BGH · IV ZR 28/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ist der Verfolgte bei der Entlassung aus einem unselbständigen Arbeitsverhältnis durch Abfindung für seine vertraglichen Rechte von seinem Arbeitgeber so gestellt worden, daß er, ohne eine neue Erwerbstätigkeit auszuüben, eine ausreichende Lebensgrundlage behalten hat, so entfällt nicht schon deshalb ein Entschädigungsanspruch, Roch kann, wenn der Verfolgte die Aufnahme einer zu demutbaren Erv/erbStätigkeit unterläßt, die Vorschrift des § 9 Abs, 1 BEG über die Berücksichtigung mitwirkenden Verschuldens anwendbar sein, Hat der aus einem unselbständigen Arbeitsverhältnis entlassene Verfolgte nach der Entlassung für eine beschränkte Zeit noch seine Bezüge ganz oder zu dem Teil weitererhalten, so beginnt der Schadenszeitraum mit dem Zeitpunkt, in dem eine Hinderung der Bezüge eingetreten ist, Rie nach der Entlassung liegende Zeit, für die geminderte Bezüge geleistet worden sind, .und diejenige, in der diese ganz weggefallen sind, wird als einheit- * Die nach § 92 Abs<> 3 BEG zu berücksichtigenden \ Leistungen und das nach § 77 BEG anzurechnende Arbeitseinkommen sind zusammen mit der nach § 76 Abs» 1 BEG - also ohne den Zuschlag des § 76 Abs» 3 oder des § 92 AbSo 2 BEG - errech-neten KapitalentSchädigung den erreichbaren BienstbeZügen eines vergleichbaren Bundesbeamten gegenüberzusteilen* Bie Beträge, um die sich die Kapitalentschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen nach den §§ 77, 92 Abs* 3 BEG mindert, sind von dem errechneten Betrag der KapitalentSchädigung und nicht von dem in § 123 Abs* 1 BEG vorgesehenen Höchstbetrag abzusetzen* Das Urteil des 17c Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom l4o November 1957 wird aufgehobene Der Rechtsstreit wird zur erneuten Verhandlung und v Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revisionen, an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Der am 21, April 1879 geborene Kläger ist mit einer Jüdin verheiratete Br selbst ist nicht Jude» Er war früher ordentliches Vorstandsmitglied der D^/0 AG (A^pges eil schaff) in Berlin« Dort hatte er seinen Wohnsitz in demjenigen Teil der Stadt, der jetzt zu den Westsektoren gehört« Die Hechtsbeziehungen zwischen ihm und der Gesellschaft waren zuletzt durch einen Vertrag vom 21 «/22« Februar 1936 geregelt« In diesem war u»a, bestimmts Der Kläger betätigte sich zunächst beruflich nicht Nach dem Kriege fand er bei der Gesellschaft in Paris und anderen mit dieser verbundenen Unternehmungen Beschäftigung» Er verdiente dort monatlich etwa den Gegenwert von 300 Dollar in französischen Pranken» Diese Tätigkeit dauerte bis zu dem April 1955» Der Kläger hat Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen begehrt» Bei der Entschädigungsbehörde hat er deshalb eine Kapitalentschädigung verlangt» Das Entschädigungsamt hat den Antrag durch Bescheid vom 19. Schädigung die Rente zu wählen» Er hat im ersten Rechtszug den Antrag gestellt, den Bescheid des Entschädigungsamts aufzuheben, und das beklagte land zu verurteilen, an ihn 14»000 DM nebst 4 i<> Zinsen seit dem 1» Marz 195b sowie für die Zeit vom 1» März 1956 bis an sein Lebensende eine Rente von monatlich 500 DM zu zahlen» Der Kläger hat Berufung eingelegt und nunmehr