BGH · IV ZR 22/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Mai 1945 ihren Wohnsitz nicht ununterbrochen in diesem Bereich gehabt haben» Jedoch fehlt einem solchen Antragsberechtigten das Rechtsschutzinteresse für diesen Antrag, wenn in der vorangegangenen Entscheidung bereits frei von Rechtsfehlern geprüft worden ist, welche dienstliche Stellung er bis zu dem Io Mai 1951 erlangt hätte, wenn er sein Dienstverhältnis nach dem 8o Mai 1945 im Geltungsbereich des BWGöD hätte fortsetzen können* Diesen Antrag hat der Beklagte durch Bescheid vom 20o März 1964 als unzulässig zurückgewiesen.mit der Begründung, daß dem Kläger ein neues Antragsrecht nach Art« V Abs« 2 des 6« Änderungsgesetzes nicht zustehe* In der Rechtsprechung wird es unterschiedlich beurteilt, welchen Verfolgten Art» V Abs» 2 des 6» AndG zu dem BWGÖD das Recht einräumt, eine Änderung des Wiedergutmachungsbescheides zu beantragen» Das Bundesverwaltungsgericht hat in der RzW 1966, 92 veröffentlichten Entscheidung die Ansicht vertreten, die Bestimmung räume dieses Recht allen Personen ein, die in ihrem Dienstverhältnis außerhalb des Geltungsbereichs des BWGöD geschädigt worden seien, ohne Rücksicht darauf, ob sie seit dem 8» Mai 1945 ihren Wohnsitz in diesem Bereich gehabt haben oder nicht» Es komme nur darauf an, daß ihre Dienststelle sich nicht im Geltung»- bereich des BWGöD befunden habe* Der 8, Zivilsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt hat darüber hinaus in seinem RzW 1964, 963 veröffentlichten Urteil die Ansicht vertreten, daß dieses Recht ganz allgemein für alle Geschädigten begründet worden sei, bei denen im Böhmen ihrer Wiedergutmachung nur geprüft worden sei, welche dienstliche Stellung sie bis zu dem 8« Mai 1945 erlangt hätten, wenn sie nicht verfolgt worden wären0 Dieser Ansicht ist der erkennende Senat bereits in seinen Urteilen vom 15« Juni 196^ - IV ZB 79/65 = Zivilsenat des Oberlandeberichts Frankfurt in seinem RzW 1965, 472 veröffentlichten Urteil, im Gegensatz zu dem Bundesverwaltung gericht den Standpunkt eingenommen, daß das Recht nur für diejenigen Verfolgten begründet worden sei, die in der sowjetischen Besatzungszone oder im Vertreibungsgebiet beschäftigt waren und über den 8« Mai 1945 hinaus dort verblieben seien« Dieser Ansicht ist auch Anders (Deutsches Verwaltungsblatt 1962, 281)« Auch der erkennende Senat tritt dieser Auffassung bei« Das 6« AndG wollte mit der neuen Fassung des § 9 Abs« 2 Satz 1 BWGÖD nicht die Wiedergutmachung für die Verfolgten, die außerhalb des Geltungsbereichs des BWGöD geschädigt worden waren erweitern und sie gegenüber den dort tätig gewesenen nicht verfolgten Personen begünstigen« Mai 1945 nachgezeichnet werden kann, Zo Bo für die Angehörigen der Wehrmacht» Entsprechend muß bei allen, die zuletzt außerhalb des Geltungsbereichs des BWGöD beschäftigt gewesen sind, geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen sie ihre Laufbahn im Geltungsbereich des BWGöD hätten fortsetzen können, wenn sie sich am 80 Mai 1945 dort befunden hätten» Das allein wollte der Gesetzgeber mit der Neufassung des § 9 Abs» 2 BWGÖD erreichen» Nur diese Gesetzesänderung liegt im Sinne der Wiedergutmachung» Denn ihr Zweck ist es allein, dem Geschädigten die beamtenrechtliche Stellung zu verschaffen, die er gehabt hätte, wenn er nicht verfolgt worden wäre, nicht aber der, ihm als Entschädigung für das erlittene Unrecht gegenüber den ihm vergleichbaren nicht verfolgten Angehörigen des öffentlichen Dienstes eine bevorzugte Stellung einzuräumen» Diese Rechtsauffassung entspricht auch den Vorstellungen, die im Ausschuß für Wiedergutmachung bei der Beratung des 6» ÄndG geherrscht haben» Im schriftlichen Bericht dieses Ausschusses (Deutscher Bundestag, 5° Wahlperiode Drucks» 2857) wird zur Neufassung des § 9 BWGÖD dargelegt, daß dem Ausschuß eine Eingabe Vorgelegen habe, nach der bei verfolgten Angehörigen des öffentlichen Dienstes auch die Beförderungen berücksichtigt werden sollten, die in der sowjetischen Besatzungszone bis zu dem 51» Dezember 1949 vorgenomraen worden seien, wenn und insoweit diese Beförderungen nicht den objektiven Stellenwert während des ausgeübten