BGH · IV ZR 13/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dezember 1952 eine monatliche Pension von 440,53 DM und beanspruche in diesem Verfahren Kapitalentschädigung für die Zeit vom I, Februar 1936 bis 30, September 1952, Bei der Festsetzung seiner Pension ist die zuständige Behörde davon ausgegangen, daß der Kläger wie in den ihr vorliegenden Vergleichsfällen vor seiner Verfolgung ein Bruttoeinkommen von jährlich 6»608 KM gehabt habe. Mit Bescheid vom 28o Februar 1959 hat der Regierungspräsident in Düsseldorf dem Kläger für Schaden im Dienst bei einer Religionsgesellschaft eine Kapitalentschädigung in Höhe von 20.410,39 DM zugesprocheno Die Fntschädigungsbehörde hat festgestellt, daß für den Kläger bis zu dem 31. halt der Klagschrift, Mit Schreiben vom 26, August 1959, eingegangen am 28, August 1959, hat der Kläger bei dem Regierungspräsidenten geltend gemacht, daß er außer dem Berufsschäden, den er im öffentlichen Dienst erlitten habe und für den er durch den Bescheid vom 28, Februar 1959 entschädigt worden sei, einen weiteren Berufsschäden durch Verlust einer nebenamtlichen Tätigkeit als Aufsichtsbeamter bei einer Margarinefabrik erlitten habe. Wenn man dieses Einkommen zu seinem Gehalt als Rabbiner in Höhe von 350 RM monatlich hinzurechne, ergebe sich das von ihm in seiner eidesstattlichen Versicherung vom 21, Oktober 1956 genannte gesamte Jahres einkommen von 6,600 RM, Er habe den Anspruch wegen des Verlustes dieser Uebentätigkeit in dem Beamtenpensions verfahren nicht^feltend gemacht, weil es sich insoweit nicht um eine pensionsfähige Stellenzulage gehandelt habe. Mit Bescheid vom 21, September I960 hat der Regierungspräsident in Düsseldorf den vom Kläger geltend gemachten weiteren^Anspruch auf Entschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen abgelehnt, da der Kläger schon eine Entschädigung im beruflichen Fortkommen erhalten habe. Bas Berufungsgericht ist davon ausgegangen, daß die Klage ausdrücklich nur gegen den Bescheid vom 21 September I960 gerichtet ist« Dieser Bescheid sei ergangen, nachdem der Kläger nach dem Bescheide vom 28 Februar 1959 mit neuem Vortrag auch eine Benachteiligung in einer nebenberuflich ausgeübten Tätigkeit im privaten Bienst geltend gemacht habe« Diesen Anspruc habe er im Wege der Gegenvorstellungen gegen den ers Bescheid nachgeschoben« Der hierauf ergangene Zweitbescheid sei nicht anfechtbar« Das Entscbädigungsver fahren sei zwar bei der Rntschädigungsbehörde noch nicht abgeschlossen gewesen und der Kläger hätte neu selbständige Ansprüche nacbsc.hieben können«, Es bandl sich hier aber nicht darum, daß er einen neuen selbe digen Anspruch nachgeschoben habe, denn der Anspruc* Entschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen ein einheitlicher Schadensansprueb, für den auch nur eine einheitliche Entschädigung gewährt werden könne. Zutreffend weist die Revision darauf hin, daß der Kläger durch den ersten Bescheid nicht alles erhalten hat, was er für seinen Schaden im beruflichen Fortkommen beansprucht batte. Sie hat bemerkt, daß sie damit den eigenen Angaben des Klägers folge* Die Revision rügt, daß sich aus den Akten nicht ergebe, daß der Kläger eine solche Angabe gemacht habe* Dieses mag auf sich beruhen* Der Kläger hat in seiner eidesstattlichen Versicherung vom 26* Juni 1959 erläutert, daß er als Rabbiner monatlich 350 RM bezogen habe und aus einer anderen Tätigkeit, die gleichfalls mit seinem religiösen Amt zusammenhing, weitere 150 bis 200 RM monatlich Da der Kläger in dem vorangegangenen Verfahren seine Bezüge bereits mit 6*600 RM jährlich angegeben hatte, hätte er eine höhere als die ihm durch den Bescheid gewährte Entschädigung mit einer Klage geltend machen und zu ihrer Begründung das vortragen können, was er in seiner eidesstattlichen Versicherung vom 26* Juni 1959 angegeben hatte* Die Ansicht des Berufungsgerichts daß der Bescheid vom 28* Februar 1959 nicht anfechtbar gewesen sei, ist irrig. Für die Beurteilung der Zulässigkeit der Klage kommt es allein darauf an, daß dem im Verfahren vor der Entschädigungs behörde geltend gemachten Anspruch durch den ersten Bescheid nicht voll entsprochen worden war. Denn der zweite Bescheid war nicht in dem durch das BEG geregel ft Verfahren ergangen« Er konnte daher nicht die Grundlage für eine Klage nach § 210 BEG bilden« Daß der Kläger in seiner Klagscbrift auch auf diesen Bescheid verwiesen hat, macht seine Klage nicht unzulässig» Denn es ist aus ihr klar ersichtlich, daß er mit der Klage eine Entschädigung für Schaden im beruflichen Fortkommen geltend machen wollte, die ihm von der Entschädigungsbehörde nicht gewährt worden war, weil sie von einem geringeren als dem von ihm angegebenen Einkommen ausgegangen war« Die Klage ist auch rechtzeitig erhoben« Die Frist für ihre Erhebung ist durch die Zustellung des ersten Bescheides nicht in Lauf gesetzt worden, da die Rechtsmittelbelehrung, die der Bescheid enthielt, unzulänglich war« Es fehlte die Angabe darüber, welchen Inhalt die Klage haben mußte (LM BEG § 195 Kr« 2)« Der Kläger hat auch sein Recht, Klage zu erheben, am 21« April 1961, als die Klage dem beklagten Land zugestellt wurde, nicht verwirkt« Eine Verwirkung wäre nur eingetreten, wenn ungeachtet der unzulänglichen Rechtsmittelbelehrung von dem Kläger hätte verlangt werden können, die Klage früher zu erheben, und wenn das beklagte Land dadurch, daß die Klage nicht erhoben worden war, in den berechtigten Glauben versetzt worden war, der Kläger wolle sich mit dem ergangenen Bescheid begnügen und keine weiteren Ansprüche mehr geltend machen« An beidem fehlt es hier« Der Kläger hat innerhalb von sechs Monaten nach Zustellung des ersten Bescheides bei der Entschädigungsbehörde weitergehende Ansprüche für seinen Schaden im beruflichen Fortkommen geltend gemacht. begnügen wollte» Damit, daß der Kläger nicht durch di( unzulängliche Rechtsmittelbelehrung gebindert worden sei, rechtzeitig Klage zu erheben, kann die Verwirkung nicht gerechtfertigt werden» Das gilt hier um so weniger, als es im Jahre 1959 vielleicht noch zweifelhaft sein konnte, wie die Entschädigung für Schaden im beruflichen Portkommen zu erfolgen hatte, wenn ein Verfolgter zugleich im öffentlichen Dienst und im privaten Dienst geschädigt war* Überdies war auch im vorgedruckten Antragsformular nach beiden Schadensarten getrennt gefragt worden, es konnte deshalb die Meinung bestehen, daß auch jeder Schaden einzeln entschädigt werde und auch Uber beide Schäden durch einei besonderen (Peilbescheid entschieden werden kannte«,