie jeweils ein Toilziol erreicht habe, sich dann doch nicht so ehelich eingestellt habe, wie es von ihr erwartet worden sei, lasse erkennen, daß ein normales Reagieren des Beklag-ton nicht Vorgelegen haben könne. Der Beklagte mag in diesen Jahren insbesondere im Verhältnis zu seiner Ehefrau und ira Zusammenhang mit der Scheidung soelisch labil gewesen sein und sich auffällig verhalten haben und den Forderungen der Klägerin v/eit entgegengekommen sein\ das braucht aber nicht auf eine Störung der Geistestätigkeit im Sinne des § 104 Nr. 2 BGB hinzudeuten, und jedenfalls, nachdem sich nach der Auskunft der Ärzte keine Anhaltspunkte für eine krankhafte Störung der Geistestätigkeit ergeben hatten, brauchte das Berufungsgericht der Möglichkeit, daß der Beklagto 3ich auf dem hier in Rede stehenden Teilgebiet in einem seine freie Willens be Stimmung abschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden haben könne, nicht besonders nachzugehen. Da das Berufungsgericht keine Anhaltspunkte für das Vorliegon einer geistigen Störung des Beklagten gefunden hat, war es entgegen der Meinung der Revision auch nicht erforderlich, daß das Berufungsgericht sich mit der Möglichkeit befaßte, ob die Klägerin einen derartigen Geisteszustand in unsittlicher Weise ausgenutzt habe, um sich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen, April 1959 sich nicht auf die Regelung der Unterhaltsfrage beschränkt, ist sie deshalb in vollem Umfang an den durch § 72 EheG gegebenen Maßstäben zu messen. Bei der ersten Fallgruppe dos § 72 Satz 3 EheG wird für die Nichtigkeit der insbesondere die Unterhaltspflicht für die Zeit nach der Scheidung regelnden Vereinbarung nicht vorausgesetzt, daß die Vereinbarung selbst die Abrede enthält, es solle ein nicht oder nicht mehr bestehender Scheidungsgrund geltend gemacht werden,* es kommt für die Frage der Nichtigkeit der Vereinbarung nicht auf deren Inhalt als solchen, sondern allein darauf an, ob ein Ehegatte im Zusammenhang mit der Vereinbarung einen nicht oder nicht mehr bestehenden Scheidungsgrund geltend gemacht hat. Auch wenn die Vereinbarung ein unredliches prozeßtaktisches Vorgehen der Ehegatten nicht zu dem Gegenstand hat und zunächst möglicherweise gültig ist, so wird sie nach der ersten Alternative des § 72 Satz 3 EheG doch von Anfang an nichtig, sobald ein Ehegatte im Zusammenhang mit dieser Vereinbarung, aber auf Grund eines anderweitig mit dem anderen Ehegatten getroffenen Einvernehmens, in dem Scheidungsprozeß sein Scheidungsbogehren auf einen nicht oder nicht mehr bestehenden Scheidungsgrund stützt* V/enn dagegen die Vereinbarung, die die vermögens-rochtlichen Bestimmungen der Eheleute für die Zeit nach der Scheidung, vor allem die Unterhaltsfrage, regeln soll, unmittelbar auch darauf gerichtet ist und die Abrede zu dem Gegenstand hat, cs solle die Scheidung durch das Vorbringen eines nicht oder nicht mehr bestehenden Scheidungsgrundes erwirkt werden, so ist die Vereinbarung insoweit von vornherein wegen Verstoßes gegen die guten Sitten nichtig, unabhängig davon, ob der Scheidungsprozeß entsprechend der getroffenen Abrede geführt wird« Es liegt dann ein Pall der umfassenden zweiten Alternative dos § 72 Satz 3 EheG in Verbindung mit § 138 Abo» 1 BGB vor, nach der die Vereinbarung nichtig ist, wenn sich anderweitig aus ihrem Inhalt oder aus sonstigen Umständen des Palles ergibt, daß sie den guten Sitten widerspricht«, Dem Hinweis des Reichsgerichts, Vereinbarungen über das Vorbringen eines vorgetäuschten Scheidungsgrundes seien früher wegen des Verstoßes gegen den Grundsatz des Eheschutzos nach § 134 BGB als nichtig angesehen worden (RGZ 159? 