BGH · IV ZR 19/59
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Beklagten und Revisiensbeklagteny Rechtsanwalt Pro flHHI in hat der IV0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 1oP Juni 1959 unter Mitwirkung des Senatspr.äsidenten Äscher und der Bundesrichter Baske«, Johannseny Wilden und Pr0 Poewenheim für Recht erkannte Pie Revision des Klägers gägen das Urteil des 7o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Stuttgart vom 24* Oktober 1958 wird zurückgewieseno Pie Bntscheidung ergeht gebühren- und auslagenfrei % die außergerichtlichen Kosten des Revisionsrechtazuges trägt der Kläger« Als Entschädigung fiir den von ihm weiter behaupteten Berufschaden hat der Kläger durch Bescheid vom 9o November 1953 den Betrag von 1#838,- DM und durch den weiteren Bescheid vom 24o August 1956 weitere 92o,~ DM, zusammen also 2#758,- DM, als Kapital ent Schädigung zugesprochen erhalten# Hierbei wurde der Kläger in die vergleichbare Boamtengruppe de3 mittleren Dienstes eingestuft• Die Gewährung der beantragten Rente wurde abgelehnt, weil der Kläger bei seinem Alter und seiner körperlichen Leistungsfähigkeit eine Erwerbstätigkeit aufnehmen könne und bei ernsthafter Bemühung auch schon gefunden hätte# Wenn der Kläger jetzt als Hendelsvertreter keine ausreichende Lebensgrundlage gefunden habe, so sei dies auf seine mangelnde Sorgfalt und Tatkraft zurückzuf ähren# Der Kläger hat beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an ihn für seinen Schaden im beruflichen Fortkommen eine lebenslängliche Rente und einen Ausgleichsbetrag von 3»24o,- DM zu zahlen# Die Revision ist unbegründet Der Kläger verlangt unter Berufung auf § 81 BEG von dem beklagten Land wegen Schadens im beruflichen Fortkommen die Leistung einer lebenslänglichen Honte0 Voraussetzung für das durch die genannte Vorschrift eingeräumte Rentenwahlrecht ist nach § 82 BEG, daß der Verfolgte im Zeitpunkt der Entscheidung keine Erwerbstätigkeit ausübt, die ihm eine ausreichende’Lebensgrundlage bietet, und daß ihm die Aufnahme einer solchen Eiworbs tätigkcit -auch nicht zuzu demuten ist» Hach dem vom Berufungsgericht festgestellten Sachverhalt übt der Verfolgte zur Ze.it eine Erwerbstätigkeit, dio ihm eine ausreichende Lebensgrundlage bietet, nicht aus* Das Berufungsgericht sieht es auch als nachgev/iosen an, daß der Kläger zur Zeit keino Möglichkeit hat, eine entsprechende unselbständige Tätigkeit auszuüben« Es verneint gleichwohl den Anspruch dos Klägers auf Gewährung einer Rente, da dieser nach der Währungsreform einen entsprechenden Arbeitsplatz hätte erhalten können, wenn er sich hierum anstelle seiner Betrügereien ernsthaft bemüht hätte0 Das Berufungsgericht ist der Ansicht, daß der Verfolgte sich auf das Fehlen .einer ausreichenden Lebensgrundläge nicht berufen könne, da er dieses Fehlen arglistig herbeigeführt habe» Io Soweit die Revision die Ansicht des Berufungsgerichts angreift, daß es zu Basten des Verfolgten gehe, wenn die Unzu demutbarkeit der Aufnahme einer ErwerbStätigkeit nicht festzustollen sei, bedarf os hier keiner Entscheidung, da das Berufungsgericht für nachgewiesen erachtet, daß der Kläger zur Zeit keine Möglichkeit hat, eine entsprechende unselbständige Tätigkeit auszuübeno 2c Die Ablehnung des Rentenanspruchs aus den Gründen des § 9 Abs« 1 REG unterliegt ebenfalls keinen rechtlichen Bedenken«, Das Entschädigungsgesetz will den im beruflichen Fortkommen geschädigten