beantragt, das Urteil des Landgerichts zu ändern und das beklagte Land zu verurteilen, an ihn für die Zeit vom lo November 1953 ab eine monatliche Rente von 600 DM zu zahlen, hilfsweise, das beklagte Land zu verurteilen, an ihn eine Kapitalentschädigung von 40 o 000 DM zu zahlen.. Das beklagte Land hat beantragt, die Berufung zurückzuweiseno Das Kammergericht hat durch Urteil vom 14* November 1957 die Entscheidung des Landgerichts teilweise geändert und das beklagte Land verurteilt, an den Kläger vom 1„November 1953 ab eine monatliche Rente von 208,- DM zu zahlen«, Beide Parteien haben Revision eingelegte Der Kläger hat zunächst beantragt, das Urteil des Kammergerichts teilweise zu ändern und das beklagte Land zu verurteilen, an ihn vom lo November 1953 ab eine monatliche Rente von mindestens 514 DM zu zahlen.. Nach dem Ablauf der Prist zur Begründung der Revision hat der Kläger den Antrag dahin gefaßt, daß die monatliche Rente, zii deren Zahlung vom 1»-November 1953 ab das beklagte Land, verurteilt werden soll, 600 DM beträgt. mit dem er nach dem Ablauf der Frist zur Begründung der Revision ebenso wie im Berufungsrechtszug die Verurteilung des beklagten Landes zur 2ahlung einer Monatsrente von 60Ö?- DM für die Zeit seit dem 1» November 1953 begehrt hat? daß eine Verurteilung des beklagten Landes zur Zahlung der Höchstrente von monatlich 600?- DM (§ 95 Abs» 1 BEO) nicht mehr in Betracht kommen solle? A) lo Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß der Kläger, der seine Stellung bei der D^|) aufgeben mußte, weil er mit einer Jüdin verheiratet ist, im Reichsgebiet nach dem Stande vom 51• Dezember 1957 aus Gründen der Rasse verfolgt und dadurch in seinem beruflichen Fortkommen nicht nur geringfügig benachteiligt worden ist (§ 64 BEG)• Der Kläger ist in der Nutzung seiner Arbeitskraft geschädigt worden (§ 65 BEG)* Mit Recht hat das Berufungsgericht geprüft, ob die von ihm geltend gemachten Entschädigungsansprüche nach den §§ 87 bis 93 BEG begründet sind* Wenn auch der Kläger leitende Funktionen in der Wirtschaft ausübte und sich in einer Spitzenstellung befand, so war er doch-auf Grund eines mit der D^[^ geschlossenen Dienstvertrages tätig, und eine Entschädigung für ihn kommt deshalb' nicht nach den Vorschriften in Betracht, die fürdie selbständigen Berufe erlassen sind, sondern nach denjenigen, die für die \mselbständigen Berufe, und zwar den privaten Dienst, gelten (§ 8? schaftlich so gestellt worden ist, daß er, auch ohne eine neue Erwerbs'tätigkeit auszuüben, eine ausreichende Lehensgrundlage im Sinne des § 75 Abs* 2 BEG hatte„ Nach dem Gesetz wird eine Entschädigung für die Beeinträchtigung gewährt, die der Verfolgte durch die Entlassung aus seinem Dienstverhältnis erlitten hato Zuwendungen, die er, wie im vorliegenden Pall, bei dessen Auflösung wesentlich auch zur Abfindung für die aufgegebenen Rechte aus dem Vertrag und nicht nur zur Versorgung erhalten hat, sind nur nach § 92 Abs, 3 BEG zu .berücksichtigen; die Erlangung einer ausreichenden Lebensgrundlage kommt dann nur, sofern sie durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gewonnen wurde, nach Maßgabe der § 92 Abs* 1, § 75 Abs» 1 BEG für die Beendigung des SchadensZeitraumes in Betracht» Unterläßt der Verfolgte, weil