Amtes erheblich überschritten oder den Grundsätzen einer geordneten Personalwirtschaft im Zeitpunkt der Beförderung erheblich widersprochen hätten» Hierzu war vorgetragen worden, daß in der sowjetischen Besatzungszone bis zu diesem Zeitpunkt vielfach noch demokratische Zustände geherrscht und viele frühere Angehörige des öffentlichen Dienst es, in besonderem Maße Verfolgte des Nationalsozia« lismus, freiwillig unter großen Schwierigkeiten und auch unter Opfern sich dem Versuch eines demokratischen Staatsaufbaus in der Zone zur Verfügung gestellt hatten» Sodann heißt es; "Der Ausschuß war nach eingehender Beratung dieser Präge der Auffassung, daß dem Grundgedanken des Begehrens durch die vorliegende Neufassung des § 9 Abs» 2 Satz 1 insofern Rechnung getragen wird, als auch für Verfolgte, die nach dem 8» Mai 1945 zunächst in der sowjetisch besetzten Zone gelebt haben, die Dienstlaufbahn so nachgezeichnet wird, als ob sie diese im Geltungsbereich des Gesetzes ohne Unterbrechung hätten fortsetzen können» Damit fällt jene Zeit für die Berücksichtigung von Beförderungen nicht auzVi Diese Darlegungen ergeben eindeutig, daß der Ausschuß mit der Neufassung des § 9 BWGöD nur an diejenigen Verfolgten gedacht hat, die sich nach dem 8* Mai 1945 noch in der sowjetisch besetzten Zone aufgehalten haben«, Sie sollen so behandelt werden, als wenn sie in diesem Zeitpunkt bereits im Geltungsbereich des BWGöD ansässig gewesen wäreno Der Kläger gehört danach allerdings zu dem Personenkreis, für die Art, V Abso 2 des 6«, ÄndG zu dem BWGöD das Recht begründet, eine Änderung des Wiedergutmachungsbescheides zu beantrageno Denn er hat erst nach dem 8«, Mai 1945 seinen Wohnsitz im Geltungs~ bereich des BWGöD begründeto Dennoch hat das Berufungsgericht die Berufung des Klägers gegen das die Klage abweisende Urteil des Landgerichts im Ergebnis mit Recht zurückgewieseno Denn dem Kläger fehlt für sein auf Art«, V Ab So 2 des 60 ÄndG zu dem BWGöD gestütztes Begehren, das auch hierfür erforderliche Rechtsschutz-interesseo Denn die Dienstlaufbahn des Klägers ist in der Wiedergutmachungsentscheidung, deren Änderung der Kläger begehrt, bereits rechtlich zutreffend so nachgezeichnet worden, wie sie nach § 9 Abs» 2 Satz 1 BWGÖD in seiner jetzt geltenden Passung nachgezeichnet werden muß0 Die Wiedergutmachung des Kläger* s könnte, wenn seinem Begehren entsprochen wurde, nicht anders geregelt werden, als es in dem Urteil des Kammergerichts vom 19o Januar 1957 geschehen ist«. zu diesem Zeitpunkt nicht die Stellung eines Senatspräsidenten bei einem Oberlandesgericht, eines Landgerichtspräsidenten oder eine gleichwertige Dienststellung erlangt hätte« Das Kammergericht hat auch entgegen der vom Kläger vertretenen Ansicht diese Feststellung nach rechtlich zutreffenden Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden tatsächlichen Gegebenheiten getroffene Das Kammergericht hat für die Entscheidung der Frage, ob der Kläger in der Zeit vom 8« Mai 1945 bis zu dem 31° Über diese vom Kammergerichtspräsidenten geäußerten Bedenken kann auch nicht deswegen hinweg-gesehen werden weil, wie es der Kläger ausgeführt, durch den Einfluß der russischen Besatzungsmacht bis zur Spaltung der Stadt Berlin diejenigen Richter, die der NSDAP oder ihren Gliederungen angehört hatten, von der Wiederverwendung ferngehalten wurden und daher als Konkurrenten für den Kläger ausgeschieden wären» Dies sind durch den Zusammenbruch bedingte außergewöhnliche Umstände, die bei der Nachzeichnung der voraussichtlichen Dienstlaufbahn des Verfolgten außer Betracht zu bleiben haben (Blessin/Wilden, BWGöD Anra» 10; BVerwG, RzW 1958, 235)o Außerdem ist der Kläger, der sich am 8» Mai 1945 nicht in Westberlin aufhielt, nach § 9 Abs» 2 Satz 1 BWGöD nicht so zu behandeln, als wenn er dort unter den damals gerade in Berlin für ihn besonders günstigen Verhältnissen seincnDienst hätte fortsetzen können« Es ist nur zu beurteilen, welche dienstliche Stellung er erreicht hätte, wenn er an einem beliebigen Ort im Geltungsbereich des BWGöD nach dem 8» Mai 1945 seinen Dienst hätte fortsetzen können« Auf die besonderen Berliner Verhältnisse kann nicht abgestellt werden«