BGH · IV ZR 25/58
Originalentscheidung als PDF
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. Gesetz- BEG 1956 § 2 Rechtssatzs Wird ein Soldat in einem ordnungsmäßig geführten Kriegsgerichtsverfahren wegen eines rein kriminellen Vergehens bestraft, so liegt in der das Verfahren einleitenden Einreichung eines wahrheitsgemäßen Tatberichts■durch seinen Vorgesetzten,keine nationalsozialistische Gewaltmaßhahml^/wenn dieser aus politischen Gründen dem Soldat gegenüber feindselig gesinnt war und damit aus dieser Gesinnung heraus gehandelt hat„ Im übrigen sind die Verfahren gebühren-und auslagenfreio Von Rechts wegen Tatbestands Der im Jahre 1904 geborene Kläger war aktiver Oberstabsärzte Y/ährend des Krieges wurde er bei einer Armee-Sani täts-Kompanie in Polen eingesetzte Am 2. Von den übrigen Punkten der Anklage wurde er freigesprocheno Die Untreue wurde darin erblickt, daß der Kläger mit Kraftfahrzeugen eine Reihe von Privatfahrten (insgesamt 4300 km) unternommen habe., Wegen Mißbrauch der Dienstgewalt wur de er verurteilt, weil er einem ihm unterstellten Unteroffizier befohlen hatte, eine Volksdeutsche Polin, mit der der Kläger Beziehungen unterhielt, in einem Beutefahrzeug an die deutschrussische Demarkationslinie zu fahren, damit die Polin sich aus dem russisch-besetzten Gebiet ihr gehörige Gegenstände holen konnte.Der Unterlassung der Meldung einer strafbaren Handlung wurde der Klager für schuldig befunden, weil er einen ihm unterstellen Unteroffizier nicht gemeldet hatte, der wegen Unterschlagung von Geld bei einem Geldwechselgeschäft mit einem polnischen Zivilisten angezeigt worden war., Bei der Bemessung der Strafe wurden, wie es in dem Urteil des Kriegsgerichts heißt, der "leicht psychopathische Zug" des Angeklagten sowie die Tatsache seiner bisherigen Straflosigkeit und seine im übrigen gute dienstliche Leistung berücksichtigte Von dem Ausspruch des -Rangverlustes habe das Gericht trots Fehlens eines. Der Kläger hat Yfiedergutmachungsanspriiche auf Grund des BWGöD erhoben, If^chdem der Bundes innenmini st er diese durch Bescheid vom Io März 1955 abgelehnt hatte, kam es in einem Verfahren vor dem Landesverwaltungsgericht zu einem Vergleich, In diesem wurden dem Kläger die Rechte eines bei Kriegsende im Dienst befindlich-gewesenen, am 1, April 1942 beförderten Oberfeldarztes auf Grund des Gesetzes zu Art, 131 zugebilligt und die Be- fugnis verliehen* die Bezeichnung Oberfeldarzt a.D* zu führen« Der Klager verzichtete seinerseits auf weitergehende Ansprüche aus dem BY/GöD; evtl«, Ansprüche auf Grund des Bundes ent schädig gungsgesetzes sollten durch den Vergleich nicht berührt werden« Ein von dem Kläger nach dem niedersächsischen Landesrecht anhängig gemachtes Verfahren mit dem Ziel der Anerkennung und Entschädigung als politisch Verfolgter ist* nachdem der niedersächsische Beschwerdeausschuß den Kläger als Verfolgten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft anerkannt hatte* infolge Inkrafttretens des Bundesergänzungsgesetzes nicht mehr zu dem Abschluß gekommene Der Kläger macht in dem hier vorliegenden Verfahren Entschädigungsansprüche auf Grund des Bundesentschädigungsgesetzes geltend und zwar für Schäden an Freiheit* Körper und Gesundheit* an Eigentum und Vermögen und im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommeno Wahrend die Entschädigungsbehörde ihm solche Ansprüche versagt hat* hat das Landgericht ihm durch ein Teilurteil die Entschädigung für Schaden an Freiheit unter Abweisung der für diesen Schaden geltend gemachten weitergehenden Entschädigungsansprüche für die Zeit seiner Haft und seiner Zugehörigkeit zu dem Bewährungsbataillon in Höhe von 1.350*- DM zugebilligt und seine Ansprüche auf Entschädigung für Schaden an Körper und Gesundheit sowie für Schaden im beruflichen Fortkommen in der Zeit vor dem 1« April 1950 dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt«, In der von dem Beklagten eingelegten Berufung ist beantragt worden* das Urteil des Landgerichts aufzuheben und die Klage abzuweisen,, Der Kläger hat Zurückweisung der Berufung beantragte Das Berufungsgericht hat die vom beklagten Land eingelegte Berufung zurückgewiesen« Es hat die ‘Revision zugelassen« Das Berufungsgericht hat den Prozeßstoff eingehend gewürdigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, die über den Kläger vom Feldkriegsgericht verhängte Strafe sei auffallend hart gewesen, auch die Degradierung habe