157, 162), ist entgegenzuhalten, daß auch an der Unsittlichkeit und der sich aus diesem Grunde ergebenden Nichtigkeit von Vereinbarungen mit einem derartigen Inhalt kein Zweifel bestehen kann«, Regelmäßig ist nach § 139 BGB nicht nur der feil der Vereinbarung, der sich auf das Vorbringen des unrichtigen Scheidungsgrundes bezieht, sondern die ganze Vereinbarung nichtig«, Diese Nichtigkeit kann nicht dadurch geheilt werden, daß das unter Verstoß gegendie guten Sitten Vereinbarte später nicht ausgeführt und entgegen der Abrede in dem Scheidungsprozeß kein unrichtiger Scheidungsgrund vorgetragen wird. Die Scheidungs-vereinbarung bleibt nichtig, wenn ein Ehegatte dem anderen nach dem Abschluß der Vereinbarung einen wirklichen Schoi-dungsgrund gegeben hat und der verletzte Ehegatte die Scheidungsklage später statt auf den verabredeten auf diosen Schoidungogrund stützt» Die Nichtigkeit der Vereinbarung, die sich daraus ergibt, daß im Zusammenhang mit der Vereinbarung ein nicht oder nicht mehr bestehender Scheidungsgrund geltend gemacht wird (erste Alternative), oder daß die Vereinbarung selbst dio Abrede enthält, es solle oin nicht oder nicht mehr bestehender Scheidungsgrund vorgebracht werden (zweite Alternative), entfällt nicht, wenn dio Ehe wegen eines tatsächlich vorhandenen Scheidungsgrundes geschieden werden könnte, der aber nicht vorgebracht wird und abredegemäß nicht vorgebracht werden sollo Der gegenteiligen Auffassung des Reichsgerichts, das eine Scheidungsvereinbarung sogar dann für gültig hält, wenn das Einvernehmen der Parteien dahin geht, daß die Scheidung nicht von dem Ehegatten betrieben werden sollo, dom allein ein Scheidungsgrund zur Seite steht, sondern von dem anderen unter Vortrag eines in Wirklichkeit nicht bestehenden Scheidungsgrundes (RGZ 159? Durch § 80 EheG 1938, mit dem § 72 des geltenden Ehegeactzos wörtlich übereinstiramt, sollte die Präge geklärt worden, ob und unter welchen Voraussetzungen die Ehegatten vor der Scheidung dio gegenseitige Unterhaltspflicht durch Vereinbarung regeln können (Amtliche Begründung zu dem Ehegeset2 1958, RAnz 1938 Nr0 157K Derartige Verträge waren vorher nicht nur dann als gegen die guten Sitten verstoßend und nichtig angesehen worden, Anders ist es jedoch, sobald das Gericht durch unwahre tatsächliche Behauptungen Uber einen in Wirklichkeit nicht bestehenden Scheidung3grund veranlaßt werden soll, die Ehe wegen eines Sachverhalts zu scheiden, der sich nicht ereignet hat oder aus dem kein Scheidungsrecht mehr hergeleitet worden kann* Mit der dann von den Eheleuten beabsichtigten Irreführung des Gerichts wird das Ehescheidungsverfahren von den Parteien zu einem bloß förmlichen Spiel herabgo-würdigt (von Godin aaO), während doch das Gericht in eigener verantwortlicher Überprüfung darüber zu entscheiden hat, ob Tatsachen vorliegen, auf Grund deren dem Scheidungsverlangen des