BGH · IV ZR 13/50
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Augenblick, wo der Beschluss dem -Anwalt zugeht, es sei denn, dass die Partei auch weiterhin infolge eines unabwendbaren Zufalles gehindert ist, das Rechtsmittel einzulegen0 2o) Das ite Visionsgericht hat bei der Nachprüfung der Entscheidung des Berufungsgerichts über ein Wiedereinsetzungsgesuch die von dem Berufungsgericht aus rechtsirrigen Brwägun-gen^ nicht geprüften, fristgerecht vorgetragenen Tatsachen selbst dahin zu würdigen, ob sie die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand rechtfertigen. Die Berufung des Beklagten gegen das urteil der 1 o Zivilkammer des Landgerichts in Oldenburg vom 1 011 o 1949 wird als unzulässig verworfen* Durch das dem Beklagten am 19 .November 194-9 augestellte Urteil hat das Landgericht die Bhe der Parteien auf die Klage geschieden und die gleichfalls auf Scheidung gerichtete widerklage abgewiesen, ^er von dem Beklagten bevollmächtigte Anwalt hat am lOoBove^ber 1949 um die Bewilligung des Armenrechts für die beabsichtigte Berufung des Beklagten nachge-suchto Der Beschluss über die Bewilligung des mmen-reehts ist im Büro des Anwalts am 30.1.1950 eingegangen c Am 16.2,1950 hat der Beklagte Berufung eingelegt und um die V/iedereinsetsung in den vorigen Stand nachgesucht. Der Beklagte hat zur Begründung seines wiederein Setzungsgesuchs vorgetragen, der Beschluss über die Bewilligung des Armenrechts sei ihm persönlich überhaupt nicht bekanntgegeben und seinem -Aiva.lt nur formlos übermittelt worden« Durch ein nicht mehr aufklürbares Büroversehen sei der Beschluss, ohne seinem Anwalt vorgelegt worden zu sein, zu den -aten gebracht worden, Dom Versehen müsse seinen ^rund darin haben, dass der langjährige und eingearbeitete Gehilfe des Bürov o rs t eh ers am 30*November 1949 fristlos entlassen worden sei und eine andere Angestellte den Beschluss einfach zu den Akten gebracht haben müs s e v ihr am 24.Juni 1950 zugestellte Urteil hat die Klägerin am 5*3ept,195G Revision eingelegte Gegen die 'Versäumung der ne visionsfrist ist ihr durch Beschluss vom 7.fiept, 1950 die Y/iedereinsetzung in den vorigen otand gewährt worden. Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist kann einer Partei nach § 253 220 nur dann gewährt werden, wenn sie furch Naturereignisse oder durch andere unabwendbare Zufälle verhindert worden ist, die Prist einzuhalten. -uer Umstand, durch welchen der Beklagte gehindert war, die Berufung einzulegen, war seine Armut, Dieses Hindernis' war in dem Augenblick gehoben, als ihm oder seinem Prozessbevollmächtigten nie Nachricht Uber die Bewilligung des Armenrechts und die Beiordnung des per Beschluss über die Bewilligung des Armenrechts musste hier auch nicht dem Beklagten persönlich zugahen, um die Prist des § 254 ZPO gegen ihn in Lauf au setzen. Damit begann die Trist nach § 234 Abs i u 2 ZPO au laufen, wenn nicht ein anderer umstand, der im Sinne des (j 233 ZPO als Naturereignis oder unabwendbarer Zufall anzusehen, ist, den Beklagten auch weiterhin gehindert hätte, sein Rechtsmittel einzulegen. Das Berufungsgericht hat den von dem Beklagten vorgetragenen Sachverhalt in dieser Richtung nicht geprüft, da es aus rechtsirrigen Erwägungen wegen der unterbliebenen Zustellung des Armenrechtsbeschlusses die Biedereinsetzung. Die von dem Berufungsgericht gewährte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist eine Voraussetzung für die Zulässigkeit der Berufung. Soweit es sich um die in der Revisionsinstanz von Amts wegen zu prüfende Zulässigkeit der Berufung handelt, hat das Reichsgericht zutreffend ausgeführt, dass das Revisionsgericht auch ’Tatsachen zu berücksichtigen habe, die dem Berufungsgericht nicht Vorgelegen haben, und die Beweise _selbständig zu würdigen habe. Bs sei deshalb trotz § 561 Abs 2 ZPO an die Peststellung des Berufungsrichters, dass eine tatsächliche Behauptung wahr oder unwahr sei, nicht ge-ban den, sondern hab e die Ri chtigkeit der Beh auptung sn von sich aus neu zu prüfen, erforderlichenfalls auch Beweise zu erheben (RGZ 159? w n t s c n e idung liber eine vom Beruiungsgericho uu© rechtsirrigen Erwägungen .gewährte Wiödereinse tsung in den vorigen Stand handelt, bezüglich der von dem Berufungsgericht nicht geprüften Tatsachen« Das Revisionsgericht hat insoweit selbst darüber au befinden, ob diese Tatsachen die gewährte Wiedereinsets zung in den vorige otand rechtfertigen oder nicht, im vorliegenden Rail, ob der 'Wiedereinsetzungsantrag des Beklagten innerhalb der Frist des § 234 ZPO gestellt isto Der Beklagte muss darlegen und glaubhaft machen, dass er, obwohl der Beschluss über die Bewilligung des Armenrechts seinem Anwalt bereits am 30* 1,1950 zugegangen war, infolge eines unabwendbaren Zufalls weiterhin gehindert war, die Berufung einzulegen» Hierbei können nach §§ 254, 236 ZPO nur die 'Tatsachen berücksichtigt werden, die er innerhalb einer Frist von 14 lagen seit dem Zeitpunkt, indem sein Anwalt von dem Armenrechtsbeschiuss tatsächlich Kenntnis erhielt, vorgebracht hato Das sind nur die in seinem Schriftsatz vom 16,2,1950 vorgetragenen Tatsachen, Sein späteres tatsächliches Vorbringen in derRevisionsinstanz kann auch im Falle einer zurück-Verweisung nicht mehr beachtet werden„ Aus diesem Vorbringen lässt sich nicht feststellen, ob der Anwalt des Beklagten, dessen Verschulden dieser nach § 232 Abs 2 ZPO zu vertreten hat, das von ihm nach den Umständen zu verlangende ausserste Mass von Sorgfalt hat walten lassen, um zu bewirken, dass der Armenrechtsbeschluss.ihm am'Tage des Eingangs auch vorgelegt wurde* Der Beklagte hätte dazu vortragen müssen« welche organisatorischen Massnahmen sein Anwalt hinsichtlich der Überwachung und Vorlage der Bosteingänge an ihn getroffen hatte, gegebenenfalls inwieweit diese' Organisation durch die fristlose Bntiassung des Angestellten gestört worden -war, v/eiche anderen Anordnungen er zur Beseitigung dieser Störung getroffen hatte oder aus welchen Gründen er solche Anordnungen nicht treffen konnte* Da der Beklagte hierzu überhaupt keine bestimmten iatsachen vorgetragen hat, kann auch nicht festgestellt werden, dass die verspätete Kenntnisnahme von dem urraenrechtsbe-schluss durch seinen Anwalt auf einem unabwendbaren