BGH · IV ZR 13/59
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a) Der Zeitraum* für den festzustellen ist* ob die Kaufkraft der in ausländischer Währung erzielten Einkünfte zu Ungunsten des Verfolgten um mindestens 10 % von dem amtlichen Devisenkurs abweicht* beginnt* wenn es sich um die Feststellung der ausreichenden Lebensgrundlage handelt, mit dem Zeitpunkt, in dem der Verfolgte ein nachhaltiges Einkommen erreicht hat* und endet, wenn das Einkommen dem Verfolgten offensichtlich eine ausreichende Lebensgrundlage gewährleistet» ~ Prozeßbevollmächtigters Rechtsanwalt Dr* Krille in Karlsruhe gegen den Molkereiangestellten Mendel in Kl Kläger und Revisionsbeklagten, - Prozeßbevollmächtigt er $ Rechtsanwalt ini hat der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom % Juni 1959 unter Mitwirkung des Senats Präsidenten Ascher und der Bundesrichter Baske, Dr* von Werner Wüstenberg und Maaß für Recht erkannt $ Zur erneuten Verhandlung -und Entscheidung über den Antrag des Klägers, das beklagte Land zur Zahlung einer Kapitalentschädigung zu verurteilen, soweit darüber in dem Teilurteil des Oberlandesgerichts entschieden worden ist, sowie zur Verhandlung und Entscheidung über die außergerichtlichen Kosten der Revision wird der Rechtsstreit an das Berufungsgericht zurückverwiesen* eine ausreichende Lebensgrundlage nicht erlangt habey hilfsweise, das beklagte Land zu verurteilen an ihn wegen Schadens im beruflichen Fortkommen durch Verdrängung aus einem privaten Dienstverhältnis eine Kapitalentschädigung von weiteren 15«235?- DM und seit dem 1« Januar 1958 monatliche Teilbeträge von 256DM so lange zu zahlen, bis der gesetzliche Höchstbetrag der Kapitalentschädigung von 40»000,- DM erreicht sei« Io Das Landgericht hat dem Kauptantrag des Klägers teilweise entsprochen und damit eine Entscheidung mit einem rechtlich unzulässigen Inhalt erlassen» Auch in Entschädigungssachen ist es ausgeschlossen, gesondert über einzelne Elemente für die Berechnung der Höhe des Entschädigungsanspruchs, wie ZoBo die Dauer des EntschädigungsZeitraums, zu erkennen» Als ^Teilurteil" hat das Landgericht seine Entscheidung offenbar deshalb bezeichnet, weil es festgestellt hat, daß der EntschädigungsZeitraum bis zu dem 31» März 1957 dauere, und sich Vorbehalten wollte, in einem weiteren Urteil darüber zu befinden, ob er noch über diesen Zeitpunkt hinaus gedauert habe» 2» Mit Hecht hat das Berufungsgericht demnach über den Hilfsantrag des Klägers auf Verurteilung des .beklagten Landes zur Zahlung einer weiteren Entschädigung entschieden» Rechtlich zulässig ist es, daß das Berufungsgericht durch Teilurteil über den auf Zahlung einer Xapitalent-Schädigung gerichteten Hilfsantrag noch nicht in vollem Umfang erkannt, sondern dem Kläger‘einen Teilbetrag zugesprochen und sich die Entscheidung über den weitergehenden Anspruch Vorbehalten hat (§§ 301, 523 ZPO in Verbindung mit § 209 Abs» 1 BEG)» der Kläger, wie sich aus dem angefochtenen Urteil ergibt, kein bares Gehalt bekommen hat, sondern von den Eltern unterhalten worden ist, so ist seine damalige Tätigkeit doch wie diejenige eines gegen Entgelt beschäftigten Angestellten zu beurteilen (§30 Abs» 2 3.DV-BEG? Da der Kläger seinerzeit ohne Gehalt im väterlichen Geschäft arbeitete, hat das Berufungsgericht nach § 30 Abs« 2 3oDV-BEG als tarifliche oder sonst übliche Vergütung ein Jahreseinkommen von 2,880 EM zugrunde gelegt. März 1952 erzielten Einkommens angenommen hat, der Kläger habe bis dahin noch keine nachhaltige lehensgrundlage erlangte Denn in dem angefochtenen Urteil ist festgestellt, daß der Kläger in dieser Zeit seinen Erwerb in wechselnden Stellungen durch schwere Arbeit im Baugewerbe, der er nicht dauernd gewachsen war, fand. b) Im Jahre 1952 erhielt der Kläger eine Anstellung in einer Molkerei, die zu dem 30o September 1958 gekündigt worden ist« Das Berufungsgericht hat es offen gelassen, ob es sich dabei um eine nachhaltige Stellung gehandelt hat, und es hat für seine weitere Entscheidung