Verfolgten in erster Linie die Möglichkeit geben, im Berufsleben wieder festen Fuß zu fassen0 Das ergibt sich für den in einer selb“ ständigen beruflichen Tätigkeit beschäftigt gewesenen Verfolgten aus § 67 BEG«, Rach Abs0 1 dieser Vorschrift hat der Verfolgte Anspruch darauf, daß ihm dio Wiederaufnahme seiner früheren selbständigen odor die Aufnahme einer gleichwertigen selbständigen Erwerbstätigkeit durch Erteilung der erforderlichen Genehmigungen, Zulassungen und Bezugsberechtigungeil ermöglicht wird0 Der früher unselbständig tätig gewesene Verfolgte hat nach § 89 BEG in erster Linie Anspruch auf Einräumung seines früheren oder eines gleichwertigen Arbeitsplatzes0 Daneben besteht für den im beruflichen Fortkommen geschädigten Verfolgten der Anspruch auf Kapitalentschädigung«, sowohl clom selbständig tätig gewesenen Verfolgten als auch dem in unselbständiger Stellung beschäftigt gewesenen Verfolgten anstelle der Kapitalentschädigung einen Anspruch auf Gewährung einer lebenslänglichen Rentec Pie Gewährung der Rente hängt nach den gesetzlichen Vorschriften von bestimmten Voraussetzungen ab„ Für den in selbständiger Stellung tätig gewesenen Verfolgten ist gemäß § 82 BEG Voraussetzung für das Rentenwahlrecht? Bas Bundesentschädigungsgesetz verlangt«,' daß der Verfolgte bei der Erlangung eines neuen Arbeitsplatzes, der ihm eino angemessene Lebensgrundlage bieten so11$ im Rahmen i des ihm Zumutbaren mitwirkt0 Baß dies auch für das Rentenwahlrecht des Bundesentschädigungsgesetzos gilt, ergibt sich aus § 9 Abs«, 1 BEGo Biese Vorschrift, die für alle Entschädigungsansprüche gilt, bestimmt, daß die Grundsätze des bürgerlichen Rechts über die Berücksichtigung mitwirkenden Verschuldens und über die Anrechnung eines im Zusammenhang mit dem Schaden erlangten Vorteiles sinngemäß gelten«, Im Bereich der Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen gilt daher auch die Vorschrift des § 254 B'GBo Hat danach bei der Entstehung des Schadens ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt, so hangt die Verpflichtung zu dem Ersatz sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil Die Vorschrift des § 254 BGB ist eine besondere Ausprägung des Gedankens von-Treu und Glauben (vgl«, RGRK Io«, Aufl«, § 254 BGB Anm«, 1 a)0 Für das Rentenwahlrecht des in selbständiger Tätigkeit geschädigten Verfolgten bedeutet die Vorschrift des § 254 BGB insbesondere«, daß der Rentenanspruch zu verneinen ist, wenn der Verfolgte durch eigenes Verschulden -keine Stellung* die ihm eine ausreichende Lebensgrundlage gewähren würde* erlangt hat oder wenn er eine solche Stellung schuldhaft wieder verloren hat«, Dies ist, wie das Berufungsgericht ohne. Rechtsirrtum und ohne Verletzung verfahrensrechtlicher Vorschriften festgestellt hat, hier der Fall«, Dem Kläger muß zu dem Verschulden angerechnet werden* daß er in seiner Stellung als selbständiger Handelsvertreter zahlreiche Betrügereien begangen hat«, Wenn es bei dieser Sachlage weder den Bemühungen des Arbeitsamtes gelungen ist* den Kläger in eine ausreichende unselbständige Tätigkeit zu vermitteln* noch der Klager selbst in der Lage war, in selbständiger Tätigkeit ein ausreichendes Einkommen zu gewinnen* so muß der Kläger diesen Schaden selbst tragen«, Br hat keinen Anspruch darauf* daß die öffentliche Hand.auf Grund der Vorschriften des BEG ihm eine lebenslängliche Rente gewährt und hierdurch seinen Lebensunterhalt sicherstallt«,