außer Verhältnis zu den begangenen Taten gestanden* Jedoch läge kein Anhalt dafür vor, daß die harte Bestrafung durch das Kriegsgericht aus den Verfolgungsgründen des § 1 BEG erfolgt sei« Die hohe Strafe fände vielmehr bei Gesamtwürdigung aller Umstände ihre natürliche Erklärung darin, daß das Kriegsgericht den Kläger zwecks ■abschreckender Bekämpfung des Etappengeistes besonders empfindlich habe treffen wollen«. Bei der Verurteilung des Klägers durch das Kriegsgericht habe es sich um Taten gehandelt, die nach dem Militärstrafgesetzbuch und dem Strafgesetzbuch strafbar gewesen seien» Ein Anhaltspunkt dafür, daß das Kriegsgericht das Recht gebeugt habe, indem es den Kläger wissentlich trotz seiner Unschuld verurteilt habe, sei nicht hervorgetreten. Auch sei für die Annahme kein Raum, das Gericht habe den Kläger aus Gründen des § 1 BEG härter bestrafen wollen, als dies der Schwere der begangenen Taten entsprochen hätte» Diese Ausführungen des Berufungsgerichts lassen einen Rechtsfehler nicht erkennen» Das Berufungsgericht glaubt trotzdem eine Verfolgung und Schädigung des Klägers aus Gründen des § 1 BEG bejahen zu können, weil die Inhaftierung und Verurteilung des Klägers durch das Kriegsgericht auf das Verhalten seines Abteilungskommandeurs, des Leiters der Armee-Sanitätsabteilung, des Oberstabsarztes Dr» und des Vertreters der Anklage zu- rückzuführen sei, ihr Vorgehen gegen den Kläger sei als nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahme anzusehen* Scb^pP sei die antinationalsozialistische Einstellung des Klägers bekannt gewesen, und aus diesem Grunde allein habe er, ohne den Kläger zu hören und diesem die Möglichkeit einer Verteidigung zu geben, Tatbericht eingereicht und ihn zu einer Besprechung auf der Oberfeldkommandantur befohlen» Dort seien dem Kläger durch nur die Anklagepunktg vorgehalten worden, und er sei dann, ohne dazu vernommen worden zu sein, sofort in Haft genommen worden» Ein derartiges Verfahren sei in jeder Hinsicht ungewöhnlich gewesen, und es zeige deutlich, daß es nur darauf angekommen sei, den Kläger wegen seiner politischen Gegnerschaft zu dem Nationalsozialismus zu erledigen» Zwar habe das Kriegsgericht den Kläger nicht als Gegner des Nationalsozialismus treffen wollen, es sei aber bekannt, daß gerade in Offizierskreisen das Bestreben anzutreffen gewesen wäre, Verfehlungen, wie sie der Kläger begangen habe, wenn irgend möglich, auf disziplinär eia Wege beizulegen» Wenn Sch^J} entgegen diesen Gepflogenheiten unter Verstoß gegen alle auch sonst üblichen "Spielregeln" das kriegsgerichtliche Verfahren in Gang setzen ließ, so-habe er sich dabei ganz offensichtlichlich von der Erwartung leiten lassen, wenn der Kläger erst einmal den "Fängen der Militärjustiz" überantwortet sein würde, so werde es ihm im Rahmen des'sich dann abwickelnden gerichtlichen Verfahrens ohnedies schwerfallen, noch frei oder auch nur glimpflich davonzukommen. dienende harte Urteile gefällt hätten» Damit sei die kriegsgerichtliche Verurteilung des Klägers eine zwangsläufige Folge der ihr vorausgehenden Verfolgungsmaßnahmen gewesen, so daß nicht allein die Schäden der Verhaftung durch Schmidt und Mu-rawski, sondern auch die Schäden, die das Urteil des Kriegsgerichts zur Folge hatte, als Verfolgungsschäden im Sinne des § 1 BEG anzusehen seien» Ein etwa mitwirkendes Verschulden des Klägers oder der Gesichtspunkt der überholenden Kausalität käme nicht in Betracht, da es bei einer.disziplinären Er- ohne sich einer Rechtsbeugung schuldig zu machen und ohne Irreführung durch den Abteilungskoromandeur oder den Aklagevertreter wegen der als erwiesen angesehenen*Straftaten des Klägers zu dessen Verurteilung kam? selbst wenn beide Personen dem Kläger wegen seiner antinationalsozialistischen Gesinnung feindlich gesinnt waren und sich hiervon bei ihrem Vorgehen gegen den Kläger auch hatten beeinflussen lassen (vgl. die die Annahme rechtfertigen könnten, daß in dem zur Hachprüfung des Kriegsgerichtsurteils vorgeschrie-benen Verfahren aus Gründen des § 1 BEG von den Bestimmungen der §§ 76 ff KStVO abgewichen worden ist oder daß solche Gründe für die weitere Behandlung des Klägers? Das Berufungsurteil ist vielmehr aufzuheben und das Teilurteil des Landgerichts dahin zu ändern, daß entsprechend dem bereits im Berufungsrechtzuge gestellten Antrag des beklagten Landes, den der Kläger nicht beanstandet hat, die Klage in vollem Umfange abgewiesen wird* (vgl.