unterstellt, daß dies der Eall gewesen seio Außerdem hat es unterstellt, daß In dieser Zeit die Vorsorge des Klägers für sein Alter und seine Hinterbliebenen hinreichend gesichert gewesen seio Irotzdem habe der Kläger, so meint das Berufungsgericht, vor dem 1« April 1955 keine ausreichende Lebensgrundlage erlangt« Bei der Bewertung des von dem Kläger in israelischer Währung erzielten Einkommens sei dessen Kaufkraft nach § 12 Abs« 3, § 29 ’ 3oDV~BEG zu berücksichtigen, und dann ergebe sich, daß das Einkommen bis zu diesem Zeitpunkt das Durchschnittseinkommen eines vergleichbaren Beamten des mittleren Dienstes (§ 12 Abs« 1 3* DV-BEG in Verbindung mit Anlage 1 zur 3o DV-BEG) nicht erreicht habe Das Gesetz gibt keine Richtlinien dafür, wie bei dem Vergleich der 'erzielten Einkünfte mit dem Einkommen eines entsprechenden deutschen Beamten (§ 12 Abs« 1 3oDV-BEG) die angemessene Berücksichtigung der Kaufkraft, wenn die Voraussetzungen des § 12 Abs«, 3 Satz 2 3oDV~BEG vorliegen, im einzelnen zu erfolgen hat© Aus Rechtsgründen ist an sich nichts dagegen einzuwenden, daß das Berufungsgericht als Werte, die ihm für die Kaufkraft maßgebend erschienen sind, diejenigen eingesetzt hat, die nach dem sogenannten ausländischen Wägungsschema ermittelt worden sind, also unter der Voraussetzung, daß der Ausgewanderte bei der Art der Verwendung seines Einkommens die in seiner neuen Heimat bestehenden Gewohnheiten angenommen habe© Immerhin wäre zu erwägen, daß die auf Grund des deutschen und des ausländischen Wägungsschemas gebildeten Mittelwerte allgemein den tatsächlichen Verhältnissen am nächsten kommen dürften und es schon um der Einheitlichkeit der Entscheidungen willen nicht unangemessen wäre, sie zugrunde zu legen© Ob das Berufungsgericht in diesem Zusammenhang mit Recht angenommen hat, besonders die Heizung sei in Israel teuer, oder ob die Revisionserwiderung diese aus den Angaben des Statistischen Bundesamts gezogenen Schlußfolgerungen zutreffend als fehlsam beanstandet, kann hier auf sich beruhen«, Die angemessene Berücksichtigung der Kaufkraft konnte in der Weise erfolgen, daß das Berufungsgericht bei der Umrechnung des von dem Kläger erzielten Einkommens in Deutsche Mark den Devisenkurs außer Betracht gelassen und den in israelischen Pfunden angegebenen Betrag mit der jeweiligen Kaufkraftrichtzahl verviel- facht hat« Jedoch ist es bedenklich,, daß das Berufungsgericht in denjenigen Jahren, in denen die Kaufkraft höher als der Devisenkurs gewesen ist, anders vorgegangen ist und als Vervielfachungsfaktor nicht die Kaufkraftriehtzahl, sondern den Devisenkurs eingesetzt hat; denn die Kaufkraft muß, wenn sie nach § 12 Abs* 3 3oDV-BEG- überhaupt zu berücksichtigen ist, für die ganze in Betracht kommende Zeit in Rechnung gestellt werden, und es wird regelmäßig geboten sein, dabei insgesamt einheitliche Maßstäbe anzuwenden.. Tor allem aber setzt die Anwendung des § 12 Abs0 3 3o DV-BEG voraus, daß dem^ganzenwin^Betnacht_kommenden Zeitraum der amtliche Devisenkurs um mindestens 10 $ von der Kaufkraft zu Ungunsten des Verfolgten abgewichen ist« Zu berücksichtigen sind für die Ermittlung des Verhältnisses zwischen Devisenkurs und Kaufkraft die Einkünfte erst von der Zeit an, in der der Verfolgte, ein nachhaltiges Einkommen gehabt hat, denn für die vorhergehende Zeit sind sie, was die Beendigung des Entschädigungszeitraums betrifft, von vornherein ohne Bedeutung« Nach der • von dem Berufungsgericht vorgenommenen Unterstellung sind also erst die Einkünfte in der Zeit, seitdem der Kläger bei der Molkerei beschäftigt war, erheblich« Das Jahr 1951? Ob die Kaufkraft in der danach hier maßgebenden Zeit um mehr als 10 fo von dem Devisenkurs abgewichen ist, ist in dem angefochtenen Urteil nicht festgestellt« Eine ausdrückliche Feststellung ist jedoch nötig, weil das Berufungsgericht angenommen hat, daß die Kaufkraft zeitweise sogar höher als der Devisenkurs gewesen sei und ein Unterschied von mindestens 10 $ zwischen dem Devisenkurs und der