BGH · IV ZR 18/52 vom 12.05.1952
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Im gegenwärtigen Rechtsstreit begehrt der Konkursverwalter Kückgewöhr der auf Grund des Vertrages in die Beklagten erfolgten Leistungen, nämlich Rückzahlung eines 3etrages von 8.836,53 3X1 nebst Zinsen, und Feststellung, da3 den Beklagten aus dem Vertrag keine Rechte zustehen. Das Berufungsgericht hat frei von Rechtsirrtum festgestellt, daß die Beklagten den eingeklagten Betrag von 3.836,53 IM und die sonstigen Leistungen, die den Gegenstand des Feststellungsantrags der Klage bilden, nicht auf Grund einer telfonischen Vereinbarung vom 21. Es hat weiter ausgeführt, dass dieser Vertrag ein inkongruentes'Deckungsgeschäft im Sinne des § 30 Ziff 2 KO darstelle, auch soweit die Sicherheit, die den Beklagten durch ihn habe verschafft werden sollen, nur anstelle einer anderen Sicherheit habe treten sollen, die sie auf Grund einer am 23. März 1950 auf eine Sicherung anderer Art gerichtet gewesen sei, als sie die von den Beklagten aufgegebenen Pfändungspfandrechte ihnen gewährt hätten. lieh ihres Umfangs, als auch ihrer Art über die Sicherung, die sie aufgaben, erheblich hinaus* Ein Anspruch, in dieser Weise gesichert zu :.erden, stand den Beklagten in keinem Palle zu, Das Berufungsgericht ist ferner mit dem Landgericht davon ausgegangen, daß der nachmalige Gemeinschuldner Protz zur Zeit des Vertrages vom 6* März 1950 seine Zahlungen bereits eingestellt gehabt habe* Eine Nachprüfung dieser auf tatrichterlicher Würdigung des’ Verhandlungsergebnisses beruhenden und von der Revision nicht beanstandev ten Feststellung steht dem Revisionsgericht nicht zu* Der Begriff der Zahlungseinstellung ist nicht verkannt worden«. Las Berufungsgericht sieht jedoch die Anfechtung des Vertrages vom 6« üärz 1950 auf Grund des § 30 Ziff 2 KO deshalb nicht als wirksam an, weil es für bewiesen hält, da^ den Beklagten bei Abschluß dieses Vertrages weder die Zahlungseinstellung noch die Absicht des Gemeinschuldners, sie vor den übrigen Gläubigern zu begünstigen, bekannt gewesen sei« Hiergegen richten sich die Angriffe der Revision* Zunächst rügt sie, daß das Berufungsgericht die Bedeutung der Beweislast verkannt habe, wenn es ausführe, bei den Beklagten, die naturgemäß nicht den Einblick in die Vermögensverhältnisse des Schuldners gehabt hätten, wie dieser selbst oder der ihn beratende Kläger, könne naturgemäß nicht eine jeden Zweifel ausschließende Kenntnis davon vorausgesetzt werden, daß damals schon Zahlungseinstellung des späteren Gerneinschüldners Vorgelegen habe* Eine solche Erwägung, so meint die Revision, stehe offenbar zu § 30 Ziff 2 KO in Widerspruch, da das Gesetz für den Pall der inkongruenten Leckung davon ausgehe, daß der Anfechtungsgegner die Zahlungseinstellung des Gemeinschuldners gekannt habe* zu stellen seien» Im Anschluss an diesen seinen grundsätzlichen Ausgangspunkt legt es dann im einzelnen die Umstände dar, auf die es seine Überzeugung gründet, dass die Beklagten am 60 I5ärz *1950 von der Zahlungseinstellung des Geneinschuldners keine Kenntnis' gehabt hätten» Einer dieser Umstände ist die von ihm festgestellte Tatsache, daß die Beklagten nicht den Einblick in die VermÖgensverhält-nisse des Schuldners gehabt hätten, wie dieser selbst und der ihn beratende Kläger. Das Berufungsgericht will diese seine allerdings in einer gewissen unbestimmten Allgemeinheit gehaltene Feststellung offenbar aus dem besonderen Sachverhalt herleiten, wie er sich ihm auf Grund der Verhandlung und Beweisaufnahme, insbesondere nach den Inhalt der Verhandlungen, diezu dem’Ver— trag vom 6» Härz 1950 geführt haben, dargestellt hätte» ft mäßig in verschiednen Sinzelvorgingen in Erscheinung tritt« Ais ^inzelvorgänge dieser Art führt das Berufungsgericht in vorliegenden Pall ans "Es erfolgten keine allgemeinen Zahlungen mehr an die Hauptgläubiger, der Schuldner wurde von allen Seiten bedrängt, es lag eine große Anzahl von Y/echselprotesten und Zahlungsbefehlen vor,” Baß die Beklagten diese einzelnen Vorgänge nicht oder zu einem wesentlichen Teil nicht gekannt hätten, wird vom Berufungsgericht nicht gesagt« Ob es insoweit der ihm oblie- ' genden Pflicht zu erschöpfender Prüfung und Würdigung des Sachverhalts hinreichend nachgekommen ist, kann indes dahingestellt bleiben. Seine Feststellung, daß die Beklagten die Zahlungseinstellung des Schuldners nicht gekannt hätten, wird jedenfalls von seinen sonstigen Ausführungen zu dieser Frage getragen. Schuldners an Zahlungsmitteln sich in der nächsten Zeit infolge der ihm durch Vereinbarungen mit einzelnen Gläubigern oder durch gerichtliche Anordnung, bewilligten Zahlungsfristen in bestimmten Grenzen