Verkündet
Juni 1961 , Justizangest rkundsfceamter der Geschäftsstelle
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I m
Namen
des
Volkes
In dem Entschädigungsrechtsetreit
des Landes
B
für Inneres in
vertreten durch
Senator Platz
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Ci et- W
en und Revisionsklägers,
Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr.
in
gegen
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Frau Elisabeth W e s t
Drive,
Klägerin und Revisionsbeklagte,
Prozeßbevollmächtigte s
hat der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die münd-
liehe Verhandlung vom 21. Juni 1961 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Raske, Johannsen, Dr. Loewenheira und Dr. Graf
für Recht erkannt:
Das Urteil des 17. Zivilsenats des Kammgergerichts in Berlin vom 22. September I960 wird aufgehoben. Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Ent-
scheid
*
auch über d
ßergerichtlichen Kosten der
Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen
Gerichtsgebühren und Auslagen werden für das Revisionsverfahren nicht erhoben.
«
Von Rechts wegen
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Tatbestand^:
Die Klägerin hat Entschädigungsansprüche geltend gemacht
Mit Schreiben vom 28. Oktober 1958, eingegangen
am fol
genden Tage, meldete sich der Prozeßbevollmächtigte der Klage
rin für diese bei dem Entschädigungsamt Berlin. Er nahm Bezug auf einen von der Klägerin selbst am 21. März 1958 einge
chten Antrag mit d
Mantelbogen und überreichte einen
Lebenslauf der Klägerin. Für den Fall, daß der Antrag nicht
emre"
sein sollte, beantragte er vorsorglich wiederein
Setzung in den vorigen Stand. Nachdem von ihm mit Schreiben
■
vom 12. Januar 1959 eine Begründung des Wiedereinsetzungsge
suches
erbeten worden war, reichte er diese am 10* März 1959
erzu vor, sie habe am 21. März 1958
nach. Die Klägerin trug hi
in Anwesenheit zweier Zeu
d
von
hr
gefüllten
Mantelbogen auf dem Postamt Crescent Drive, Beverly Hills, auf gegeben. Sie fügte eidesstattliche Versicherungen der Zeugin-
nen bei. In diesen ist
angegeben, das Postamt sei schon ge
schlossen gewesen und die Klägerin habe den Brief in den Post kästen des Postamtes eingeworfen.
Durch Bescheid vom 19* Mai 1959 hat das Entschädigungsamt
Berlin den Antrag der Klägerin wegen Versäumung der Antrags frist abgelehnt.
Hiergegen hat die Klägerin Klage erhoben mit dem Antrag,
■
ihr unter Aufhebung des Bescheides vom 19. Mai 1959 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumung der Anmeldefrist zu gewähren.
Sie hat am 26. Januar I960 weitere eidesstattliche Versicherungen der Zeuginnen beigebracht, wonach der Brief als
Luftpostsendung aufgegeben wurde.
rin
Das Landgericht hat den Bescheid aufgehoben und der Klage ie Wiedereinsetzung in den vorigen Stand erteilt. Das
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Berufungsgericht hat die gegen dieses Urteil eingelegte Beru-
fung des Beklagten zurückgewiesen, jedoch die Revision zuge-
■
lassen, Bas beklagte Land hat Revision eingelegt. Es verfolgt seinen auf Klagabweisung gerichteten Antrag weiter. Die Klage rin hat beantragt, die Revision zurückzuweisen.
Entscheidung sgriinde
Die Revision ist begründet.