Kaufkraft zu Ungunsten des Verfolgten nicht ohne weiteres zutage liegt, so daß es offen ist, ob die Voraussetzungen für die Anwendung des § 12 Abs« 3 Satz 2 3oDV-BEG- gegeben sindo c) Außerdem endet der Entschädigungszeitraum nach § 75 Abs* 1, 2 BEO, wenn der-Verfolgte sich in das allgemeine Erwerbsund Wirtschaftsleben des Zufluchtslandes in einer Weise, die seiner Vorbildung und früheren Berufsausübung entspricht, eingegliedert hat, unabhängig davon, ob die Einkünfte diejenigen eines vergleichbaren deutschen Beamten erreicht haben* Das ist der Pall, wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse denjenigen der Angehörigen seiner Berufsgruppe in diesem Lande entsprechen (Urteil des Senats vom 15 o Oktober 1958 IV ZR 114/58, 'RzW 1.959, \ 4o a) Bei der Berechnung der KapitalentSchädigung nach der Anlage 2 zur 3« DV-BEG hat das Berufungsgericht dem Kläger unabhängig davon, ob er in Israel sozialversichert ist oder nicht, den Zuschlag von 20 # wegen der Alters- und Hinterbliebenenversorgung zugebilligt (§ 92 Abs«, 2 BEG-) 0 Es hat insoweit als allein maßgeblich angesehen, daß der Kläger in Deutschland’ als mithelfender Familienangehöriger nicht sozialversicherungspflichtig gewesen sei (jetzt § 4 Abs« 1 Kr« 3 des Angestelltenversicherungsgesetzes in der Passung vom 23o Februar 1957? In dieser Hinsicht begegnet das angefochtene Urteil keinen Bedenken« Wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, kommt es für die Höhe der KapitalentSchädigung nicht darauf an, ob der Kläger oder seine Hinterbliebenen in Israel Anspruch auf eine Rente haben» Wehn der in seiner unselbständigen ErwerbStätigkeit Geschädigte im Gegensatz zu demjenigen, der in einer selbständigen ErwerbStätigkeit geschädigt ist, den Zuschlag nicht regelmäßig, sondern nur beim Fehlen von Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält, so wird damit dem Umstand Rechnung getragen, daß jener anders als dieser in der Mehrzahl der Fälle aus seiner früheren Berufstätigkeit eine gesetzliche Alters- und Hinterbliebenenversorgung hat» Eine nach dem Abschluß der Verfolgung im Ausland erlangte Versorgung kann die Ansprüche auf den Zuschlag genau so wenig beseitigen« wie das eine Versorgung tut; die ein in seiner selbständigen Erwerbstätigkeit benachteiligter Verfolgter im Ausland erlangt hat«, Unter den Begriff der gesetzlichen Rentenversicherung im Sinne des § 92 Abso 2 BEG fällt deshalb nur eine deutsche Rentenversicherung* Wenn dieser Begriff in § 21 Abs* 3 3oDV-BEG anders zu verstehen sein sollte« was der Senat in seinem zur Veröffentlichung bestimmten Urteil vom 13o März 1959 IV ZR 283/58 offen gelassen haty so besagt das für die hier zu entscheidende Frage nichts« Auch die Ausführungsvorschriften des § 16 und des § 31 Abs«, 1 3o DV-BEG ergeben für sie nichts. § 32 3.DV-BEG vorgesehene Berechnung, daß von der mit-dem Alters- und Hinterbliebenenzuschlag errechneten Kapitalentschädigung der Betrag abgesetzt wird, um den die ohne den Zuschlag errechnete Kapitalentschädigung für den gesamten Entschädigungszeitraum zusammen mit dem seit dem 1« Juli 1948 erzielten Arbeitseinkommen die in dem gesamten Entschädigungszeitfaum erreichbaren Bezüge eines vergleichbaren Beamten übersteigt (Urteile des Senats vom 28o Mai 1958 IV ZK 28/58, RzW 1958, 314, und vom 15. Wenn auch dadurch das beklagte Land nicht beschwert ist, so ist es jedoch dadurch belastet, daß das Berufungsgericht bei der Berechnung der erreichbaren Dienstbezüge nicht nur die Altersstufe nach dem Ende des Entschädigungszeitraums bestimmt hat, sondern auch den für diesen Zeitpunkt nach der Anlage 3 zur 3. 5o Aus alledem ergibt sich, daß der Rechtsstreit auch in dem Umfang, in dem das Berufungsgericht durch Teilurteil glaubte erkennen zu können, noch nicht zur Entscheidung reif ist, daß es vielmehr der weiteren Aufklärung in tatsächlicher Hinsicht bedarf«, Das angefochtene Urteil muß, soweit in ihm über den Hilfsantrag des Klägers entschieden worden ist, aufgehoben werden,, In diesem Umfang