BGH · IV ZR 16/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtsanwalt im hat der IV 0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs ohne mündliche Verhandlung am 25o Juni 1958 unter Mitwirkung der Bundesrichter Baske, Johannsen, Maaß, Wilden und DroLoewenheim für Recht erkannt? Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt/Main vom 4* Oktober 1957 wird aufgehoben» Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen<. Die Klägerin ist Jüdinc Sie heiratete im Jahre 1928 den aus Königsberg i*Ostpr* stammenden späteren Rechtsanwalt Aus Anlaß ihrer Eheschließung erhielt sie von ihren Eltern eine Aussteuer, die nach ihren Angaben 10«OOO Banziger Gulden gekostet haben soll* 1931 begab sie sich mit ihrem Ehemann, der die zweite Juristische Staatsprüfung ablegen wollte, nach Berlin,, Ihre Wohnungseinrichtung wurde bei einem Lagerhalter eingestellt* Rach ihrer Rückkehr nach Königsberg richteten die Eheleute keine eigene Wohnung wieder ein, sondern wohnten bei den Eltern des Ehemannes* Einige Zeit darauf trennte die Klägerin sich von ihrem Ehemann* Roch im Jahre 1931 begann sie in Königsberg das Studium der Rechtsund Staatswissenschaffen* Die Klägerin, die bereits in Königsberg Beziehungen zu ihrem jetzigen Ehemann Pr*K^^ aufgenommen hatte, ging mit diesem 1933 nach Frankfurt a*M., um dort ihr Studium fortzusetzen* Da sie Verfolgungen befürchteten, begaben die Klägerin und Br*K£P sich 1933 nach Genf* Die Ehe der Klägerin wurde durch Urteil des Landgerichts in Königsberg vom 20* Oktober 1933 geschieden* Die Klägerin 'übersiedelte später nach den Vereinigten Staaten von Amerika* Bort heiratete sie Br*K)(^* Schon von Genf aus hatte sie dem Lagerhalter den Auftrag gegeben, ihren Hausrat für sie zu veräußern* Rach ihren Angaben hat sie für ein oder zwei Stücke, die verkauft worden sind, 100 BM erhalten, mit denen sie Schulden in Beutschland bezahlt hat* Die Klägerin kann nicht angeben, was aus ihrem Hausrat geworden ist* Sie begehrt Entschädigung für den Verlust des Hausrats* hat die Klägerin beantragt, das Urteil des Landgerichts zu ändern und das beklagte Land zu verurteilen, an sie 15-000 UM zu zahlen, da der Wiederbeschaffungswert des verlorenen Hausrats sich auf diesen Betrag belaufe» Bas Berufungsgericht hat das Urteil des Landgerichts geändert, den Schadensersatzanspruch wegen im Stich gelassenen Hausrats dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung-Uber die Höhe des Anspruchs an das Landgericht zurückverwiesen« Bas Berufungsgericht hat die Revision zugelassen» Entgegen der Annahme des Berufungsgerichts hat die Klägerin ihren Hausrat nicht im Stich lassen müssen; denn die Gegenstände befanden sich, als sie nach der Schweiz floh, bei einem Lagerhalter, der sie für die Klägerin verwahrte. In der in §§ 51 ff BEG geregelten privilegierten Weise sollen nur diejenigen Eigentumsschäden geregelt werden, bei denen der Schaden durch unmittelbare Einwirkung auf die Sachsub-stanz oder dadurch eingetreten ist, daß der Verfolgte oder der unmittelbare Besitzer von seiner Herrschaftsgewalt ausgeschlossen und die Sache dem unkontrollierbaren Zugriff Dritter preisgegeben worden ist. Sachen, die im Zeitpunkt der Flucht des Verfolgten bei einem Spediteur oder Lagerhalter auf Grund eines mit diesem geschlossenen Verwahrungsvertrags eingelagert waren, sind von dem Verfolgten nicht im Stich gelassen worden, da der Verwahrer nach dem Verwahrungsvertrag verpflichtet war, für die Sachen zu sorgen (vgl. Sie hat nicht behauptet, daß die in Verwahrung gegebenen Sachen nach ihrer Flucht zerstört, verunstaltet oder der Plünderung preisgegeben worden sind» Die Klägerin hat ihr Eigentum nicht zurückerlangto Sie kann nicht beweisen, daß es zerstört, verunstaltet oder der Plünderung preisgegeben worden und damit ein Anspruch nach § 51 BEG- für sie entstanden ist«, Dann bleibt vielleicht nur die Möglichkeit, daß der Verwahrer die Sachen der Klägerin auftragsgemäß veräußert hat, ohne daß sie den erzielten Erlös - gegebenenfalls nach Abzug der Lagerkosten - erhalten hat, oder daß die Sachen durch Kriegseinwirkungen zerstört oder verloren gegangen sind.