BGH · IV ZR 25/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Über den Antrag auf Gewährung der Soforthilfe für Rückwanderer hat dio Entschädigungsbehörde den Bescheid vom 15® Juni 1957 erlassen® In ihm wird anerkannte daß dem Kläger eine Soforthilfe von 6®ooo BM zusteht* auf diesen Anspruch aber der auf Grund des früheren Vergleichs gezahlte Betrag von 3«8oo DM angerechneto Dementsprechend wurden 2«2oo DH an den Kläger gezahlt» In den Gründen der Entscheidung wird ausgeführtr daß die Anrechnung der Vergleichssumme in diesem Umfang weder nach § 141 BIG noch nach § Io BIG zulässig sei, da der Kläger für eine Haftzeit von 24 Monaten eine- Haftontschä-digung von 3«600 DM zu beanspruchen habe» Trotz des Wegfalls des Vergleiches sei der Kläger in Höhe der Haftentschädigung von 3«600 DM nicht ungerechtfertigt bereichert« Nur der Restbetrag von 2oo DM aus dem Vergleich sei anrechnungsfähig, da noch micht zu übersehen sei, ob und in welchem Ausmaß dom Kläger eine Entschädigung wogen Schadens im beruf liehen und wirtschaftlichen Portkommen zustehe Auf die Berufung des beklagten Landes hat das Oberlandesgericht die Klage abgewiesen« Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger seinen Io Ifas Landgericht hat die Klage in Höhe einos Betrages von 2ooy- DM abgov/ioson und ihr nur wogen eines Betrages von 3*600 DM stattgegebeiio Gegen den abweisenden Teil dieses Erkenntnisses hat der Kläger weder selbständige noch Anschlußberufung eingelegt« Insoweit ist das landgerichtliche Urteil am Schluß der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht rechtskx’äftig geworden Peshalb kann der Kläger in dem Revisionsrechtszug den ursprünglichen KXaganßpruch in Höhe von 3<>8oo*- DM nicht mehr geltend machen* sondern nur einen Tcilanspruch von 3c600 DM« Hinsichtlich des überschießenden Betrages von 2oo*- DM ist die Revision-ohne weiteres unbegründete a) Allerdings kann dem Berufungsgericht nicht darin gefolgt werden* wenn es ausführt* die Klage sei schon deswegen unbegründet* weil dem Kläger ein Sofar thilfoanspruch nach § 141 BEG nicht zustehe* da er bereits vor dem 8« Mai 1945 aus Auschwitz in däs Konzentrationslager Buchenwald und später in die Konzentrationslager Ellrich und Borgen-Belsen überführt .worden sei« Das Berufungsgericht meint* einer derartigen sachlichen Nachprüfung des So for thilfc-anspruchs stehe nicht entgegen* daß in dem Bescheid vom 15o Juni 1957 der Anspruch auf Soforthilfe in vollem Umfang* nämlich in Höhe von 6«ooo DM* "zuerkonnt" worden sei« Denn die Zuerkennung sei hinfällig* nachdem hinsichtlich des nicht ausgezahlten Betrages von 3«800*- DM der Bescheid innerhalb def Klagfrist angefochten worden sei und Diese Ausführungen verkennen die Bedeutung der in der Entscheidungsforraol getroffenen Peststellung, daß "dem Antragsteller eine Soforthilfe für Rückwanderer in Höhe von 6,ooo DM zusteht"* Jedes auf Grund des Bundoocaitschädigungsgosotzos geltend gemachte Recht bedarf zunächst der Posts to Hung durch die Entschädigungsbehörde 5 diese Feststellung erfolgt durch Bescheid (§ 185 Abs* 1 BEG)* Wesentlichster Teil dieser Entscheidung ist die Entscheidungsformel (§ 195 Abs* 2 Hr, 2 aaO), Was die Formel'im Gegensatz zur Begründung (§ 195 Abs* 3 Hr*.3 aaO) enthalten muß, wird im Gesotz nicht ausdrücklich gesagt. In einem solchen Pall zerfällt die Entscheidungsformol, die dasselbe ist wie der Verfügungosatz eines Verwaltungsakts (vgl* hierzu Haueisen in NJW 1959* 697 ff)* in zwei selbständige Teile* einmal in dio Feststellung des Rechts in seinem vollen nach dem Gesotz bestehenden Umfang, und dann in die Feststellung der Einschränkungen« die dieses Recht durch die Anrechnung früherer Leistungen erfährt« Wird der Anspruch nicht aus anderen Gründen ganz oder teilweise vernoint, so ist der durch den Bescheid Begünstigte nur durch die Anrechnung der Leistungen beschwert* Pie Feststellung des Rechts als solches ist und bleibt bindend und kann nicht mehr in Frage gestellt werden* wenn der Begünstigte im Wege der Klage nach § 2o6 BEG gegen die Anrechnung von Leistun-oaer gen,/was dem in dieser Beziehung gleichsteht« gegen die Verrechnung oder Aufrechnung mit Gegenansprüchen dos entschädigungspflichtigen Landes angeht* Pie gegenteilige Ansicht wird dem besonderen Charakter des Bescheides der Entschädigungsbehörde nach § 195 BEG und seiner Bedeutung für das seinen Gegenstand bildende Recht nicht gerecht* Daraus ergibt sich, daß Gegenstand des vorliegenden Streitverfahrens nicht mehr sein kann« ob dem Kläger ein Soforthilfeanspruch nach § 141 BEG zusteht ' oder nicht* Von dem Bestehen eines solchen Soforthilfe-anspruchB ist. gefallen, daß er den Vergleich, indessen Erfüllung diese Leistung erbracht worden ist, nach § 255 BEG rechts-wirksam engefochten hat* Biese Leistung kann deshalb von dem beklagten Land zurückgefordert werden* Lies ist zwar im Gesetz nicht ausdrücklich ausgesprochen, ergibt sich aber aus ähnlichen Rechtslagen, wie sie durch den Widerruf von Bescheiden oder dio Entziehung von Entschädigungsansprüchen entstehen (vgl* §§ 7 Abs« 3, 17o Abs« 2, 2o4 Abs« 1 BEG)« Der Wegfall eines Vergleiches ist in dieser Beziehung nicht anders zu behandeln als der Wegfall einer Verfügung, auf die sich die erbrachte Leistung bezogen hat (vgl« § 2oo Abs« 2 BEG)* Ohne Rechtsirrtum hat der Berufungsrichtor auch angenommen, daß der Kläger nicht geltend machen kann, er habe auf Grund des Bundesentschädigungsgesetzes einen Anspruch, der einen Rechtsgrund für die Loistung bilde, die auf Grund des nunmehr weggefallenen Vergleichs erfolgt sei. und im beruflichen Fortkommen - noch nicht erfolgt« Ebensowenig ist dargetan, daß etwa die Voraussetzungen des § 216 BEG für dio Üntätigkeitsklage wegen dieser Entschädigungsansprüche vorliegen. Steht aber dem beklagten Land gegen den Kläger ein Gegenanspruch auf Zahlung von 3.8oo PM zu, so ist es nicht gehindert, sich dieses Anspruchs zu dem Ausgleich für den BLagsnspruch zu bedienen* Es handelt sich dabei nicht um die Anrechnung der von dem Kläger erhaltenen Leistungen, wie das Berufungsgericht meint, sondern um eine durch den Bescheid vollzogene Verrechnung oder Aufrech-