BGH · IV ZR 771/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung zv/isehen den Parteien, die der Kläger zu dem Anlaß nahm, ein zur Wohnung gehörendes Mansardenzimmer zu beziehen,» Im Juni 1963 bezog er ein anderweit in WflHHHHHP gelegenes möbliertes Zimmero Die Ehe M^HH^wurde auf eine im November 1963 eingereichte Klage des Ehemannes durch Urteil vom Daran, daß er sich mit Frau MflHB^luzte, habe die Beklagte zunächst keinen Anstoß genommen« Plötzlich habe es ihr aber nicht mehr gepaßt, und sie habe behauptet, er unterhalte ehewidrige Beziehungen zu Frau MflHfe Sie habe ihm dann fortwährend Szenen gemacht, seine Akten durchstöbert und seine Kleidungsstücke kontrolliert« Dabei habe sie dann auch das von Frau verfaßte Schriftstück gefunden, das aber gar kein an ihn gerichteter Brief sei, sondern ein für literarische Zv/ecke verfaßtes Erzeugnis, das er zufällig mit anderen Papieren eingesteckt haben müssec Diesen "Brief” habe sie im Herbst 1962 dem Ehemann MflHI ausgehändigte Die Beklagte habe ihn auch bei Verwandten und Bekannten mit der Behauptung verunglimpft, er unterhalte ehewidrige Beziehungen zu Frau M^l^l Und dauernd damit gedroht, zur Schulaufsichtsbehörde gehen zu wollen0 Erst neuerdings habe er erfahren, daß die Beklagte im Jahre 1945 offenbar intime Beziehungen zu anderen Männern unterhalten habe; darauf müsse das von ihr gezeigte ablehnende Verhalten zurückzuführen sein«, Durch dieses Verhalten der Beklagten sei die Ehe unheilbar zerrüttet worden» Das Oberlandesgericht hat die Ehe aus § 48 EheG geschieden und ausgesprochen, daß den Kläger ein Verschulden trifft» Mit der Revision begehrt die Beklagte die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils» Das Berufungsgericht hat den Widerspruch für unzulässig erklärt, weil die Beklagte nicht bewiesen habe, daß die Zerrüttung der Ehe ganz oder überwiegend vom Kläger verschuldet worden sei«. Zu ernsthaften Spannungen sei es in der Ehe vielmehr erst gekommen, als die Beklagte den Kläger in Verdacht gehabt habe, ehewi'drige Beziehungen zu der Lehrerin zu unterhalten. Wenn die Beweisaufnahme auch nicht ergeben habe, daß solche Beziehungen bestanden hätten, so sei doch im Jahre 1961 ein Verdacht bei der Beklagten subjektiv begründet gewesen, Anlaß zu einem gewissen Argwohn habe gegeben, daß der Kläger und die Lehrerin MflB^sich nach mende Schriftstück, das die Beklagte am 11«, November 1961 beim Kläger gefunden habe«, Es sei aber trotz bestehender Zweifel nicht festzustellen, daß die Lehrerin M„ in dem Schreiben, bei dem es sich nach ihrer Bekundung um den Teil eines literarischen Entwurfs gehandelt habe, zugleich mit einer etwa literarischen Gestaltung eine Zuneigung zu dem Kläger habe zu dem Ausdruck bringen wollen und das Schriftstück dem Kläger heimlich zugesteckt habe0Jedenfalls sei es nach dem Auffinden dieses Schriftstücks zwischen den Parteien im Jahre 1961 zu einer Aussöhnung gekommene In der Folgezeit sei erneut eine wesentliche Belastung des ehelichen Verhältnisses dadurch eingetreten, daß die Beklagte vreiterhin der Überzeugung gewesen sei, der Kläger unterhalte ehewidrige und ehebrecherische Beziehungen zur Lehrerin und daß sie ihren Verdacht dritten Per- sonen gegenüber in unangemessener Weise geäußert habe, so in den Osterferien 1962 gegenüber der Lehrerin etv/a im Juli 1962 gegenüber der Lehrerin RflHHBB und im September 1962 gegenüber dem Schulrat KflHM Hierin sei ein schuldhaftes Verhalten der Beklagten zu sehen, da ein objektiv begründeter und durch die Beweisaufnahme erhärteter Verdacht nicht Vorgelegen habe«, Bei dieser Sachlage fehle es an dem der Beklagten obliegenden Beweis, daß die Zerrüttung der Ehe ganz oder überwiegend vom Kläger verschuldet worden sei«. Die Annahme des Berufungsgerichts, für das Verhalten der Beklagten habe ein objektiv begründeter Verdacht ehewidriger Beziehungen