BGH · IV ZR 797/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 9o Juli 1969 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr, Hauß sowie der Bundesrichter Johannsen, Wüstenberg, Dr, Reinhardt und Dr, Buchliolz für Recht erkannt: Sein Schreiben vom 9» November 1962 sei als Anfechtung der Vereinbarung wegen arglistiger Täuschung und als Kündigung des Vertragsverhältnisses der Parteien aus wichtigen Grunde anzusehen» Zur Anfechtung der Vereinbarung sei er deshalb berechtigt gewesen, weil der Kläger ihm erklärt habe, er habe von der Grundstückseigentümerin einen Fest- und Alleinauftrag und diese werde 3 % Provision zahlen» In Wahrheit habe der Kläger keinen solchen Auftrag gehabt und die Grundstückseigentümerin habe ihm gegenüber sogar erklärt, daß sie keine Verkäuferprovision zahlen werde» Da er bereits durch einen anderen Makler von den Verkaufsabsichten der Grundstückseigentümerin Kenntnis gehabt habe, sei die von ihm mit dem Kläger getroffene Vereinbarung für Ihn nur von Interesse gewesen, wenn ein Fest- und Alleinauftrag Vorgelegen hätte und die Verkäuferprovision gesichert gewesen wäre» Nur infolge der Täuschung durch den Kläger sei es zura Abschluß der Vereinbarung gekommen» Sein Recht zur fristlosen Kündigung habe sich daraus ergeben, daß der Kläger die ihm obliegenden Pflichten gröblichst verletzt habe» Soihabe der Kläger sich nicht darum bemüht, seine Verpflichtung, von der Verkäuferin eine Gebühr von 3 % zu erheben, zu erfüllen» Auch habe er es in der Folgezeit unterlassen. 1o Das Berufungsgericht ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die zwischen den Parteien am 30, April 1962 getroffene Vereinbarung vom Beklagten nicht wirksam angefochten, gekündigt oder aus einem sonstigen Grunde in Fortfall gekommen ist, so daß der Beklagte auf Grund dieser Vereinbarung zur Zahlung der Klagesumme verpflichtet ist» 20 Soweit es um die Behauptung des Beklagten geht, der Kläger habe bei der Vereinbarung am 30» April 1962 einen Fest- und Alleinauftrag vorgetäuscht, und der Beklagte hieraus ein Anfechtungsrecht herleiten will, hat das Berufungsgericht zv/ar in dem Schreiben des Beklagten vom 9» November 1962 eine AnfechtimgserKlärung im Sinne des §123 Abs» 1 BGB gesehen, das Vorliegen einer arglistigen Täuschung aber nicht für erwiesen gehalten» Zutreffend ist das Berufungsgericht hierbei davon ausgegangen, daß denjenigen, der seinem Geschäftspartner eine Täuschungshandlung vorv/irft, die Beweislast hierfür trifft» Seine Erwägungen zur Beweiswürdigung liegen auf tatsächlichem Gebiet land sind daher grundsätzlich der Nachprüfung durch das Revisionsgericht entzogen» Die von der Revision insoweit vorgebrachten Rügen laufen im wesentlichen darauf hinaus, daß die Revision die von den Parteien vorgetragenen Tatsachen und die vom Berufungsgericht erhobenen Beweise anders würdigt als es das Berufungsgericht getan hat» Mit diesem Vorbringen kann die Revision nicht gehört werden (§ 561 ZPO)o Vergebens bemüht sich die Revision, die durchaus mögliche tatrichterliche Würdigung zu erschüttern, für den Beklagten sei es auch ohne das Bestehen eines Fest- und Alleinauftrages des Klägers von erheblichem Interesse gewesen, über den Kläger mit der Grundstücks eigentümerin in Verbindung zu kommen« Getragen wird diese Annahme von der Feststellung des Berufungsgerichts, daß es dem Beklagten trotz seiner von ihm selbst hervorgehobenen Eigenschaft als namhafter Gütermakler und seiner - wie das Berufungsgericht unterstellt - schon früheren Kenntnis von den