die Scheidung begehrenden Ehegatten stattzugoben ist» Ein Vorstoß gegen § 158 Abo, \ ZPO und eine sittenwidrige Mißachtung der der rechtsprechenden Gewalt obliegenden Aufgabe liegt dort vor, wo Eheleute unter Irreführung des Gerichts über ihre Ehe glauben verfügen und etwa auch einen Schuldauospruch völlig losgelöst von der wirklichen Tatcachenlagc glauben horbeiführen zu können. Die Vorschriften des § 72 Satz 2, 3 EheG müssen im Zusammenhang der gesamten Rechtsordnung gesehen werden, die eine Scheidung und einen Schuldauospruch nur unter den gesetzlich bestimmten tatsächlichen Voraussetzungen und nur dann zuläßt, wenn das zur Entscheidung über die Scheidungsklage berufene Gericht das Vorliegen dieser Voraussetzungen festgestollt hat, Eheleute setzen sich mit der Ordnung, unter der ihre Ehe steht, in Widerspruch, wenn sie sich ihr durch Täuschung des Gerichts zu entziehen suchen,, Vereinbarungen, die das bezwecken, sind schon aus diesem Grande mit dem Makel der Unsittlichkeit behaftot» Es entspricht daher nicht nur dom Wortlaut , sondern auch dem Sinn des § 72 Satz 3 EheG, daß eine Scheidungsvereinbarung nichtig ist, wenn in ihr verabredet ist, daß ein Scheidungsgrund vorgutäusbht werden solle, oder wenn im Zusammenhang mit ihr das Scheidungsverlangen eines Ehegatten auf einen nicht oder nicht mehr bestehenden Scheidungsgrund gestützt wird, unabhängig davon, ob die Ehe aus anderen Gründen geschieden werden könnte» Die Vereinbarung vom 11» April 1959 könnte deshalb im ganzen nichtig sein, v/enn die Parteien bei der Abrede, daß der Beklagte die Alleinschuld an der Scheidung übernehme, die Klägerin keine Mitschuld treffe und sie die Scheidungsgründe bestimmen solle, übereinstimmend davon ausgegangen wären, daß dio Klägerin die Scheidungsklage auf Scheidungsgründe sollte stützen können, die in Wirklichkeit nicht bestanden» Die Nichtigkeit der Vereinbarung käme schon dann in Betracht, wenn die Parteien dom Gericht bewußt gemeinsam verschweigen wollten, daß die vorgotra-genon Scheidungsgründo verziehen und damit hinfällig geworden waren» In dom angefochtenen Urteil wird dargelegt, in der mit dem Beklagten entsprechend § 1 der Scheidungsvereinbarung abgesprochenen Klageschrift sei die Scheidungsklage entscheidend auf die ablehnende Haltung des Beklagten gegenüber den föchtern der Klägerin aus ihrer ersten Ehe und auf einzelne daraus entstandene Streitigkeiten und Beschimpfungen der Klägerin durch den Beklagten gestützt worden» Das Landgericht habe dio Scheidung der Ehe auch im wesentlichen damit begründet, daß der Beklagte die Stieftöchter nicht in seinem Haus geduldet und sich damit einer schweren Eheverfehlung schuldig gemacht habe» Ben In diesem Zusammenhang beruft sich die Revision auf den vor dem Berufungsgericht gegebenen Hinweis des Beklagten., daß im Scheidungsprozeß als Zeitpunkt des letzten ehelichen Verkehrs der November 1958 festge-stellt sei» Sie meint9 Ehev/idrigkeiten, die der Beklagte nach diesem Zeitpunkt begangen habe und die nicht verziehen seien, seien in dem angefochtenen Urteil nicht rechtlich einwandfrei festgestellt, Darauf, ob sich aus den von der Klägerin in dem Scheidungsprozeß im Einvernehmen mit dem Beklagten zur Begründung ihres Scheidungsbegehrens angegebenen Pat-oachen noch