des Klägers zur Lehrerin M.nicht Vorgelegen, ist mit dem festgestellten Sachverhalt nicht vereinbar o Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß der Kläger im August 1961 bei einem Landschulheimaufenthalt in Abwesenheit der Beklagten mit Frau einer ihm unter- stellten Lehrerin, Duzfreundschaft geschlossen hat» Im November 1961 fand sich in seinem Anzug ein von der Lehrerin Mo verfaßtes Schriftstück, das nach Ansicht des Berufungsgerichts möglicherweise Teil eines literarischen Entwurfs der Lehrerin M0 gewesen war, ohne daß festgestellt werden könne, Frau M« habe damit ihre Zuneigung zu dem Kläger zu dem Ausdruck bringen wollen« Äußerlich stellt sich dieses Schriftstück jedoch als ein abgeschlossener Brief dar, der inhaltlich nur als Liebesbrief bezeichnet werden kann» Dadurch, daß sich ein solcher von der Lehrerin Mo verfaßter Brief in dem Anzug des Klägers befand, hatte der Kläger in Verbindung mit der Duzfreundschaft zur Lehrerin M» aber den bösen Schein ehewidriger Beziehungen zu Frau Mo gesetzte Hatte der Kläger aber in dieser Weise Anlaß zu Zweifeln an seiner ehelichen Treue gegeben und sich dadurch pflichtwidrig verhalten (vgl0 RGZ 133, 73, 76; OGHZ 1, 238/9), dann hatte er, nachdem es im Anschluß an das Auffinden des Briefes zv/ischen ihm und der Beklagten zu einer Aussprache und zur Versöhnung gekommen war, die Verpflichtung, sich nunmehr gegenüber Frau Mc besonderer Zurückhaltung zu befleissigen und den Verkehr mit ihr auf einen ausschließlich kollegialen Umgang zu beschränken0 Das Berufungsgericht hätte prüfen müssen, ob der Kläger dieser Verpflichtung nachgekommen ist« Dazu war auch eine Prüfung geboten, ob das spätere Verhalten des Klägers Rückschlüsse Diese wurde im August 1962 ausgesprochen» Da der von der Beklagten im Schriftsatz vom 3« Oktober 1966 S» 3 (Bl» 188 d.A0) angetretene Beweis zu der Behauptung, die Versetzung sei allein wegen ihrer Beziehungen zu dem Kläger vorgenommen worden, nicht erhoben worden ist, muß, da dies von der Revision gerügt worden ist, für die Revisionsinstanz unterstellt werden, daß die Versetzung aus dem genannten Grunde vorgenommen worden ist» Nach der Versetzung setzte der Kläger, wie das Berufungsgericht im Rahmen der Begründung des Mitschuldantrags festgestellt hat, seine freundschaftlichen Beziehungen zu Frau M» fort» Er besuchte sie wiederholt in unternahm mit ihr Autoausflüge und be- suchte sie auch einmal in Hatte der Kläger hiernach den bösen Schein ehewidriger Beziehungen zu Frau M» gesetzt, dann ist das Verhalten der Beklagten möglicherweise milder zu beurteilen» Das gilt in besonderem Maße dann, wnn*der Kläger die Beziehungen zu Frau M» in der Zeit nach der Aussöhnung mit der Beklagten nicht in einer jeden Argwohn beseitigenden V/eise eingeschränkt hat» Das Verhalten der Beklagten kann sich dann in seiner Grundhaltving als eine Reaktion auf das Verhalten des Klägers darstellen, die in dem richtigen Gefühl ihre Ursache hatte, daß sich der Kläger über das kollegiale Verhältnis hinaus für Frau M» interessierte und ihr auch \70i~ terhin zugetan war» Die ehezerrüttende Wirkung ehelicher Auseinandersetzungen, die auf eine solche Reaktion des beklagten Ehegatten zurückgehen, kann dann vorviegend dem Kläger zuzurechnen sein (RG JW 1927, 1193, BGH Urteil Auflo EheG § 48 An. 124 Abs* 2)0 Hat die Beklagte bei ihrem Verhalten die Grenzen einer noch verständlichen Reaktion überschritten, dann bedarf es einer sorgfältigen tatrichterlichen Abwägung des beiderseitigen Verhaltens der Ehegatten, um die Feststellung treffen zu können, ob der Beklagten ein schuldhaftes ehezerrüttendes Verhalten vorzuv/erfen ist und ob dies gegebenenfalls etwa eine ebenso starke ehezerrütten-de Wirkung gehabt hat v/ie das Verhalten des Klägers* Dabei darf nicht außer acht gelassen v/erden, daß der Kläger mit seinen Beziehungen zur Lehrerin N.