BGH · IV ZR 19/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
lässig sein, wenn die Entschädigungsbehörde dem Grunde nach eine Entschädigung abgelehnt hat und für einen Zahlungsantrag eine komplizierte Berechnung erforderlich wäre, ein Streit über das Ergeh- ' nis einer solchen Berechnung aber nicht zu erwarten ist * Rechtsanwalt hat der IV, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 22» März 1957 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Schmidt, der Bundesrichter Ascher, Johannsen, Br=>v„ Werner und Wüstenberg für Recht erkannt? Bie Sache wird zur anderweiten verhandlung und Entscheidung« auch Uber die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen, Bie Entscheidung ist gebühren- und auslagenfreio Von Rechts wegen Tatbestands Der im Jahre 1899 geborene Kläger,, der seit dem Jahre 1927 der SPD angehört hatte und im März 1953 als Kandidat dieser Partei in den Kreistag gewählt worden war, ist wegen seiner politischen Betätigung für die SPD, nachdem er zunächst im April 1933 auf eine Lehrerstelle in ein einsames Dorf, für die sich kein Bewerber fand, strafversetzt worden war, durch Erlaß des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 25o Januar 1934 auf Grund von § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem öffentlichen Schuldienst ohne Gewährung von Versorgungsbezügen entlassen worden» In den Schuldienst war er im Jahre 1923 eingetreten und mit dem 1 * Oktober 1928 lebenslänglich angestellt worden» Im April 1933 hatte der Kläger seine Aufnahme in die NSDAP beantragto Seinem Anträge wurde stattgegeben, jedoch erhielt er hierüber keine Nachricht, da den Parteidienststellen die Veränderung seiner Anschrift nicht bekannt geworden war» Er wurde daraufhin wieder als Mitglied gestrichen» Im Jahre 1937 hat der Kläger einen neuen Antrag gestellt, dem auch mit Wirkung vom 1» Mai 1937 entsprochen worden ist« Ein Amt in der NSDAP hat er nicht gehabt» Im März 1954 hat der Kläger bei der Entschädigungs-behörde einen Antrag auf Entschädigung wegen Schadens im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen durch Ausfall von Bezügen im öffentlichen Bienst für die Zeit vor dem 1 , April 1950 und für Versicherungsschaden außerhalb der Sozialversicherung durch Schädigung an einer Lebensversicherung beantragte Hierzu hat er angegeben, er sei nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst auf dem Kolonat seiner Eltern als landwirtschaftlicher Arbeiter tätig gewesen. der Kläger sei wegen seiner gegen den Nationalsozialismus gerichteten politischen Überzeugung verfolgt worden und habe dadurch einen Schaden erlittene Er habe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht Vorschub geleistet. In der: mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht hat auf Befragen des Gerichts der Prozeßbevollmächtigte des Klägers sich außerstande erklärt, zur Begründung seines Anspruchs weitere Ausführungen zu machen. Es hat ausgeführt, nach § 253 Abs 2 ZPO, der sinngemäß auf das Verfahren vor dem Entschädigungsgericht anzuwenden sei, müsse eine Klage die bestimmte Bezeichnung des Klagegrundes und einen bestimmten Antrag enthalten« Bei einer Leistungsklage sei hierfür grundsätzlich notwendig, daß der Umfang der begehrten Leistungen ersichtlich gemacht werdec Dies sei aber bei der vorliegenden Klage nicht der Fall, Diese ließe allenfalls erkennen, daß der Kläger Entschädigungsansprüche wegen Ausfalls von Bezügen im öffentlichen Dienst geltend machen wolle9 In welcher Höhe ihm aber derartige Bezüge entgangen seien, welche Entschädigungsansprüche er daraus herleiten könnte und inwieweit er solche Ansprüche geltend machen wolle, sei aus der Klage nicht ersichtlich. Welcher Schaden an seinem- Vermögen dem Kläger, aber außer seinem Ausfall an Dienstbezügen erwachsen sein könnte, lasse die Klage überhaupt nicht erkennen, da von einem solchen Schaden Inder Klagebegründung außer seiner Erwähnung im Klageanträge nicht einmalandeutungsweise die Hede sei* Dieser Mangel könne auch durch die Bezugnahme auf den angefochtenen Entsehädigungsbescheid oder die Entschädigungsakten nicht ersetzt werden. Die Klage als Peststellungsklage anzusehen sei nicht möglich, da einmal das Landgericht sie, wie sich aus dem Erlaß eines Zwischenurteils ergebe, als Leistungsklage aufgefaßt habe und sodann nach der Passung des Klageantrags eine Verurteilung zu Entschädigungsleistungen erstrebt werde. Hierbei liegt es den Entschädigungsbehörden und den Entschädigung sgerichten, wie sich aus § 176 BEG ergibt, ob, wenn ein Entschädigungsantrag fristgerecht gestellt ist, von Amts.wegen'-alle für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu ermitteln».Es ist daher grundsätzlich ausreichend , wenn ein Verfolgter in seinem Entschädigungsantrag den Sachverhalt, auf Grund dessen er Entschädigungsansprüche zu haben glaubt, und die Tatsachen angibt, die die Entschädigungsbehörde in die Lage versetzen, die zu einer Festsetzung einer Entschädigung