BGH · IV ZR 10/65 vom 16.03.1966
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der aus Rumänien stammende und dem Judentum angehörende Kläger begehrt Entschädigung für Schaden an Freiheit und Körper oder Gesundheit» Mit Schreiben vom 21» Dezember 1961 haben die Rechtsanwälte van und in K^B dem Der Kläger hat zur Begrändung seines Antrages auf Gewährung, der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand vorgetragen, er habe in Paris vor Ablauf der Anmeldefrist bei der URO und dem Rechtsberater Steinbrocher die Auskunft erhalten, in Rumänien verfolgte Juden könnten keine Entschädigung nach dem Bundesentscbädi-gungsgesetz erhalten, weil es sich bei den Verfolgungsmaßnahmen gegen sie um Maßnahmen der rumänischen Regierung gebandelt babe. Das Berufungsgericht hat dem Kläger Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Antragsfrist des § 189 Abs» 1 BEG nicht gewährt» Der Kläger habe die Anmeldung alsbald nach Wegfall des Hindernisses nachholen und gleichzeitig den Antrag auf Gewährung der Wiedereinsetzung stellen mUssen» Auch habe er alsbald die Umstände angeben mUssen, auf denen es beruhen solle, daß er die Antragsfrist nicht eingehalten habe» Der Kläger habe am 5o Juni 1961 den Anmeldevordruck unterschrieben und am gleichen IPage den Rechtsanwälten van 2BHHW9 und WBIHB Die genannten Rechtsanwälte, deren Verschulden der Kläger gegen sich gelten lassen mUsse, hätten den Antrag mit dem Wiedereinsetzungsgesuch jedoch erst am 29» Dezember 1961 an die Entschädigungsbebörde gelangen lassen» Damit sei allein bis zu dem Eingang der Anträge schon eine Frist von mehr als 6 Monaten von dem Zeitpunkt an verstrichen, seit dem der Kläger erfahren habe, daß seine Anmeldung doch Erfolg verspreche, und sich daher entschlossen habe, einen Entschädigungsantrag zu stellen. Gründe dargelegt, die der Einhaltung der Anmeldefrist entgegengestanden haben sollten« Die vom Kläger beauftragten Rechtsanwälte hätten den Antrag mit dem Wiedereinsetzungsgesuch unverzüglich an die Bntschädigungs behörde weiterleiten und auch zugleich den ihnen damals schon bekannt gewesenen oder von ihnen durch Befragung des Klägers leicht festzustellenden Hinderungsgrund, der einer rechtzeitigen Anmeldung entgegengeetanden habe, mitteilen müssen« Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (RzW I960, 135 Nr« 37) muß der Berechtigte, wenn das der Fristwabrung entgegenstehende Hindernis behoben ist alsbald den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand stellen« Je nach den Verhältnissen kann ihm hierfür auch eine zwei Wochen (vgl» §§ 209 Abs« 1 BEG, 234 ZPO) übersteigende angemessene Frist zugebilligt werden« Die im vorliegenden Falle verstrichene Frist von mehr als 6 Monaten bat das Berufungsgericht aber ohne Rechtsirrtum als nicht mehr angemessen angesehen« Vergeblich wendet sich di,e Revision auch gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, im Sinne des § 189 Abs« 3 BEG könne nur ein begründeter Wiedereinsetzungsantrag als solcher gewertet werden, da die Entschädi-gungobehörde nur über einen begründeten Antrag sachlich entscheiden könne« Das hat der Senat in seinem Urteil Wie der Senat in der genannten Knt-scheidung ferner angenommen hat, muß der Berechtigte, der sich auf § 189 Abs, 3 EKG beruft, wenn er ohne sein Verschulden nicht in der Bage ist, zugleich mit seinem Antrag die Gründe darzulegen und die Mittel der Glaubhaftmachung anzugeben, weshalb er ohne sein Verschulden verhindert war, die Antragsfrist einzuhalten, alsbald nach Behebung des der Beibringung dieser Begründung entgegenstehenden Hindernisses die Begründung und Glaubhaftmachung seines WiedereinsetZungsantrages nachbringen. Auch hieran fehlt es, wie das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum angenommen bat, im vorliegenden Falle, da die späteren Bevollmächtigten des Klägers bis zur Einreichung der Begründung weitere 15 Monate haben verstreichen lassen. Zutreffend hat das Berufungsgericht ausgeführt, die vom Kläger beauftragten Rechtsanwälte hätten den Antrag mit dem Wiedereinsetzungsgesuch unverzüglich an die Bntschädigungs-behörde weiterleiten und auch zugleich den ihnen damals schon bekannt gewesenen oder von ihnen durch Befragung des Klägers leicht festzustellenden Hinderungsgrund, der einer rechtzeitigen Anmeldung entgegengestanden habe, mitteilen müssen.