ein Scheidungsrecht herleiten ließ, oder ob es etwa wegen Verzeihung oder Fristablaufs weggefallen war, kann es für die Entscheidung über die Gültigkeit der Vereinbarung vom 11«, April 1959 ankommen, Wenn in der Scheidungsklage der Zeitpunkt dos letzten ehelichen Verkehrs richtig mitgcteilt und nicht angegeben war, welche von den behaupteten Ehewidrigkeiten des Beklagten vor oder nach diesem Zeitpunkt begangen worden sein sollten, so mußte das über die Scheidungsklage urteilende Gericht bei richtiger Behandlung der Sache insoweit noch nähere Feststellungen treffen und den Sachverhalt in dieser Richtung weiter aufklären. Dadurch, daß das Gericht auf die Möglichkeit einer Verzeihung der vorgetragenen Verfehlungen nicht eingegangen ist, wird aber die Richtigkeit der Vereinbarung von 11, April 1959 nicht ausgeschlossen, Sie kann nach dem oben Ausgoführton schon dann vorliegcn, wenn die Parteien sich bei dem Abschluß der so daß sich die von der Zeugin behaupteten Vorfälle in dieser Zeit nicht ereignet haben könnten«, Das Berufungsgericht hat diese Behauptungen des Beklagten in vollem Umfang als richtig unterstellt und aüsgeführt? April 1959 ereignet haben, können zwar von Bedeutung dafür sein, ob die Klägerin ihr Scheidungsverlangen auf wirklich bestehende Scheidungsgründe gestützt hat, sie sind aber unerheblich dafür, ob die Parteien bei dem Abschluß der Vereinbarung etwa davon ausgingen, daß die Scheidung durch das Vorbringen von nicht oder nicht mehr bestehenden Scheidungsgründen erreicht werden sollte, und ob dem § 1 der Vereinbarung eine dahingehende Abrede zugrundelag» In der Zeit vor dem 11 „ April 1959 hatte aber der Beklagte, seitdem die Zeugin Anfang März 1959 von der Universität nach Hause zurückgekehrt war, nur ganz selten Gelegenheit, mit ihr zusammenzutreffen, wenn seine Behauptungen als richtig unterstellt worden» Da die Zeugin ohne zeitliche Abgrenzung von sich dauernd wiederholenden Vorkommnissen sowie davon, daß die Beschimpfungen meist beim gemeinschaftlichen Mittagessen erfolgt seien, gesprochen hat, läßt sich nicht ohno nähere Auseinandersetzung mit dem Vortrag des Beklagten und gegebenenfalls Erhebung der von ihm für seine Abwesenheit angobotenen Beweise ein Urteil über den Beweiswert der Aussage der Zeugin fällen, soweit es sich darum handelt, ob der Beklagte sich in der Zeit zwischen dem letzten ehelichen Verkehr und dem Abschluß der Scheidungsvereinbarung solcher Ehewidrigkeiten schuldig gemacht hat, wie sie ihm in der Scheidungsklage vorgeworfen werden. Auch die Entscheidung des Berufungsgerichts darüber, daß kein Grund für eine Beeidigung der Zeugin Ina und der als Partei über unverzieheno Verfehlungen des Beklagten vernommenen Klägerin bestehe, beruht unter diesen Umständen nicht auf einer rechtlich einwandfreien Grundlage, wie die Revision ebenfalls mit Recht geltend macht» Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgo-gangen, daß der Beklagto die Voraussetzungen für die Nichtigkeit der Vereinbarung vom 11, April 1959 dartun und beweisen muß. April 1959 begangene Eheverfehlungen nichts über die Einstellung der Partoien zur Zeit de3 Abschlusses der Vereinbarung besagen, zu dem Ergebnis gelangt wäre, die Klägerin ha.be nach dem letzten Verkehr keinen Scheidungsgrund