er ohnehin sein Auskommen hat, die Aufnahme einer ihm zu demutbaren Erwerbstätigkeit, so kann aber unter Umständen die Vorschrift des § 9 Abs» 1 BEG über die Berücksichtigung mitwirkenden Verschuldens anwendbar sein« Doch sind dafür, daß der Kläger nach seiner Entlassung schuldhaft seine Arbeitskraft nicht ausgenutzt habe, keine Anhaltspunkte hervorgetreten0 Er stand zur Zeit der Auflösung des Vertrages schon im 60» Lebensjahr, außerdem konnte er sich an das in dem Anstellungsvertrag vom 21./22. Wegen des Schadens, der dem Kläger durch die Entlassung aus seinem Arbeitsverhältnis entstanden ist, kann er eine KapitalentSchädigung oder eine Rente verlangen (§ 91 BEG)* Das in § 94 BEG vorgesehene Alterserfordernis für das Recht, eine Rente zu wählen, liegt bei dem Kläger vor«, Dadurch, daß der Kläger in dem Verfahren vor der Entschädigungsbehörde die Zahlung einer KapitalentSchädigung verlangt hatte, hat er von dem damals nach § 36 Abs.1, 5, § 33 AbSo 4 BErgG (jetzt §§ 93, 94, 96 BEG) zustehenden Wahlrecht noch keinen Gebrauch gemacht, da er keine eindeu-' tige dahingehende Erklärung abgegeben hato Die Wahl ist auch rechtzeitig erfolgt» Nach § 96 Satz 2 BEG in der Fassung des Xnderungsgesetzes, die rückwirkend vom 1«Oktober 1933' an gilt (§ 241 BEG), beginnt 'die für die Ausübung des Wahlrechts gesetzte Frist mit dem Tage, an dem der Bescheid der Entschädigungsbehörde unanfechtbar oder eine gerichtliche Entscheidung rechtskräftig geworden ist» Nach dem geltenden Recht ist mithin diese Frist noch nicht in Lauf gesetzt worden» 2o Verfahrensrechtlich unerheblich ist es, wie auch das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, daß der Kläger das Wahlrecht erst ausgeübt hat, als die von ihm erhobenen Ansprüche auf Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen durch Entlass\mg ausjseinem privaten Dienstverhältnis bereits von der Entschädigungsbehörde abgelehnt waren» Einer weiteren Entscheidung der Entschädigungsbehörde über den nunmehr geltend gemachten Rentenanspruch im besonderen bedarf es nicht; über den Entschädigungsanspruch, so wie er sich durch die Ausübung des Wahlrechts gestaltet hat, ist vielmehr nur noch durch die Entschädigungsgerichte auf Grund der Klage zu befinden, die der Kläger gegen den ablehnenden Bescheid der Entschädigungsbehörde erhoben hat» Juni 1954 V ZR 67/53* BUHZ 14* 11* 14) hat das Kammergericht abgesehen» Das war im Rahmen des § 540 ZPO statthaft* wobei in Entschädigungsverfahren das Gebot der Beschleunigung (§ 179 Abs. 1 BEG) von besonderer Bedeutung' ist« Die Abstandnahme von der Zurückverweisung hätte aber in dem angefochtenen Urteil begründet werden sollen* was nicht geschehen ist» Da jedoch keine Partei in dieser Richtung eine Verfahrensrüge erhoben hat* sind schon deshalb aus diesem Versäumnis keine Polgen herzuleiten (Urteil des V« Zivilsenats des BGH vom 16» Oktober 1953 V ZR 162/52* LM ZPO § 256 Nr» 16)» Mit Recht hat das Berufungsgericht deshalb zunächst geprüft* in welcher Höhe dem Kläger eine solche nach Maßgabe des § 92 BEG und der dort in bezug genommenen Vorschriften zustehen würde« 2o Den Beginn des Schadenszeitraums hat das Berufungsgericht auf den 1* Juli 1938 angesetzt, den Tag, von dem an der Kläger nicht mehr seine vollen vertraglich