BGH · IV ZR 12/70
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Antrag der Beklagten auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen den Ablauf der Frust zur Einlegung der Revision gegen das am 6, November 1969 verkündete Urteil des 10, Zivilsenats des Kammergeriohts in Berlin wird zurückgev/iesen , Das Berufungsurteil ist am 9° Dezember 1969 dem zweitinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten der Beklagten zugost eilt worden» Dieser übersandte es mit einem Begleitschreiben vom 8o Dezember 1969p in dem auf den Ablauf der Revisionsfrist am 9, Januar 1970 hingewiesen wurde, dem Zweitbeklagteh, und zwar wunschgemäß unter der Anschrift der Firma "iflHHB1 Der Zweitbeklagte befand sich seit dem 2, Dezember 1969 in Roquebrime bei Monte Carloo lach seiner eidesstattlioton Versioherung erkrankte er dort, so daß er die Firma "XflIHilB" nicht in der vorgesehenen Weise besuchen konnte und deren Angestellte die angesammelte Post erst nach dem Ablauf der Hevisionsfrist der Sekretärin des Zweitbeklagten in Hfm zusaridten, die sie am 140 Januar 1970 nach ROquebrune brachte o Die Beklagten haben am 28Januar 1970 die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt und zugleich Revision gegen das Berufungsurteil eingelegte Der Antrag mußte zurückgewiesen werden« Für die Entscheidung kann von der Darstellung der Beklagten ausgegangen werden0 Das geltend gemachte Hindernis wäre dann am 140 Januar 1970 "behoben gewesen und der Antrag innerhalb der Frist des § 234 ZPO gestellt wordene Er entspricht im übrigen den gesetzlichen Forrn-vorschrifteno Sachlich ist er jedoch nicht begründet0 Einer Partei kann die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt werden? daß der Zweitbeklagte in Roquebrune erkrankte und deshalb die Post nicht wie geplant in München abholen konnte ? ärztliche Behandlung begeben hato Weder hieraus noch aus dem Antrag ist ersichtlich, v/ann die Krankheit begonnen hat* Hoch weniger 1st glaubhaft gemacht, daß sie den Zweitbeklagten außer Stand gesetzt haben sollte? teiligt, hat also dort kein Weisungsrechte Es muß mithin davon ausgegangen werden, daß die Betreuung seiner Post nur gefälligkeitshalber, etwa auf Grund einer bestehenden ßeschäftsverbindung, übernommen worden ist. Welche Personen sich hierzu bereitgefunden haben und warum sie der Zweitbeklagte als verläßlich ansehen durfte, haben die Beklagten nicht angegeben„ Noch weniger haben sie glaubhaft gemacht, daß die betreffenden Angestellten mit der gebotenen Eindringlichkeit und Genauigkeit instruiert wirden wären 0 Tatsächlich haben sie denn auch nach der eidesstattlichen Versicherung des Zweitbeklagten die für Ihn eingogangene Post nicht mit der notwendigen Sorgfalt behandelt, sondern zunächst wochenlang liegengelassen o Gegenüber diesem tatsächlichen Verhalten fehlt es an jeder Glaubhaftmachung dafür, daß der Zweitbeklagte auch bei Anwendung der nach § 233 ZPO gebotenen Sorgfalt mit einem solchen Versagen nicht zu rechnen brauchte und daß er deshalb ungeachtet seiner Erkrankung darauf vertrauen durfte, die Nachricht von der Zustellung des lerufungsurteila werde ihn schon auf Grund der vorher getroffenen Maßnahmen in Jedem Falle rechtzeitig er-'reicheno . Den Beklagten mußte deshalb die YJiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen den Ablauf der Revisionsfrist versagt -werden c