Verkaufsabsichten der Grundstückseigentümerin bisher nicht gelungen war, mit der Grundstückseigentümerin in Verbindung zu treten» Ließ sich danach nicht feststellen, daß der Kläger erkannt habe, für den Beklagten sei beim Abschluß der Vereinbarung die behauptete Vorstellung von einem Fest- und Alleinauftrag des Klägers ausschlaggebend gewesen, dann konnte das Berufungsgericht fehlerfrei zu dem Ergebnis gelangen, daß insoweit eine Arglist des Klägers nicht erwiesen sei» Gleichfalls erfolglos wendet sich die Revision gegen die Annahme des Berufungsgerichts, eine Arglist des Klägers lasse sich auch nicht daraus herleiten, daß er bei Eingehung der Verpflichtung, im Falle des Verkaufs vom Verkäufer eine Provision von 3 % zu erheben, dem Beklagten nicht offenbart habe, daß die Verkäuferin bisher eine solche Provision abgelehnt hatte o Es kann dahinstehen, ob sich dem Berufungsgericht in seiner Annahme folgen läßt, es lasse sich nicht ausschließen, daß der Kläger beim Abschluß der Vereinbarung darauf vertraut habe und auch habe vertrauen dürfen, diese Schwierigkeit rechtzeitig durch Verhandlungen mit der Grundstückseigentümerin noch ausräumen zu können0 Entscheidend ist die Feststellung des Berufungsgerichts, daß der Kläger allein das Risiko des Ausfalls der Verkäuferprovision zu tragen gehabt hätte„ Blieb es nach dieser möglichen Auslegung der Vereinbarung für den Beklagten aber ohne Bedeutung, ob eine Verkäuferprovision von 3 % gezahlt wurde oder nicht, dann konnte es dem Kläger bereits aus diesem Grunde nicht als Arglist angelastet werden, dem Beklagten verschwiegen zu haben, daß die Verkäuferin bisher ein Provisionsversprechen abgelehnt hatteo 3o Ira Ergebnis istdem Berufungsgericht auch darin zu folgen, daß das Schreiben des Beklagten vom 9o November 1962, selbst wenn man ihm die Bedeutung einer fristlosen Kündigung der Vereinbarung vom 13o April 1962 aus wichtigem Grunde beimißt, nicht dem Klagebegehren des Klagers entgegensteht, Die Vereinbarung der Parteien ging ausdrücklich dahin, daß im übrigen die Regelungen des RDM (Ring deutscher Makler für Immobilien« Hypotheken und Finanzierungen e„V») für Gemeinschaftsgeschäfte zu gelten haben0 In § 14 Abs» 1 dieser Regelungen ist bestimmt, daß wesentliche, den Geschäftszweck gefährdende Verstöße gegen diese Regelungen zur fristlosen Auflösung des Gemeinschaftsgeschäftes berechtigen o Das entspricht etv/a dem aus §§ 626, 723 Abs0 1 Satz 2 BGB herzuleitenden allgemeinen Grundsatz, wonach Dauerschuldverhältnisse, die - wie es bei Gemeinschaftsgeschäften unter Maklern der Fall ist -ein persönliches Zusammenarbeiten und ein gutes Einvernehmen erfordern, aus wichtigem Grunde fristlos gekündigt werden können 0 Nun bestimmt jedoch § 14 Abs0 2 der Regelungen des RDM für Gemeinschaftsgeschäfte, daß der Kundenschutz hiervon unberührt bleibt<> Dieser Kundenschutz besteht aber nach § 8 der Regelungen u0ao darin, daß der zweite Makler für die Dauer des dem ersten Makler erteilten Auftrages weder dieses noch ein anderes Wirtschaftlich gleichartiges Geschäft mit dem Auftraggeber des ersten Maklers ohne Gebührenteilung tätigen darfo Nach § 8 Abs• 3 der Regelungen aber verpflichtet die Verletzung dieses KundenSchutzes den zweiten Makler, den ersten Makler am Maklerlohn wie bei einem Gemeinschaftsgeschäft zu beteiligeno Wie das Berufungsgericht festgestellt hat, bestand der dem Kläger von der GrundStückseigenturnerin erteilte Auftrag noch fort0 Bei dem vom Beklagten getätigten Geschäft handelte es sich auch um das Grundstück.