festgesetzten Bezüge erhielt. Dabei sei unerheblich, daß nach der Auffassung des Berufungsgerichts das Wegegeld, das dem Kläger nach seiner Entlassung gezahlt worden sei, in Wirklichkeit das Gehalt für die bis zu dem Ablauf des Anstellungsvertrages noch fehlende Zeit habe darstellen sollen<> Im Ergebnis habe der Kläger aber in dieser Zeit von der D^^ wesentlich weniger als früher erhalten, da ihm insbesondere die Tantieme nicht mehr zugeflossen sei, Zu berücksichtigen sei auch, daß an ihn von der Entlassung an 125-000 RM in fünf Jahresraten gezahlt worden seien. Ihm stehe deshalb eine Entschädigung wegen der Minderung seines Einkommens bis zu diesem Zeitpunkt nach § 92 Abs. 1 in Verbindung mit § ?6 Abs. 2 BEO und für die Zeit vom 1. Zwar mögen die Vorschriften des § 92 Abs. 1 in Verbindung mit § 76 Abs, 4 BEG nicht die Bedeutung haben, daß eine Zusammenfassung zu einem einheitlichen Scfaadenszeiträum auch dann vorzunehmen ist, wenn der Verfolgte zunächst in seiner beruflichen Tätigkeit beschränkt und dann aus ihr verdrängt wurde (van Dam/Loos BEO § 76 Anm, 19); von einer Beschränkung wenn der Verfolgte die Tätigkeit bei seinem bisherigen Arbeitgeber völlig aufgeben mußte und nur noch für einige Zeit einen Teil seiner Bezüge weiter erhielte Bann ist vielmehr die Vorschrift des § 92 Abs«, 3 BEG anzuwenden» Ber Beginn der Verdrängung aus der beruflichen Tätigkeit ist mit dem Zeitpunkt anzusetzen? Diese allgemein gehaltene Begründung ist rechtlich nicht -unbedenklichoDas Berufungsgericht hat den Kläger, der schon vor dem Beginn der Verfolgung das 55* Lebenswahr vollendet hatte, zutreffend in die vergleichbare Beamtengruppe des höheren Dienstes eingereiht (§92 Abs* 1, § 76 Abs«, 1 Satz 3, 4 BEG, § 30 Abs* 1, § 14 Absa 1 Satz 1 3oDV-BEG)0 Nach der in Anlage 1 zur 3» DV-BEG veröffentlichten Tabelle hätte er demnach nachhaltig ein Jahreseinkommen von 12„960 m9 seit dem 1« Oktober 1953 von 14<>400 DM, erzielen müssen, um im Sinne des § 12 Abs* 1, 2 3oDV-BEG eine ausreichende Lebensgrundlage zu erreichene Wenn auch die Annahme nahe liegen mag, daß das nicht der Fall gewesen sei, so wäre es doch angebracht gewesen, darüber nähere Ausführungen zu machen, zu demal nicht ersichtlich ist, nach welchem Maßstab die in französischer Währung bezogenen Einkünfte in die Währung der Vereinigten Staaten von Amerika, in der sie der Entscheidung zugrunde gelegt sind, erfolgt ist» Das Berufungsgericht hatte zunächst die von dem Kläger im Ausland in französischen Franken erzielten Einkünfte gemäß den §§ 29, 12 AbSo 3 3oDV-BEG zu bewerten, gegebenenfalls nach Maßgabe dieser Vorschriften unter Berücksichtigung der Kaufkraft des Frankens«, Alsdann waren die Einkünfte entsprechend den §§ 29, 12 Abso 1, 2 3oDV-BEG in Verbindung mit deren Anlage 1 in einen Vergleich zu dem Durchschnittseinkommen eines vergleichbaren Beamten zu setzen; daran hätte das .'Gericht sich freilich nicht zu halten brauchen, wenn gewichtige Gründe dafür sprachen, auf andere 7/eise die Feststellung zu treffen, ob die erzielten Einkünfte dem Kläger eine nachhaltige Lebensgrundlage boten«, Den Bedenken, die gegen die Rechtsgültigkeit des § 12 Abs«, 1, 2 3oDV-BEG erho- früheren nicht gleichzusetzen war* Trotzdem konnte das Berufungsgericht die Vermutung des § 79 Abs* 1 Satz 2 BEO auch für eine solche Tätigkeit, wie sie dem Kläger bei der abgelegen hatte, als entkräftet ansehen* c) Die Revision des beklagten Landes weist jedoch weiter darauf hin, daß der zwischen dem Kläger 'und der ge- daß hier von der vertraglich festgelegten und allgemein geübten Regelung eine Ausnahme gemacht worden wäre* Außerdem habe für die D^^^nach dem Zusammenbruch eine Mitarbeit des Klägers nur beim Vorliegen besonderer Umstände von Interesse sein können* Es wäre deshalb zu untersuchen gewesen, ob und in welchem Umfange ohne die Verfolgung des Klägers von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht worden wäre, sowie unter Umständen ferner, ob -und wie lange der Kläger trotz des Wortlauts des Anstellungsvertrages etwa über den 31« Dezember 1945 hinaus bei der D^^ tätig gewesen wäre* Dabei hätten auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der D^^ nach dem Zusammenbruch in Rechnung gestellt werden müssen« Schließlich wäre erheblich, ob der Kläger, wenn er nicht aus Verfolgungsgründen entlassen worden wäre, sondern sein Arbeitsverhältnis bei der später aus sonstigen Gründen geendet hätte, eine andere Tätigkeit gefunden und dadurch seine Arbeitskraft genutzt hätte« In Rechnung zu stellen wäre hier auch eine etwa erst nach dem Zusammenbruch neu aufgenommene Tätigkeit, die der Kläger sich als aus geschiedenes Vorstandsmitglied der D^fp hätte verschaffen können, zu deren Übernahme er aber infolge seiner verfolgungsbedingten Entlassung keine Gelegenheit hatte« 18 3°DV-BEG und die Anlage 2 zu dieser für den gesamten Schadens Zeitraum zu berechnen,, Erst davon sind dann die Abzüge, die sich nach § 92 Abs» 3, § 77 BEG ergeben, vorzunehmeno Bas Berufungsgericht hat dagegen zunächst die Entschädigung für die Zeit vor der Währungsumstellung berechnet und von dem sich ergebenden Reichsmarkbetrag Abzüge in derselben Währung nach Maßgabe des § 92 Abs.3 BEG vorgenommen, wobei sich ein Betrag zu Basten des Klägers ergeben hat« Alsdann hat es die Berechnung für die Zeit nach der Währungsumstellung in Bevit scher Mark vor-genommen und hierbei diesen Betrag, umgestellt im Verhältnis 10 : 2 in Deutsche Mark, berücksichtigte Es entspricht jedoch dem Gesetz, bei der Berechnung so vorzugehen, wie es hier dargelegt ist. Es schlägt auch nicht der bei van Dam/Boos für die Gegenansicht angeführte Gesichtspunkt durch, es stelle eine ungerechtfertigte Benachteiligung der in eine niedere Beamtengruppe einzustufenden Verfolgten dar, wenn von der errechneten Kapitalentschädigung ausgegangen werde, weil diese Gruppe der Verfolgten dann die Kürzungen in vollem Umfange tragen müsse, während die Kürzungen sich bei den höher Einge- b) Abzusetzen sind zunächst die in § 92 Abs» 3.BEG- genannten Leistungen» Sie sind zusammen mit dem anderweitig seit dem 1» Juli 1948 erzielten Arbeitseinkommen und der nach § 76 Abs» 1 BEG- errechneten Kapitalentschädigung den erreichbaren Dienstbezügen eines vergleichbaren Beamten gegenüberzustellenj die Kürzung hat auch in dieser Hinsicht nur zu erfolgen, soweit die sich ergebende Summe die erreichbaren Dienstbezüge übersteigt (Blessin/Wilden § .92 Anm» 16; anders’van Dam/Loos § 92 Anm» 4)» Nach dem Wortlaut des § 92 Abs» 3 BEG findet nämlich § 77 BEG mit der