halten werde«, Die in Y/irklichkeit bereits eingetretene Zahlungseinstellung des Schuldners hat sich vielmehr nach diesen Feststellungen des Berufungsgerichts für das Bewußtsein der Beklagten allenfalls als bloße Zahlungsstockung dargestellt* Die Annahme der Revision, durch die Feststellungen des Berufungsgerichts werde eine positive Kenntnis der Beklagten von der Zahlungseinstellung des Schuldners nicht ausgeschlossen, sondern nur ausgesprochen, daß die Beklagten auf eine Wiederaufnahme der für sie erkennbar eingestellten Zahlungen gehofft hätten, entspricht danach nicht dem Ergebnis der tatsächlichen Würdigung des Streitstoffes, wie sie das Berufungsgericht vorgenommen hat und wie sie für das Revisionsgericht bindend ist. Denn danach hatten die Beklagten die tatsächlichen Voraussetzungen des zu dem Begriff der Zahlungseinstellung gehörenden Merkmals eines voraussichtlich dauernden Mangels an Zahlungsmitteln von vornherein nicht in ihr Bewußtsein aufgenommen, mochte ihnen auch bekannt sein, daß der Schuldner sich im Augenblick in Zahlungsschwierigkeiten befand. Unbegründet ist auch die weitere Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe außer acht gelassen, daß die Beklagten bei den Verhandlungen zu dem Vertrage vom 6. Voraussetzungen des § 30 Ziff 2 KO nicht ausdrücklich auch auf die Person des Hechtsanwalts MfHR abgestellt hat* Seine Ausführungen lassen jedoch keinen Zweifel darüber bestehen, daß nach seiner Überzeugung die Vorstellungen des Rechtsanwalts M^BHfcüber die iage des Schuldners die gleichen gewesen sind, wie es sie für die Beklagten als erwiesen ansieht. Bas ergibt sich aus seiner Würdigung der Aussage dieses, Zeugen, insbesondere aus dem Hinweis auf dessen Bekundung, er habe sich - als Vertreter der -Beklagten - vor den zu dem Vertrags schliß führenden Verhandlungen vom 6«.März 1950 an die Industrie- und Handelskammer gewandt und dort eine dem Vertragshilfeverfahren günstige Auskunft erhalten. Harz 1950 in den Bewußtsein gehsndelt haben, daß die Beklagten durch ihn vor anderen GlÜubigern begünstigt würden, kann dahingestellt bleiben, weil es nach den Ausführungen des Berufungsgerichts schon an einer Begünstigungsabsicht des Schuld ners, wie sie in jedem Palle für eine wirksame Anfechtung auf Grund des § 30 Ziff 2 KO Voraussetzung ist, gefehlt hat* .äine solche Beg’instigungsabsicht ist ausgeschlossen, wenn der Schuldner die volle Überzeugung hat,, daß er in absehbarer Zeit aus seinem Vermögen oder anderweit Mittel erhalten v/erde, die ihm die volle Befriedigung seiner Gläubiger gestatten (RG Warn 26, 200). Bieser Überzeugung war im vorliegenden Pall der Schuldner, wenn das Berufungsgericht von ihm sagt, daß .f,er mit Sicherheit damit gerecht net habe, mindestens mit den Kreditmitteln und hierdurch infolge Verbesserung seiner Betriebslage auch mit eigenen Mitteln nach und nach alle Gläubiger befriedigen zu können, nachdem er mit einem Teil von diesen bereits Abkommen getroffen hatte." Es kann zunächst nicht festgestellt werden, daß das Berufungs gericht, wie die Revision ihm vorwirft, bei seiner Würdigung des Verhandlungsergebnisses den Inhalt der Akten 2 Q 7/50 betreffend den Arrestantrag der Beklagten gegen den Gemeinschuldner, insbesondere den Inhalt der in diesen Akten enthaltenen eidesstattlichen Versicherung des Beklagten Wilfried I vom Februar 1950 unbe- Es kann danach nicht zweifelhaft sein, daß ihm bei seiner Würdigung des Verhandlungsinhalts und des Beweisergebnisses auch der Inhalt dieser Akten, soweit er von den Parteien vorgetragen war, gegenwärtig gewesen ist, mag es ihn auch nicht im einzelnen erörtert haben. Es hat dieses damit begründet, daß nach dem eigenen Verhalten des Klägers bei diesen Verhandlungen durch seine Aussage eine sichere Kenntnis der Beklagten von der Zahlungsunfähigkeit des Gemeinschuldners nicht bewiesen werden könne. Die Frage der Beweislast konnte es dabei ausser acht lassen (vgl RG 145, 273)“ Die Entscheidung darüber, ob eine Parteivernehmung erfolgen und welche der Parteien gegebenenfalls vernommen werden soll, hat immer auf Grund einer Würdig gung der gesamten bisherigen Verhandlung und Beweisaufnah me zu erfolgen« Hat das Gericht sich dabei bereits eine bestimmte Überzeugung über den Sachverhalt gebildet, so ist für eine ParteiVernehmung kein Raum mehr« Im übrigen hat es seine Prüfung unter dem Gesichtspunkt sowohl der persönlichen Vertrauenswürdigkeit der einen oder anderen Partei, als auch der sachlichen Wahrscheinlichkeit ihrer Behauptungen vorzunehmen« Die damit gegebenenfalls verbundene Vorauswürdigung der Parteiaussage ist hier nicht unzulässig, sondern notwendig (vgl Baumbach-Lauterbach Anm C zu § 448 ZPO)0