Nachd
di
Entscheidigungsbehörde d
Ansprüche der Klage
rin abgelehnt hat, kann das Entschädigungsgericht nicht auf eine entsprechende Klage diesen Bescheid aufgeben und die
■
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand erteilen. Für ein solches Verfahren bietet das Gesetz keine Grundlage. Auch dann, wenn die Entschädigungsbehörde Ansprüche versagt, weil sie verspätet
angemeldet worden sind, hat die Behörde gemäß § 195 BEG über
■
die angemeldeten Ansprüche entschieden. Die Klägerin muß dann, wenn sie ihre Rechte weiterverfolgen will, nach § 210 BEG ihre Ansprüche mit einer auf Leistung gerichteten Klage vor den Entschädigungsgerichten geltend machen, und diese Gerichte haben darüber zu entscheiden, ob diese Ansprüche bestehen. Sie können sich nicht darauf beschränken, die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu erteilen und etwa die Sache zur weiteren sachlichen Bearbeitung an die Entschädigungsbehörde zurückzu-
(vgl, das zur Veröffentlichung bestimmte Urteil des erkennenden Senats vöm 17* Mai 1961 - IV ZR 279/60 -
Die Ansicht des Berufungsgerichts, daß die Entschädigung»
gerichte auch über Vor- oder Zwischenfragen von besonderer
• •
Bedeutung in einem eigenen Verfahren durch Endurteil entscheiden könnten, ist unrichtig. Auch für diese Ansicht kann das
■
Berufungsgericht sich nicht auf das RzW I960, 134 veröffentlichte Urteil des erkennenden Senats berufen. In diesem Urteil ist zwar ausgeführt, daß auf eine entsprechende Klage von den
ff*
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Entschädigungsgerichten auch entschieden werden kann übe
die
Genehmigung einer Abtretung, Pfändung oder Verpfändung eines Entschädigungsanspruchs nach § 14 BEG, über die Voraussetzungen der Ansprüche nach 67, 115 Abs, 2, 175 Abs. BEG sowie über die Feststellung des Zeitpunkts des Todes nach § 180 Abs. 2 BEG. Die Zulässigkeit derartiger Entscheidungen folgt aber nicht daraus, daß es sich dabei um für den Entschädigungsanspruch bedeutsame Vor- und Zwischenfragen handelt, sondern daraus, daß das Gesetz einen besonderen selbständigen verfahrensrechtlichen Anspruch auf die nach diesen Bestimmungen zu
treifende Entscheidung gibt. In den Fällen der §§ 67, 115 Abs
2
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175 Abs. 5 BEG hat die Entschädigungsbehörde überhaupt nur diese Entscheidung zu erlassen. In der Sache selbst wird sie
nicht weiter tätig. Die Entscheidungen nach §§ 14 und 18C Abs
2
BEG stehen mit dem Entschädigungsanspruch, für den sie getrof fen werden, nur in einem sehr losen Zusammenhang. In vielen
Fällen wird es notwendig oder zweckmäßig sein, sie zu treffen
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bevor über das Bestehen des Anspruchs selbst entschieden wird
Der Antragsteller hat zwar nach § 189 Abs. 3 BEG auch einen Anspruch auf Erteilung der Wiedereinsetzung in den vori
£en c
ouand, wenn er die Anmeldefrist schuldlos versäumt hat
Die
ser Anspruch ist aber kein verfahrensrechtlich selbständiger. Durch die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird nur eine
onst
cht bestehend
sachliche Voraussetzung für d
Entsch
digungsanspruch geschaffen. Der wegen Versäumung der Frist erloschene Anspruch auf Entschädigung lebt durch die Wiederein-setzung in den vorigen Stand wieder auf. Wenn festgestellt wird,
daß eine Anmeldung verspätet
erfolgt und die Wiedereinsetzung
in den vorigen Stand nicht erteilt werden kann, ist damit sach
lich-rechtlich festgestellt, daß kein Anspruch auf Entschäd
gung besteh
Dann kann nur d
Anspruch selbst mit d
Klage
geltend gemacht werden. Das Gesetz gibt dem Kläger in diesem
Falle keinen selbständigen verfahrensrechtlichen Anspruch dahin daß zunächst durch Bescheid der Entschädigungsbehörde oder auf
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eine Klage vor den Entschädigungsgerichten nur eine der fehlen
aen sachlichen Anspruchsvoraussetzungen geschaffen werde
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Da die Klägerin fristgerecht Klage erhoben hat und da
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aus dem Sinn ihrer Klage zu entnehmen ist, daß sie ihre Entschädigungsansprüche weiterverfolgen will, hätte das Berufungsgericht sie gemäß § 139 ZPO veranlassen müssen, einen sachgemäßen Leistungsantrag zu stellen; sodann hätte es sachlich über diesen Antrag entscheiden müssen.
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■
Damit die Klägerin in der Lage ist, einen richtigen Antrag zu stellen und damit sachlich Uber ihre Klage entschieden
werden kann, mußte das angefochtene Urteil aufgehoben und
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der Rechtsstreit an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden.
■
Die Entscheidung* über die gerichtlichen Kosten des
Revisionsrechtszuges folgt aus
Ascher
Johannsen
Loewenheim