Maßgabe Anwendung?, daß außer dem durch anderweitige Verwertung'der Arbeitskraft erzielten Einkommen die hier genannten Leistungen zu berücksichtigen sind» Dies deutet darauf hin? daß das Arbeitseinkommen und die sonstigen' Leistungen gleich zu behandeln sind» Das ist auch sach-gemäß, denn das anderweitig erzielte Arbeitseinkommen mindert den entstandenen Schaden ebenso wie diese Leistungen» Schadenmindemde Beträge immittelbar von der KapitalentSchädigung abzuziehen? c) aa) Die-Revision des beklagten Landes beanstandet, daß das Berufungsgericht die dem Kläger bei seinem Ausscheiden gezahlte Tantieme von 50*000 RM in vollem Umfange unberücksichtigt gelassen hat, obv/ohl der Kläger seinen Dienst bei der D^J^ am 1* Juli 1958 verließ und'die Tantieme sich auf das damals laufende Geschäftsjahr, das vom 1« Oktober 1937 bis zu dem 30. cc) Die Revision des beklagten Landes wendet sich dagegen, daß das Berufungsgericht nicht auch das angeblich von der AG gezahlte Wegegeld in Höhe von 25*000 Düese Rüge ist ebenfalls begründet Das Berufungsgericht durfte sich nicht mit der Feststellung begnügen, bei der D^j^P habe es sich nicht um den Arbeitgeber des Klägers, sondern eine andere Aktiengesellschaft gehandelt* Hach dem Anstellungsvertrag vom 21*/22* Februar 1936 war der Kläger verpflichtet, auch bei der Leitung bestimmter anderer Unternehmen mitzuwirken, und die Annahme liegt nahe, daß es sich bei der D^P^pum ein'derartiges Unternehmen handelte» Wenn das zutreffen und der Kläger auch für die D^^P tätig gewesen sein sollte, so wäre auch dieses Wegegeld anzurechnen, sofern der Kläger es tatsächlich erhalten hat* Hierüber fehlt es noch an bestimmten Feststellungen» Her Sachverhalt hätte in dieser Hinsicht daher näher geprüft werden müssen„ dd) Has Berufungsgericht hat den in fünf Jahresraten gezahlten Betrag von 125.000 RM, der auf Grund des Anstellungsvertrages als Entgelt für das Konkurrenzverbot gezahlt sei, nach § 92 Abs» 3 BEG angerechnet0 Hie Revision des Klägers hat die,Anrechnung nicht beanstandet. Has Berufungsgericht hat diese Einkünfte einheitlich mit 750 HM im Monat angesetzt, ohne auf die §§ 32, 17 Abs» § 12 Abs.3 3.HV-BEG, die die Bewertung von Auslandseinkünften betreffen, einzugehen» Es wäre jedoch eine Bewertung des in französischer Währung erzielten Einkommens nach Maßgabe der genannten Vorschriften geboten gewesen» e) • Mit Recht beanstandet die Revision des Klägers, daß das Berufungsgerieht in die nach den §§ 77, 92 BEG vorzunehmende Berechnung die Kapitalentschädigung mit dem in § 92 Abs. 2 BEG vorgesehenen 20#igen Zuschlag eingesetzt hat. Die Berechnung hat derart zu erfolgen, daß das seit dem 1» Juli 1948 erzielte Einkommen, die nach § 92 Abs» 3 Beg zu berücksichtigenden Leistungen und die - ohne den Zuschlag berechnete - KapitalentSchädigung für den gesamten Entschädigungszeitraum den während' dieses ganzen Zeitraums erreichbaren Dienstbezügen eines vergleichbaren Bundesbeamten gegenüberzustellen sind (§ 17 Abs» 1 Satz 2 3,DV-BEG)o f) Die erreichbaren Dienstbezüge eines Bundesbeamten des höheren Dienstes sind nach § 77 Satz 1, 2, § 76 Abs» 2 Satz 2 BEG, §§ 32, 17 Abs« 1 Satz 1, § 15 - 3.DV-BEG und Anlage 3 zu dieser VO zu berechnen, und zwar ebenfalls für den ganzen EntschädigungsZeitraum.