erforderlichen Ermittlungen anzustellen» Das ergibt sich vor allem auch aus § 190 BEG, der abweichend von der Vorschrift des § 253 ZPO nur anordnet, daß ein Entschädigungsantrag gewisse Angaben, darunter auch nach Ziffer 4 Angaben über Art und Umfang des Anspruchs enthalten soll, somit nicht einmal zwingend solche Angaben vorschreibt (vgl, auch Blessin-WiIden S 836, Anm 3 zu § 189 BEB).. lehnt nun die Entschädigungsbehörde eine Entschädigung ab, so muß es ausreichen, wenn der Verfolgte in seiner vor dem zuständigen Landgericht erhobenen Klage erkennbar zu dem Ausdruck bringt, in welchem Umfang er die Versagung der von ihm geforderten Entschädigung angreifen will (so auch die zur Veröffentlichung bestimmte Entscheidung des Senats vom 8»2,1957 - IV ZR 205/56), Trifft dies zu, so ist damit die Klage rechtswirksam erhoben, auch wenn in ihr der als EntSchädigung geforderte Betrag nicht ausdrücklich beziffert ist, Labei ist es wegen des engen Zusammenhangs des Verfahrens vor den Entschädigungsbehörden mit dem Verfahren vor den Entschädigungsgerichten auch zulässig, zur Begründung einer Klage auf den Inhalt des angefochtenen Entschädigungsbescheids oder der Entsehädigungsakteh Bezug zu nehmen, die dem beklagten Land genau bekannt sind und die in der Regel auch zu dem Gegenstand des Verfahrens vor dem Entschädigungsgericht gemacht werden. so ist die Klage rechtswirksam erhobene Zwar ist dem Berufungsgericht zu zu stimmen,, daß ein Rechtsanwalt bei einer sorgfältigen Wahrnehmung der Interessen seiner Partei auch in Entschädigungssachen grundsätzlich Zollvorschriften beachtet und daher, wenn er eine Klage erhebt, in ihr Gegenstand und Grund des erhobenen Anspruchs bestimmt und erschöpfend angibt und bei einer Zahlungsklage auch einen zahlenmäßig bestimmten Antrag stellt0 Per Prozeßbevollmächtigte des Klägers ist auch, wie sich aus der Schlußbemerkung seiner Klageschrift ergibty der Auffassung gewesen* daß seine Klageschrift diesen Anforderungen nicht ganz entsprach, ohne jedoch das hierfür Erforderliche zu veranlassen. b) in einer Versicherung außerhalb der Sozialversicherung hat die Entschädigungsbehörde lediglich dem Grunde nach abgelehnt und unter Bezugnahme auf diese Ablehnung und die Entsehädigungsakten ist die Klage zweifelsfrei in vollem Umfang gegen die Versagung der vor der Entschädigungsbehörde verlangten Entschädigung erhoben worden, Nun hat allerdings das Berufungsgericht bei der mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits von dem Prozeßbevollmächtigten des Klägers eine Bezifferung der Ansprüche verlangt. nen, hätte das Berufungsgericht den ersichtlich nicht ausreichend unterrichteten Prozeßbevollmächtigten des Klägers auf die von seiner Partei zu den EntSchädigungs-akten überreichte Berechnung des Regierungspräsidenten über den dem Kläger entstandenen' Verdienstausfall hin-weisen müssen, auf Grund dessen eine Berechnung der Entschädigung für den Verdienstausfall ohne weiteres möglich gewesen wäre. Hinsichtlieh der Entschädigung für Schaden an seiner Versicherung hatte das Berufungsgericht prüfen müssen, ob es nicht von der Möglichkeit einer Berechnung durch die Versicherungseinrichtung entsprechend dem § 182 BEG- Gebrauch machen sollte, bei der die Versicherung des Klägers abgeschlossen ist c Für diese Ansprüche ist übrigens die Auffassung des Berufungsgerichts, wie die von Blessin-Wilden 1 * Auf! Schließlich ist auch die Erklärung des Prozeß-bevollmächtigten des Klägers, sämtliche Prozeßbeteiligte seien sich vor dem Landgericht darüber einig gewesen, bei der Klage handele es sich um eine Feststellungsklage, ohne Bedeutung, Zwar hätte diese Erklärung Anlaß zu einer Klarstellung geben können, ob damit der Kläger im Berufungsrechtszuge einen Peststellungsantrag stellen wolle., zu dem er entsprechend dem § 268 Nr, 2 in Verbindung mit § 523 ZPO auch in der Berufungsinstanz hätte übergehen können» Labei wäre zu beachten gewesen, daß nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (vgl insbes BGHZ 2, 250 ff und 17, 336 /3397) auch in bürgerlichen Reehtsstreitigkeiten eine Peststellungsklage trotz Möglichkeit einer Leistungsklage zulässig ist, wenn.dies einer gesunden Prozeßökonomie entspricht und es verfahrensrechtlieh sinnvoll sein kann, sich mit der PestStellung einer Entschädigungspflicht zu begnügen, wenn ein Entschädigungsanspruch lediglich dem Grunde nach von der Entschädigungsbehörde abgelehnt ist und eine Angabe der Höhe langwierige Berechnungen erforderlich machen würde und erwartet werden kann, daß über das Ergebnis einer solchen Berechnung ein Streit zwischen den Parteien nicht entstehen wird * * Es ist aber dem Berufungsgericht zuzustimmen, wenn es ebenso wie das Landgericht die Klage als Leistungsklage angesehen hat| denn der in ihr enthaltene Antrag ist seinem Wortlaut wie seinem Sinn nach auf eine Leistung gerichtet und auch der Beklagte hat, wie sich aus der Klagebeantwortung ergibt, den Antrag als Leistungsantrag aufgefaßte.