mehr gehabt, die Parteien seien sich dessen beim Abschluß der Vereinbarung bewußt gewesen und hätten deren § 1 übereinstimmend dahin verstanden, daß die Klägerin ihre Scheidungsklage auf nicht mehr bestehende Scheidungs-gründe stützen solle„ Die Beurteilung der Gültigkeit der Vereinbarung unter den dargelegten rechtlichen Gesichtspunkten erfordert deshalb eine nochmalige Prüfung in tatsächlicher Hinsicht, die das Revisionsgericht nicht vornehmen kann? b) Nicht zu beanstanden ist die Auffassung des Berufungsgerichts, die Bestimmung des § 3 der Vereinbarung, nach der der Beklagte der Klägerin zur Beziehung einer Y/ohnung 3 500 DM zur Verfügung zu stellen habe, sei dahin zu verstehen, daß eine Rückzahlungspflicht nicht habe bestehen sollen, und ein Dissens bestehe insoweit nicht» April 1959 dahin ausgelegt, daß der Beklagte sich darin nicht zur Übertragung soinor Gläubigorotollung aus dem bei der "AflBt abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrag auf die Klägerin verpflichtet hat, sondern dazu, die Klägerin dom Versicherer unwiderruflich als Bezugsberechtigte zu bezeichnen, und zwar für den Todesfall und für den Erlebensfall» Die Erfüllung dieser Verpflichtung ist nicht von vornherein unmöglich» Nach § 328 Abs» 2 BGB, § 166 VVG, § 16 Hr. 1 dor in dem Versicherungsschein enthaltenen allgemeinen Versicherungsbedingungon ist der Beklagte vielmehr befugt, durch einseitige Erklärung gegenüber dem Versicherer der Klägerin sofort und unwiderruflich die Stellung des Bezugsberechtigten für den Todes- und den Erlebensfall zu verschaffen» Es ist nicht dargetan, daß die bisher für den Todesfall begünstigte Person» die Mutter des Beklagten, bereits eine einseitig vom Beklagten nicht mehr widerrufbare Bezugsberechtigung erhalten hat» daß die bei der "A^H^ Iladj^" abgeschlossene Versicherung über 20 000 DM laute und wahlweise eine Rentenversicherung mit monatlich 200 DM Rente sei. monatlich 200 DM gewährleistet ist, die Verpflichtung des Beklagton gegenüber der Klägerin noch nicht, wie das angefochtono Urteil in seinem entscheidenden Teil ausgesprochen hat, uneingeschränkt dahin, daß er dem Versicherer gegenüber die Klägerin als alleinige unwiderrufliche Bezugsberechtigte für die von ihm abgeschlossene Lebensversicherung über 20 000 DM, “die wahlweise eine Rentenversicherung mit monatlich 200 DM ist", zu benennen habe^ Denn durch die einseitige Erklärung gegenüber dem Versicherer kann der Beklagte keine Bczugsrechte begründen oder übertragen, die sich aus dem Versicherungsvertrag nicht ergeben, und die einseitige Benennung der Klägerin gegenüber dem Versicherer ist gegenstandslos, soweit sie sich nach ihrem Wortlaut auf Leistungen des Versicherers besieht, die dieser nach dem Versicherungsvertrag nicht schuldet. Zur Abgabe einer Erklärung, die auf Übertragung noch nicht bestehender Bosugsrechte gerichtet ist, kann deshalb der Beklagte ungeachtet des 'Wortlauts des § 4 der Scheidungsvereinbarung nicht gegenüber der Klägerin verpflichtet sein, und dem Klagantragc könnte aus diesem Grunde nicht stattgegoben werden, soweit er die Übertragung dos Bezugsrechto auf eine monatliche Rente von 200 DM zu dem Gegenstand hat, solange sich noch kein Rentenansprueh in dieser Höhe aus dom Versicherungsvertrag ergibt.